Gesundheitsprogramme von Unternehmen sind wertlos

Gesundheitsprogramme von Unternehmen sind wertlos

Workplace Wellness – ein Geschäft für Berater, eine sinnlose Kostenstelle für Firmen.

Die beliebten Gesundheitsprogramme von Firmen für ihre Angestellten laufen einer US-Studie zufolge weitgehend ins Leere. Weder seien die Mitarbeiter deutlich gesünder noch gebe es geringere Ausgaben bei der medizinischen Versorgung, heißt es in einem noch unveröffentlichten Bericht des US-Forschungsinstituts Rand. Für die vom US-Kongress in Auftrag gegebene Studie wurden die Gesundheitsprogramme von etwa 600 Unternehmen mit mehr als 50 Angestellten sowie die abgerechneten medizinischen Leistungen ausgewertet.

In dem Geschäft mit "workplace wellness" werden in den USA inzwischen rund sechs Milliarden Dollar umgesetzt. Etwa 500 Anbieter verkaufen den Firmen solche Vorsorgeprogramme. Mehr als jeder zweite Arbeitgeber mit mehr als 50 Angestellten hat der Rand-Studie zufolge schon entsprechende Projekte aufgelegt, die inywischen auch bei der Anwerbung von Mitarbeitern eine Rolle spielten. Mittlere bis große Unternehmen geben den Angaben zufolge pro Jahr im Schnitt 521 Dollar pro Mitarbeiter für Gesundheitsprämien aus. Das ist doppelt so viel wie noch vor vier Jahren, wie eine Studie von Fidelity Investments und der Nationalen Gesundheitsorganisation ergab. Darunter fallen etwa Geschenkgutscheine für Mitarbeiter, die Gewicht verlieren.

Kein Gewichtsverlust zu erhoffen

In der Rand-Studie heißt es unter anderem, die beteiligten Mitarbeiter würden im Schnitt nur ein Pfund Gewicht im Jahr verlieren. Nach drei Jahren sei damit bereits wieder Schluss. Auch eine Senkung des Cholesterinspiegels werde durch eine Teilnahme an betrieblichen Vorsorgeplänen nicht erreicht. Anti-Raucher-Programme haben der Studie zufolge höchstens einen kurzfristigen Effekt. Für die Firmen scheinen die Programme finanyiell kaum attraktiv: Die Gesundheitskosten liegen im ersten Jahr pro Monat nur um 2,38 Dollar unter den Ausgaben der übrigen Mitarbeiter. Die Abweichung ist so gering, dass sie statistisch nicht signifikant ist, also auch rein zufällig aufgetreten sein kann und nicht auf das Programm zurück geht.

Statistiken widerlegen die Hoffnungen

Damit stehen die Ergebnisse der Studie, die dem US-Arbeits- und Gesundheitsministerium seit längerem vorliegt, im Kontrast zur Wahrnehmung in den Firmen. "In den Unternehmen gibt es vom Firmenchef bis hinunter zum einfachen Mitarbeiter die Ansicht, dass die Programme einen Mehrwert haben", sagte Maria Ghazal, Vize-Präsidentin einer Vereinigung von Führungskräften großer Konzerne. Arbeitgeber gingen davon aus, dass sich die Gesundheit ihrer Mitarbeiter verbessere und die medizinischen Kosten sinken oder zumindest gedeckelt würden. Die Ergebnisse der Studie seien daher überraschend.

Weitere Studien unterstreichen Ergebnisse

Doch auch andere Untersuchungen stoßen ins gleiche Horn: So kamen auch Wissenschaftler der University of California zu dem Ergebnis, dass die Firmen-Programme weder zu einer Senkung des Blutdrucks oder der Cholesterinwerte führen und nur selten zu Gewichtsreduktionen. Dass die Kosten gleich blieben, könnte allerdings durch gegenläufige Effekte ausglöst sein, sagen Experten. Wenn bei einem Vorsorgeprogramm etwa Bluthochdruck festgestellt werde, fielen zunächst Kosten für eine Behandlung an. Zugleich erspare der durch den Arbeitgeber angeregte Arztbesuch dem Mitarbeiter aber vielleicht einen Herzinfarkt in 20 Jahren. Das tauche aber in keiner Kostenrechnung auf.

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