"Frau Chef" ist in Österreich fast immer nur die Frau vom Chef

"Frau Chef" ist in Österreich fast immer nur die Frau vom Chef

Die Frauenquote in den Vorstandsetagen der im Wiener Börse Index gelisteten Unternehmen liegt bei mageren 4,2 Prozent. Weibliche CEOs gibt es hierzulande in nur zwei börsenotierten Betrieben. Dabei ist erwiesen, dass gemischtgeschlechtliche Teams eine bessere Performance liefern.

Die Chefetagen von Östererichs börsennotierten Unternehmen sind nach wie vor fast reine Männerclubs. Die aktuelle Zählung des Beratungskonzerns EY hat ergeben, dass unter den 214 Vorstandsmitgliedern der 69 im Wiener Börse Index (WBI) gelisteten Unternehmen nur neun Frauen sind. Das entspricht einer Frauenquote von mickrigen 4,2 Prozent. In fast 90 Prozent der Vorstandsetagen sitzt keine einzige Frau.

"Das Argument, dass Gleichstellung heutzutage ohnehin selbstverständlich sei, ist mit diesen Ergebnissen eindeutig widerlegt. Der Aufholbedarf ist immer noch massiv", konstatiert EY-Partnerin Elfriede Baumann. Mit einem Anteil von 4,2 Prozent liegt Österreich sogar hinter Deutschland (5,4 Prozent), wo die Regierung in den vergangenen Monaten Initiativen für die Anhebung von der Frauenquote gesetzt hat.

Hierzulande wird die öffentliche Diskussion über das Thema laut Baumann immer noch zaghaft geführt, jedoch sehr wohl in den Unternehmen selbst. "Viele haben ihre Bemühungen in den letzten Jahren verstärkt und sich zum Beispiel selbst zu einer Quote verpflichtet oder eigene Programme zur Förderung weiblicher Nachwuchskräfte ins Leben gerufen."

Frauen als Finanzchefinnen

Eine Chefin gibt es derzeit in nur zwei der WBI-Firmen: Die Kärntner BKS Bank AG (Herta Stockbauer) und der Kräuterlikörhersteller Gurktaler (Karin Trimmel). Die "meisten" weiblichen Vorstandsmitglieder, nämlich vier, sind für Finanzen zuständig (CFO). Zwei Frauen verantworten den Bereich Operatives. Baumann wertet es als positives Signal, dass es keine Aufteilung mehr nach klassischen weiblichen und männlichen Ressorts gibt.

Betrachtet man die einzelnen Branchen, schwanken die Frauenanteile. Im Immobiliensektor ist die Quote mit zehn Prozent am höchsten, gefolgt von der Automobilbranche und dem Konsumgüterbereich (je fünf Prozent). Bei Industrie- und Rohstoffkonzernen sind immerhin noch vier Prozent der Vorstandsmitglieder Frauen, im Finanzbereich sind es drei Prozent. Gänzlich männlich sind dagegen die Chefetagen von Firmen aus den Bereichen Energie, IT, Telekommunikation und Transport.

Etwas höher ist der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der heimischen Börsenfirmen. Von 612 Aufsichtsratsmitgliedern sind 100 weiblich (16 Prozent). Bei knapp zwei Drittel der Unternehmen ist mindestens eine Frau im Aufsichtsrat vertreten, bei 39 Prozent der Firmen sind mindestens zwei Kontrollorgane weiblich.

In den Vorstandsetagen gibt es das nicht: In keinem einzigen Führungsgremium sitzt mehr als eine Frau. Dabei, so Baumann, ist es erwiesen, dass gemischtgeschlechtliche Führungsteams erfolgreicher sind. Auch zwischen der Intensität der Frauenförderung und dem Unternehmenserfolg gebe es eine positive Korrelation.

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