Frauenquote: 100 Prozent

Frauenquote: 100 Prozent

Deutscher Personalberater startet Vermittlungsservice ausschließlich für weibliche Manager – die hält er in einem Kandidatinnen-Pool für jene Unternehmen parat, die ihre Frauenquote steigern

The Female Factor – so nennt sich nicht etwa eine neue Castingshow oder eine Kosmetikreihe aus den USA, sondern eine Personalberatung. Und wie der Name schon sagt, dreht sich dabei alles um Frauen, denn es werden ausschließlich „weibliche Managementtalente mit Unternehmen zusammengebracht“, wie es Heiner Thorborg formuliert. Der deutsche Personalberater hat gemeinsam mit Christina Virzi diese ungewöhnliche Initiative gestartet. Thorborg hatte davor u.a. die Initiative Generation CEO gegründet.

Einen Pool geschaffen

Im Gespräch mit FORMAT erklärt Thorborg, was seine Motivation für Female Factor war. „Wenn Unternehmen Suchaufträge für die zweite oder dritte Führungsebene vergeben, werden ihnen meist acht Männer und ein, zwei Frauen vorgeschlagen – und im Endeffekt entscheiden sie sich dann für einen der Männer, weil die Kandidaten besser qualifiziert waren.“ Doch viele Unternehmen wollten den Frauenanteil erhöhen. „Mit herkömmlichen Aufträgen schaffen sie das aber nicht“, glaubt Thorborg. Daher hat er einen „Pool“ von Managerinnen geschaffen, aus denen die Unternehmen auswählen können. „Wir wollen auch keine Suchaufträge“, erläutert Thorborg sein etwas ungewöhnliches Geschäftsmodell. Stattdessen würden weibliche Managementtalente „aktiv“ angeboten. „Das Interesse ist bereits sehr groߓ, sagt Thorborg.

Aber nicht für die erste Ebene

Allerdings werden die Frauen in diesem Female Factor-Pool ausschließlich für Positionen unterhalb der Vorstands- bzw. Geschäftsführerebene angeboten. Weshalb nicht für die erste Ebene? „Personalberatung für diese Ebene ist ja mein Kerngeschäft, aber ganz oben fehlen eben noch die Frauen“, sagt Thorborg und verweist auf das Musterland Schweden, wo auch erst 16 Prozent der Vorstandsposten mit Frauen besetzt sein würden. In einer Ebene darunter würden sie die Chance bekommen, sich zu beweisen, glaubt der Personalberater.

Die von Thorborg und Virzi ausgewählten Managerinnen wurden übrigens „alle persönlich an einer Karriere interessiert sein“, wie der Personalberater betont. „Die werden sich auch nicht nach zwei, drei Jahren in die Familie zurückziehen.“ Das Risiko für Unternehmen sei jedenfalls geringer als über klassische Suchaufträge. Sonst zeichnet die Managerinnen das aus, was auch männliche Kandidaten für Managementpositione auszeichnet – mit einem Unterschied: „Frauen haben mehr Empathie, nicht dieses Alphatier-Gehabe“, glaubt Thorborg zu wissen.

Kein Freund der Quote

Ist Thorborg demnach ein Verfechter der Frauenquote? „Fürs Geschäft wäre das gut, aber ich bin dennoch dagegen – es ändert sich dadurch ja nicht die Einstellung in den Köpfen.“ Nichtsdestotrotz ist er sicher, mit seinem „Female Factor“ dazu beitragen zu können, die Frauenquote zu steigern – auch in Österreich. „Hier ist das Interesse unseren ersten Erfahrungen zufolge besonders groß, ich sehe daher großes Potenzial. Dabei hatte ich Österreich in dem Zusammenhang bisher eher als rückständig gesehen“, meint der Personalberater.

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