Führungskräfte in den USA: Warum Frauen weniger verdienen...

Führungskräfte in den USA: Warum Frauen weniger verdienen...

Unter den fünf bestbezahlten Führungskräften der S&P 500-Unternehmen – also von 2500 Bestverdienern in dieser Gruppe – finden sich nicht mehr als 198 Frauen, das entspricht etwa acht Prozent. Sie verdienen im Schnitt 5,3 Millionen Dollar und damit 18 Prozent weniger als Männer.

Laut Bloomberg ist nur eine Handvoll Frauen in den vier Jahrzehnten, seit Frauen in die Führungsspitzen der Unternehmen vorgerückt sind, tatsächlich zu den männlichen Bestverdienern aufgeschlossen.

Dabei besuchen Frauen die gleichen Wirtschaftsfakultäten. Frauen steigen bei den Gehältern im Management niedriger ein als Männer und schaffen später in der Karriere nicht so oft den finanziellen Anschluss an die Spitze. Weibliche Manager sagen von sich selbst, dass sie an ihr Gehalt weniger hohe Ansprüche stellen als die Männer. Teilweise erklären sie das mit der Sorge, als überzogen aggressiv oder selbstbezogen zu gelten.

“Ich habe mich immer darauf konzentriert, für die Interessen meines Teams zu kämpfen, aber wenn es um mich selbst ging, habe ich nicht so gut verhandelt”, sagt Dawn Lepore, die früher CEO bei Drugstore.com und Vize-Chairman des Brokers Charles Schwab Corp. war. Sie arbeitet nun als Direktor bei AOL und TJX.

Sie erinnert sich an ihre Gehaltsverhandlungen bei Drugstore.com, und sagt dazu: “Ich hielt es für eine große Chance. Dabei wollte ich es vermeiden, zunächst zu viel Gehalt zu verlangen, sondern wollte zunächst die Leistung bringen und dann dafür belohnt werden”. Sie wollte keinesfalls als gierig gelten, sagt sie, und: “Frauen sind wahrscheinlich die besseren Teamplayer”, fügt sie an.

Ausnahmen bestätigen die Regel

In den USA haben im letzten Jahr Oracle-Finanzchefin Safra Catz mit 51,7 Mio. Dollar und Marissa Mayer von Yahoo! mit 36,6 Mio. Dollar die Liste der bestbezahlten Frauen angeführt. Beide haben damit mehr verdient als so mancher Mann an der Spitze eines Großunternehmens. Die beiden können aber eher als Ausnahmen gelten.

Frauen in höchsten Führungspositionen sind in den USA so selten, dass sie laut der Personalberaterin Pat Cook von Cook & Co. aus Bronxville in New York nicht auch noch durch besonders harte Gehaltsverhandlungen auffallen wollen. Nur 20 der 500 Unternehmen im S&P werden derzeit von Frauen als CEO geführt. “Frauen beginnen ihre Karriere mit weniger Gehalt als Männer, und die Lücke scheint sich im weiteren Verlauf nicht zu schließen, und zwar auch nicht in den obersten Ebenen”, sagt die Personalberaterin. Frauen ließen sich überdies öfter auf das angebotene Gehalt ein.

Ein paar Branchen fallen jedoch durch vergleichsweise niedrige Gehälter ihrer weiblichen Spitzenmanager auf. Beispiel Denise Morrison die CEO Campbell Soup in Camden im Bundesstaat New Jersey: Mit einem Jahresgehalt von 8,8 Mio. Dollar im letzten Jahr lag sie um 24 Prozent unterhalb des Durchschnitts in der Lebensmittelbranche der USA, wie Bloomberg- Daten offenlegen. Heather Bresch von Mylan Inc. verdiente mit 9,96 Mio. Euro sogar 33 Prozent weniger als der Durchschnitts-CEO in der US-Pharma- und Biotechnologiebranche.

Aber es gibt viele Faktoren, die das Gehalt bestimmen - darunter Leistung, Lebensalter und Erfahrung. Sowohl die 59 Jahre alte Morrison, als auch die 44-jährige Bresch sind erst relativ kurz auf ihren Führungsposten.

“Frauen sind eher auf der Suche nach persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten als nur nach dem Geld, auch wenn sie bereits viel geschafft haben”, sagt M.J. Tocci von der Heinz Negotiation Academy for Women an der Carnegie Mellon Universität, und weiter: “Ich halte das auch nicht für verwunderlich, denn oft rächt sich bei Frauen eine höhere Gehaltsforderung. Selbst in Kreisen, die für Frauen angemessene Gehälter richtig finden, können sie als selbstsüchtig und unsympathisch gelten. Männer mit höheren Gehaltsforderungen sind von solchen Reaktionen nicht betroffen”. Auch der breite Arbeitsmarkt der USA ist von Gehältergerechtigkeit zwischen den Geschlechtern weit entfernt. Frauen mit Vollzeitarbeitsplatz verdienten im Jahre 2011 laut Regierungsangaben für jeden Dollar, den Männer erhielten, nur 77 Cent. Nur teilweise ist eine solche Ungleichbehandlung erklärbar durch die Art der Beschäftigung, Erfahrung und Fähigkeiten. Auf oberster Vorstandsebene im S&P 500 ergaben sich den Angaben zufolge 82 Cent je Dollar für Frauen. Hier sind Erfahrungen und Fähigkeiten besser mit denen von Männern vergleichbar.

Tocci von Carnegie Mellon ermutigt nach eigenen Angaben Frauen auf allen Gehaltsebenen zum Ziel der gleichen Bezahlung. “Wer als Frau auf sein Gehalt nicht viel gibt, sollte trotzdem verdienen, was sie wert ist. Das Geld weggeben kann man immer”, sagt die Gehaltsexpertin. Aber wer ein niedrigeres Gehalt als ein Mann für die gleiche Stelle akzeptiert, senke die Messlatte für die Frau, die danach komme.

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