Jobs mit Zukunft: Verzweifelt gesucht

Und vor allem: in welchen Berufen? Drei mögliche Szenarien für die Zukunft der Arbeit. Sicher ist nur: Ohne bessere Bildung gibt es keine sicheren Jobs.

Jobs mit Zukunft: Verzweifelt gesucht

Kürzlich ist in Deutschland eine brandneue Studie zum Thema Telearbeit erschienen. Das Ergebnis dieser seitenlangen Untersuchung lässt sich recht nüchtern so zusammenfassen: Es gibt mehr Studien über Telearbeit als Telearbeiter.

Ganz ähnlich verhält es sich auch mit den Prognosen über die Zukunft der Arbeit. Die Zahl diesbezüglicher Abhandlungen gleicht jener der Sandkörner am Meer, die Analyse der Arbeitswelt von gestern, heute und morgen hält ganze Jahrgänge von Akademikern im Brot.

Was Österreich betrifft, so bewegen sich diese Experten zwischen folgenden Eckdaten: Derzeit gelten hierzulande etwas über vier Millionen Einwohner als Erwerbspersonen, die mit Arbeit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Vor der Krise wurde sogar ein Höchststand von 4,3 Millionen Erwerbstätigen erreicht.

Megatrend Teilzeitarbeit

Der Hauptgrund liegt in der starken Zunahme der Beschäftigung durch Frauen - allein zwischen 1995 und 2009 um 300.000 auf etwa 46 Prozent - sowie von Zuwanderern. Die Erwerbsquote bei den 15- bis 64-Jährigen liegt bei etwa 70 Prozent, nimmt jedoch in den höheren Altersgruppen stark ab und beträgt bei den 55- bis 64-Jährigen nur noch gut 40 Prozent. Die Arbeitslosenquote pendelt sich derzeit bei etwa 4,8 Prozent ein. Und ein Viertel aller Erwerbstätigen, meist Frauen, sind inzwischen Teilzeitarbeiter, eines der großen Massenphänomene auf dem Arbeitsmarkt.

Mehrere längst über nationale Grenzen hinausgehende Megatrends bestimmen seit Jahren die Diskussion um die Zukunft der Arbeit: Zum einen die demografischen Entwicklungen, insbesondere die steigenden Lebenserwartungen. Zum anderen der technologische Wandel, der den herkömmlichen Arbeitsbegriff nicht nur grundlegend auf den Kopf gestellt, sondern auch zur großflächigen Verlagerung von landwirtschaftlichen oder industriellen Tätigkeiten hin zu Dienstleistungen geführt hat.

Und schließlich die Auswirkungen der Globalisierung, aufgrund deren ein guter Teil der weltweit zur Verfügung stehenden Arbeit dort erledigt wird, wo die Löhne am günstigsten sind, also seit geraumer Zeit eher in der asiatischen denn in der westlichen Welt. Arbeitsmarktexperten haben angesichts dieser gewaltigen tektonischen Umschichtungen drei plausible Zukunftsszenarien entwickelt.

Szenario eins: Mehr Arbeit schaffen

Vereinfacht gesagt geht es dabei um eine Ausweitung der sogenannten personennahen Dienstleistungen, die durch einen hochproduktiven, exportorientierten High-Tech-Sektor finanziert werden sollen. Eine "High-Touch-Economy“, zunehmend im Versorgungs- und Betreuungsbereich, als Ergänzung der "High-Tech-Economy“. Die Erwerbsarbeit soll sich dadurch ausweiten, die Arbeitslosenraten sinken, der Ressourcenverbrauch durch ein qualitatives Wachstum der Wirtschaft tendenziell weniger werden. Und die öffentliche Hand werde der Ausweitung des Sozialsektors kräftig unter die Arme greifen.

Eine simple statistische Tatsache spricht für eine deutlich steigende Nachfrage für Gesundheits- und Pflegeberufe: Denn demnächst wird die Babyboomer-Generation, im Durchschnitt immerhin rund 130.000 Personen pro Jahrgang, in den Ruhestand treten. Aber wegen der reduzierten Fertilitätsraten stehen diesen Kohorten heute lediglich in etwa 67.000 Neugeborene pro Jahrgang gegenüber. Allein zwischen 1993 und 2001 hat die Zahl der Geburten in Österreich um rund 20 Prozent abgenommen.

"Daher muss es sowohl zu einer Erhöhung des Pensionsantrittsalters als auch zu mehr Zuwanderung kommen“, sagt Rolf Gleißner, der Arbeitsmarktexperte der Wirtschaftskammer Österreich. "Ein Kernproblem bleibt aber: Mit unproduktiven Pflegeberufen, so sozial wichtig sie auch sind, lässt sich leider kein Staat machen. Wir haben jetzt schon einen dramatischen Facharbeitermangel und benötigen in Zukunft noch mehr hoch qualifizierte Fachkräfte.“

Weil aber Deutschland vor dem gleichen demografischen Problem steht, befürchtet Gleißner, dass das viel größere Nachbarland eine weitaus höhere Sogwirkung hinsichtlich Fachkräften entwickeln wird. "Die Wanderströme auf den deutschen Arbeitsmarkt werden zunehmen. Österreich droht jetzt schon links liegen gelassen zu werden“, so der Experte.

Szenario zwei: Arbeit umverteilen

Einfach deswegen, weil das Erwerbsarbeitsvolumen nicht steigt. Optimisten bezeichnen dies als die Chance auf "Wunscharbeitszeit“, also flexible Working-Hours je nach Lebenslage, Lust und Laune. Realisten sehen im günstigsten Fall eine Ausweitung von Teilzeitstellen, befristeten Karenzierungen und Gleitzeitmodellen. Pessimisten reden von Hackeln auf Abruf.

In einem aktuellen "Zukunftsdossier“ des österreichischen Lebensministeriums heißt es zu dieser möglichen Entwicklung: "Lebensqualität wird vornehmlich in der Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit mit anderen Lebenssphären, insbesondere Familie und Freunden, gesehen. Mehr Zeit statt mehr Geld könnte das Motto lauten.“ Oder anders gesagt: Eine ausgeglichene "Work-Life-Balance“ steht im Vordergrund des Strebens.

Szenario drei: Andere Arbeiten

Dabei handelt es sich im Grunde um eine Fortführung der Entwicklungsvariante zwei, bei der neben der Erwerbsarbeit anderen Tätigkeiten mehr Beachtung geschenkt werden soll. Das Zukunftsdossier nennt zum Beispiel Kindererziehung, Haushaltsarbeiten oder Pflege älterer oder behinderter Personen im Privatbereich - alles Beschäftigungen, die ebenso wie die Einbeziehung "bürgerschaftlichen Engagements“ monetär aufgewertet würden. Etwa durch Einbeziehung in die Sozialversicherung.

Wer jedoch, wie der amerikanische Technologie-Forscher Robert Atkinson (siehe Interview rechts), etwas weniger hoffnungsvoll in die Zukunft blickt, sieht drei weitaus brutalere Arbeitsmarkt-Entwicklungspfade: "Erstens eine tendenzielle Deindustrialisierung wie in den USA oder Großbritannien, wo die Produktion in andere Länder ausgelagert wird. Zweitens: Volkswirtschaften verlieren zwar eine Menge Jobs, werden aber smarter und produzieren zumindest noch etwas im eigenen Land. Drittens: Die Industrie eines Landes entwickelt sich nicht weiter, und man hofft, statt mit besserer Technologie mit mehr Beschäftigung den gleichen Wohlstand zu erzielen.“

Atkinson glaubt nicht, dass das dritte Szenario in der Realität große Chancen hat, "weil solche Volkswirtschaften ganz schnell ihre Märkte und letztlich dann auch die Jobs verlieren. Nur mit Szenario zwei dürfte man in Zukunft Chancen haben. Aber sicher wird es zu einer Verschiebung des Arbeitsmarktes in wirtschaftlich gesehen weniger produktive Sektoren kommen, eben den Gesundheits- oder Dienstleistungsbereich.“

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