Jan Teunen: "Qualität ist das Konzept"

Jan Teunen: "Qualität ist das Konzept"

Brainds und M.O.O.CON laden am 7. März zu „Marke trifft Architektur“. Thema: Wechselwirkungen zwischen Marken, Internal Branding und Corporate Architecture. Ein Key-Note Speaker ist Cultural Capital Producer Prof. Jan Teunen.

FORMAT: Herr Professor, Sie sind Cultural Capital Producer. Wie kann man sich diese Tätigkeit vorstellen?

Jan Teunen: Ein Cultural Capital Producer ist ein Diener, der von außen in Unternehmen hineingeht und ihnen hilft, sich weiter zu kultivieren, indem er sich um vieles kümmert, was nicht in den Bilanzen ausgewiesen ist: Um die drei WWWs. Nein, nicht um das World Wide Web, sondern um Werte, Wissen und Wirken. Zum Wirken gehört auch die wirksame Kommunikation.

Wie wichtig ist kulturelles Kapital für Unternehmen?

Teunen: Ohne kulturelles Kapital kann ein Unternehmen zwar Geld verdienen, aber nicht gelingen. Zum Kern, zum Wesen des unternehmerischen Handelns gehört das Gestalten von Gesellschaft. Letzteres geht ohne kulturelles Kapital, ohne das Stiften von Sinn, nicht.

Und was ist in diesem Zusammenhang unter Unternehmenskultur zu verstehen?

Teunen: Der Begriff Unternehmenskultur für sich betrachtet ist bedeutungslos, denn jedes Unternehmen hat Unternehmenskultur. Der Begriff Unternehmenskultur ist dehnbar wie ein Gummiband. Wenn ich von Unternehmenskultur rede, meine ich eine Kultur, die sich so aus Werten, Ansichten, Zielsetzungen und Gewohnheiten zusammensetzt, dass ein Gleichgewicht entsteht zwischen wirtschaftlicher Verantwortung und ethischer Verantwortung. Wenn eine solche Kultur herbeigeführt ist, wird das Unternehmen, werden seine Mitarbeiter, Kunden, ja - die Gesellschaft beschützt, weil eine solche Kultur immer in der Nähe der Wahrheit nistet.

Bilanzen kann man auswerten, kulturelles Kapital ist schwer in Zahlen zu messen.

Teunen: Unternehmenskulturen, die - wie ich das gerade beschrieben habe, tragen zum Erreichen einer natürlichen, gesellschaftlichen und individuellen Angemessenheit bei. Bei Unternehmen, die eine destruktive Unternehmenskultur haben, geht im Durchschnitt ein Drittel aller Investitionen verloren durch innere - d.h. personalbedingte - Reibereien. Informationen werden blockiert, Mitarbeiter harmonieren nicht oder missverstehen sich, werden krank durch das Gefühl, in dem Unternehmen nicht weiterzukommen oder unterdrückt zu sein. All das nimmt die Motivation bei der Arbeit und schwächt die Wirtschaftskraft eines Unternehmens. Der Tatbestand wird immer häufiger Gegenstand von Untersuchungen, denn die Menschen verstehen, dass Wirtschaftskraft nicht nur Geldflüsse in Bewegung bringt, sondern vor allem Motor von Gesellschaft und Moral, von Kultur und Ästhetik ist bzw. sein soll. Die Steigerung der Produktivität lässt sich messen, der Rückgang bei der Personalfluktuation auch. Aber Sie haben Recht: Einiges lässt sich nicht quantifizieren. Es lässt sich aber spüren, und Unternehmer mit dem richtigen Fingerspitzengefühl, Führungskräfte, die noch über die Reinheit der Intuition verfügen, spüren, worauf es heute ankommt.

Sie sind einer der Key-Speaker beim Symposium "Marke trifft Architektur". Ihr Thema: Kultur schaffen – Natur bewahren. Über die Aufgabe des Menschen. Klingt nach einer neuen Ethik. Wie kann sich der Mensch in der Hochleistungs-Gesellschaft „Kultur“ bewahren, wie kann man Unternehmen überzeugen, dass sich das für sie im Wortsinn „auszahlt“.

Teunen: Kultur schafft man, indem man durch das, was man denkt, sagt und tut, das eigene Leben und das Anderer reicher und nicht ärmer macht. Indem man vertraut ist mit den wichtigsten Sehnsüchten der Menschen, nämlich Verbundensein mit etwas, das größer ist als sie selbst, und Potenzialentfaltung. Indem man ganzheitlich denkt und handelt - ganzheitliches Leben ist heiles Leben. Indem man Qualität im Umfeld des Menschen schafft. Dadurch werden sie von innen her bewegt, motiviert, Unternehmer der eigenen Potenziale zu sein, und wenn diese Motivation vorhanden ist, zahlt sich das natürlich auch für das Unternehmen aus.

Stichwort: Corporate Architecture. Wie findet man die passende Architektur/Räume/Kultur zum Unternehmen?

Teunen: Indem man zunächst einmal das Bewusstsein herbeiführt, dass wir in einer Zeit des Umbruchs leben und dass sich alles um Unternehmen herum in einem rasenden Tempo verändert. Einige der wenigen stabilen Faktoren ist die Identität des Unternehmens. Sie entsteht durch die Herbeiführung einer Einheit von Gedanke, Wort, Tat und Ding. Sie ist so zusagen das Rückgrat des Unternehmens. Mein Landsmann, der niederländische Schriftsteller Multatuli, hat das Wie des Findens wunderbar auf den Punkt gebracht. Ich zitiere: "Suchet den Inhalt, und die Form wird euch zugeworfen."

Und welche Fehler werden dabei am häufigsten begangen?

Teunen: Der häufigste Fehler ist, dass man nicht an die hundert Prozent des angelegten Potenzials herangeht, dass man in der Mittelmäßigkeit steckenbleibt, dass man die Dinge nicht zu Ende denkt und dass auch bei der Ausführung von Konzepten die wirtschaftliche Rationalität dominiert.

Was kann man in diesem Zusammenhang von adidas oder Swarovski lernen?

Teunen: Diese Unternehmen haben verstanden, dass man Kontexte herbeiführen muss, in denen das, was Unternehmen hervorbringen, für die Anspruchsgruppen bedeutungsvoller wird. Bei Prada bringt man es wie folgt auf den Punkt: "Die Qualität ist das Konzept."

Ein gutes Schlusswort! Danke für das Gespräch.

Symposium "Marke trifft Architektur", 7. März, ab 13 Uhr;
Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste Wien
(ehem. Semperdepot)

Anmeldung:
www.moo-con.com

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