Karriere mit Lehre – 18 Prozent rasseln durch

Karriere mit Lehre – 18 Prozent rasseln durch

Damit haben österreichweit 18 von 100 Lehrlingen die Prüfung nicht bestanden – das ist fast jeder Fünfte und ein neuer Höchststand seit 1970.

In den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der Durchfaller konstant gestiegen. 2012 lag die Erfolgsquote nur noch bei 82,1 Prozent. Im Jahr davor, 2011, bei 82,5 Prozent. Problematisch dabei: Von den über zehntausend Lehrlingen, die jährlich durchfallen, sind 2012 nur 4.386 zur Wiederholungsprüfung angetreten. Damit haben im Vorjahr rund sechstausend Lehrlinge das Handtuch geworfen und stehen letztlich ohne abgeschlossene Berufsausbildung da. Dazu kommen noch jene, die schon vor dem ersten Prüfungsantritt aufgegeben haben.

Insgesamt gab es bei 22 Lehrberufen eine Durchfallsrate von mehr als 30 Prozent, wie aus der Lehrabschlussprüfungsstatistik für 2012 hervorgeht. Bei den kleineren Gewerbe- und Handwerksbetrieben, wo ein Drittel der Lehrlinge ausgebildet wird, fielen 22 von 100 Prüflingen durch. Auch die Tourismusbranche zählt zu den Sorgenkindern. Bei der überbetrieblichen Lehrlingsausbildung schafften 27 von 100 die Abschlussprüfung nicht.

Dagegen sticht die Erfolgsquote von Lehrlingen bei Banken und Versicherung Jahr für Jahr positiv hervor. Im Schnitt schafften hier im Vorjahr 95,4 Prozent die Prüfung auf Anhieb. Bei der Lehre zur Bankkauffrau oder Bankkaufmann hat nur jeder Dreißigste nicht bestanden. Auch die Industrie liegt mit 87,7 Prozent erfolgreichen Lehrlingen über dem Gesamtschnitt.

Beim Lehrberuf „Maler und Anstreicher“ fielen 2012 von 1.007 angetretenen Lehrlingen 383 durch, mehr als jeder Dritte. Mit dieser Durchfallsrate von 38 Prozent zählt die Maler-und-Anstreicher-Lehre zu den Problemfällen. Auch bei den technisch anspruchsvollen Lehren wie Elektroinstallationstechnik (32 Prozent), Kraftfahrzeugtechnik und Metalltechnik (je 25 Prozent) liegen die Durchfallsraten deutlich über dem Schnitt. Bei den Köchen fiel jeder Vierte durch, bei den Friseuren jeder Fünfte. Die Jugendlichen, die eine Einzelhandelslehre absolvierten, schnitten hingegen gut ab: Nur jeder Achte schaffte die Prüfung nicht.

Der in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) für Bildungspolitik zuständige Referent, Alfred Freundlinger, sieht die Erfolgsquote im Vergleich zu anderen Ausbildungen, etwa einem Studium, auf gutem Niveau. Angesichts der demographischen Entwicklung gelte es aber die Quote zu verbessern, um die Wirtschaft mit genügend Fachkräften zu versorgen. Dass in Handwerks- und Gewerbebetrieben mehr Lehrlinge durchfallen, hänge auch damit zusammen, dass diese schwerer an gute Bewerber kommen würden, erklärte Freundlinger im Gespräch mit der APA. Außerdem gilt für ihn die gute Qualität von großen Unternehmen mit eigenen Lehrwerkstätten als unbestritten.

Die Lehrlingsexpertin der Arbeiterkammer, Edith Kugi-Mazza, plädiert hingegen dafür, sich jeden Lehrberuf einzeln anzusehen, um mehr über die Gründe, warum Lehrlinge ihre Abschlussprüfung nicht schaffen, herauszufinden. Sie fordert auch eine Qualitätssicherung während der Ausbildungszeit, denn viele würden sich erst gar nicht für die Prüfung bei der Wirtschaftskammer anmelden. Kugi-Mazza vermutet, dass da auch Prüfungsängste eine Rolle spielen könnten. Ziel müsse es jedenfalls sein, die „Drop-out“-Rate zu senken, so die AK-Expertin.

Der österreichischen Wirtschaft fehlen Schätzungen zufolge an die 30.000 Fachkräfte. Die Lehre konkurriert seit einigen Jahren immer stärker mit höher bildenden Schulen. Den Betrieben fällt es oft schwer, den notwendigen Fachkräftenachwuchs zu finden. Die Sozialpartner – Gewerkschaft, Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer – haben sich nun Ende Februar in einem Positionspapier zur Schulbildung darauf geeinigt, sich die Probleme der Lehrlingsausbildung gemeinsam ansehen zu wollen und die Lehre wieder attraktiver zu machen. Erste Ergebnisse und Maßnahmen werden für den Sommer erwartet.

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