Geld für Hochschulen: Österreich bleibt knausrig

Geld für Hochschulen: Österreich bleibt knausrig

Die Regierung will die Hochschulausgaben in den kommenden sieben Jahren auf zwei Prozent des BIP heben - selbst das wäre im europäischen Vergleich laut Wifo die unterste Grenze.

Die von der Regierung angestrebte Steigerung der Hochschulausgaben auf zwei Prozent des BIP bis 2020 (derzeit 1,43 Prozent) sollte nach Ansicht des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) als "untere Grenze für die Bestrebungen zur Ausweitung der finanziellen Dotierung des tertiären Sektors angesehen werden". Das Regierungsziel würde die Möglichkeiten für Forschung und Lehre zwar real erhöhen, nach Projektionen würden die Ausgaben aber trotzdem noch "unter dem Niveau einer Vergleichsländergruppe von kleinen, offenen, hochentwickelten Volkswirtschaften" wie Finnland, Schweden, Schweiz, Niederlande und Dänemark bleiben, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Studie.

Nach den letztverfügbaren OECD-Zahlen aus dem Jahr 2009 entsprechen die Ausgaben für Hochschulen in Österreich mit 1,43 Prozent des BIP zwar dem EU-Schnitt, liegen aber unter dem OECD-Schnitt. Außerdem sollte sich nach Ansicht des Wifo ein Vergleich der Hochschulfinanzierung nicht nur an den Ausgaben in Relation zum BIP orientieren, "sondern auch die Dimension der Aufgaben berücksichtigen, die damit finanziert werden". Dazu zähle etwa der Anteil der Studenten an der Bevölkerung. Im Vergleich zu den genannten Vorbildländern sei die Finanzierung des tertiären Sektors (Hochschulausgaben in Relation zu Studentenzahl und gemessen am BIP pro Kopf) in Österreich "knapp bemessen" - der Rückstand betrage 30 Prozent oder rund 4.200 US-Dollar (3.230 Euro) pro Kopf und Jahr, gegenüber den USA sogar 100 Prozent oder rund 14.200 Dollar. Die relativ hohe Ausgabensteigerung zwischen 2002 und 2009 mit plus 0,3 Prozent des BIP sei "durch die wesentlich stärkere Zunahme der Studierendenzahl (plus 130.000) mehr als kompensiert" worden.

Für die Erreichung des Zwei-Prozent-Ziels müssten sich die jährlichen Ausgaben für den tertiären Bildungssektor bis 2020 etwas mehr als verdoppeln - von derzeit rund vier auf 8,2 Mrd. Euro. Das entspreche einer Steigerungsrate von knapp über sieben Prozent jährlich, was sogar etwas unter der Wachstumsrate des Zeitraums von 2000 bis 2010 liegen würde.

Wenn die Steigerung der Mittel nicht nur öffentlich, sondern auch privat finanziert werden soll, wären laut Wifo 2020 Studiengebühren von 1.300 Euro pro Semester nötig, um den Durchschnitt des Privatanteils der EU-Länder zu erreichen. Dies würde die öffentlichen Haushalte kumuliert um etwa 3,5 Mrd. Euro entlasten. Allerdings wären dann auch mehr Stipendien und einkommensabhängig rückzahlbare Bildungskredite nötig.

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