FORMAT Uni-Ranking 2014 – So gut sind unsere Universitäten

FORMAT Uni-Ranking 2014 – So gut sind unsere Universitäten

Die Bundeshauptstadt wird demnächst um eine Universität reicher, und Attila Dogudan wird ihr Rektor - wenn auch nicht im klassischen Sinn.

Mitte nächsten Jahres will der Gründer des Gastroimperiums Do & Co ausnahmsweise kein neues Hotel, kein Restaurant und kein Cateringunternehmen eröffnen. In der Wiener Innenstadt soll eine "Universität“ entstehen. Sie richtet sich an seine Mitarbeiter, auf dem Lehrplan stehen Fächer wie "Gastlichkeit“, "Customer Relations“, "Service“ und "Essen“. Zehn bis 15 Vollzeitlehrende sollen hier rund 100 "Studenten“ unterrichten.

Warum Dogudan diesen Weg geht? Weil der weitere Erfolg seines Unternehmens davon abhängt: "Das Wachstum von Do & Co ist derzeit wegen des knappen Angebots an gut ausgebildeten Mitarbeitern eingeschränkt,“ sagt Dogudan. Auch der Erdölkonzern OMV hat zur Selbsthilfe gegriffen: Über drei Jahre hinweg schult er Techniker aus verwandten Sparten zu "Erdölwissenschaftlern“ um. Rund 30 bis 40 dieser Fachkräfte stellt das Unternehmen jährlich ein. Das entsprechende Studium an der Montanuniversität Leoben schließen jedes Jahr aber nur etwa 20 Absolventen ab. "Mit unserem Ausbildungsprogramm schließen wir diese Lücke“, sagt OMV-Personalchef Georg Horacek.

Wie Do & Co und der OMV geht es vielen heimischen Unternehmen: Sie bilden ihre Mitarbeiter nicht nur weiter, sondern sie bilden sie immer öfter auch ganz gezielt aus. Das wirft natürlich ein paar Fragen auf: Bieten Unis und Fachhochschulen wirklich jene Form von Bildung an, die die Wirtschaft von ihren Absolventen verlangt? Wieviel Praxisnähe ist richtig, wie wesentlich sind wissenschaftliche Grundlagen? Und was können und sollen Österreichs Hochschulen im globalisierten Wettbewerb um die besten Köpfe überhaupt leisten?

Eine von FORMAT in Auftrag gegebene, groß angelegte Umfrage unter 120 Personalchefs führender heimischer Unternehmen kommt jedenfalls zum Schluss: Die Hochschulausbildung junger Menschen wird in den Bereichen Wirtschaft und Technik zwar durchwegs positiv bewertet. Es fällt aber auf, dass die Qualität der Ausbildung in einigen Bereichen abnimmt und Absolventen nicht immer über jene Fähigkeiten verfügen, die Unternehmen von ihnen erwarten. Das kann Fachliches betreffen, aber auch so genannte "Soft Skills“. "Österreichische Hochschulabsolventen sind auf dem inhaltlichen Niveau mit jenen anderer Länder zu vergleichen“, sagt Birgit Payer, Leiterin des Bereichs Human Resources der Erste Bank, und bezieht sich dabei auf Wirtschaftswissenschafter und Mathematiker. "Allerdings mangelt es manchmal an Flexibilität und auch ein bisschen an Weltoffenheit“, so die Recruiterin.

Das oft beschworene Lamento, dass sich die Absolventen massiv verschlechterten, stimmen die Personalmanager trotz einiger Kritik in der FORMAT-Studie nicht an. Besonders gut bewertet wurden heuer Wirtschaftsstudien, die eine Technikkomponente aufweisen oder international angelehnt sind. Verloren hingegen haben Studien, die eher allgemein gehalten sind, etwa Wirtschaftspädagogik oder Soziologie.

Unter den FH gewann erstmals eine kleine Fachhochschule das Ranking im Wirtschaftsbereich. Die Ferdinand Porsche FernFH bietet in zwei Studienrichtungen (Wirtschaftspsychologie und Wirtschaftsinformatik) jeweils den Bachelor und Master an. "Da wir vor allem berufsbegleitende Studien anbieten und da hier Flexibilität gefragt ist, wächst die Nachfrage nach unserem Fernstudiumangeboten“, sagt FH-Leiter Axel Jungwirth.

Technikermangel

Unternehmen, die nach Spitzenkräften suchen, sehen sich mit zwei wesentlichen Problemen konfrontiert: Im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich gibt es schlicht zu wenige Absolventen, um die sich dann viele, auch internationale Unternehmen und Institutionen reißen. Bei allen weiteren Studien gibt es Qualitätsunterschiede. Ein Fünftel der befragten Personalmanager kritisiert, dass die Politik beim Thema Hochschulbildung zu wenig aktiv ist. Ein stärkeres politisches Bekenntnis zur Finanzierung von Forschung und Lehre fordert auch WU-Rektor Christoph Badelt ein.

Seit Jahren steigen die Anforderungen an Absolventen - und, damit verbunden, auch jene an die Universitäten. Ein Studienabschluss allein reicht nicht mehr. Erwartet werden Praktika, Fremdsprachen, selbstbewusstes Auftreten, das Beherrschen gängiger Präsentationstechniken, so genannte "Soft Skills“ wie Eigeninitiative und Innovationsfreude - die Liste ließe sich lange fortführen. "Im angelsächsischen Raum gehören diese Grundlagen zur Ausbildung dazu. In Österreich versäumen die Universitäten, ihren Studierenden diese Dinge mitzugeben“, kritisiert Personalberater Karl Piswanger.

"Zu verschulte Studienprogramme fördern nicht die Selbstorganisation und Eigeninitiative. Damit muss man sich auseinandersetzen“, beobachtet auch Sabine Seidler, Rektorin der TU Wien. Sie bestätigt die erhöhten Anforderungen: Auch von Technikern werde immer mehr wirtschaftliches Wissen verlangt - "aber die Curricula sind schon sehr voll.“ Diese Entwicklung verfolgt auch Ursula Axmann, die langjährige Leiterin des "zentrums für berufsplanung“ (zbp) an der WU. "Rein zeitlich kann sich das, was gefordert wird, im Lebenslauf gar nicht ausgehen“, so Axmann. Schon gar nicht seit der Bologna-Reform: An Bachelors werden oft dieselben Erwartungen gestellt wie früher an Absolventen mit Magister-Abschluss - obwohl sie zwei Semester weniger studieren. Mittlerweile hat sich das eingependelt. Der Bachelor-Abschluss ist anerkannt, dennoch hängen 80 Prozent der Studierenden einen Master an das Bachelor-Studium dran.

Fernab der Weltspitze

Die Bologna-Reform sollte auch dazu führen, dass die Akademikerquote steigt und Absolventen schneller auf den Arbeitsmarkt kommen. Nach wie vor liegt die Akademikerquote in Österreich aber unter dem OECD-Durchschnitt, und nur 65 Prozent der Studierenden schließen ihr Studium auch ab. Nichtsdestotrotz sind heimische Universitäten heillos überlaufen - wenn auch nicht überall. 37.200 Studierende schließen in Österreich jährlich ein Universitätsstudium ab, 12.300 Absolventen bringen die FH mittlerweile hervor. Aber: Rund 60 Prozent der Studenten belegen nur zehn Prozent der angebotenen Studien. Fächer wie Wirtschaft, Jus, Publizistik, Psychologie oder Architektur sind überlaufen. Oft ist es nicht möglich, im jeweiligen Fachbereich sofort einen Job zu bekommen.

Seit Jahren ist dieses Missverhältnis bekannt. Laut aktuellem Stand könnte sich die Lage in den kommenden Jahren sogar weiter verschärfen, weil etwa technische Studienabschlüsse immer wichtiger werden. Mindestens genauso lange aber steht das österreichische Hochschulsystem in der Kritik. Der OECD-Bildungsbericht weist Jahr für Jahr darauf hin, dass die heimischen Hochschulen unterdurchschnittlich finanziert werden.

In den internationalen Rankings spiegelt sich das wider: Im so genannten Shanghai-Ranking rangiert die Universität Wien als beste heimische Hochschule momentan in den Rängen 151-200, die in 50er-Blöcken zusammengefasst werden. Im Fach Physik schaffte sie es zuletzt in den Bereich 76-100, das Fach Mathematik erhielt die Bewertung 51-75. Auch im Times Higher Education Ranking zählt Österreich nicht zur Hochschul-Elite. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam das neue internationale Hochschul-Ranking der EU, das verschiedene Faktoren differenziert ausweist.

Hier stellt sich heraus, dass sich heimische Universitäten trotz der geringen Mittel gar nicht schlecht schlagen, was die Forschung betrifft. In der Lehre allerdings erzielten die österreichischen Unis mittelmäßige Werte, vor allem die Uni Graz, die BOKU und die TU Wien erreichten meist nur "Genügend“. Die Fachhochschulen schnitten hier wesentlich besser ab, vor allem jene in Krems und Wiener Neustadt. "Angesichts der Unterfinanzierung halten sich heimische Unis trotz der Verschlechterung in den Rankings gut, aber es ist klar, dass hier nicht das volle Potenzial ausgeschöpft wird“, sagt Christian Keuschnigg, Chef des Instituts für Höhere Studien und langjähriger Professor an der Schweizer Elite-Hochschule St. Gallen.

Für ihn hängt die Qualität von den verfügbaren Mitteln ab - und auch von der Qualität der Studenten. Was die Basisfinanzierung angeht, kann Österreich nicht mit den internationalen Spitzen-Hochschulen mithalten, die allerdings auch, wie etwa in den USA, über gänzlich andere Finanzierungsmodelle verfügen.

Um international mithalten zu können, müsse man aber das beste Personal anziehen und dementsprechend bezahlen können, ist Keuschnigg überzeugt. Auch ausreichende Forschungsbudgets würden dazu führen, die Spitzenleute zu bekommen - die wiederum die Spitzenstudenten anziehen. "Es wäre schön, auch in Österreich die Qualität zu verbessern, könnte man sich die Studierenden besser aussuchen, also etwa wie in der Schweiz nach einer Eingangsphase die Geeignetesten auslesen“, sagt TU-Rektorin Seidler. An der TU fällt etwa auf, dass Studierende Grundkenntnisse in Mathematik aufholen müssen, weil sie diese nicht aus der Schule mitbringen.

Die Schweiz wird regelmäßig als Vorbild für ein Hochschulwesen in einem kleinen Land genannt. Die Tests nach der Eingangsphase stellen an Institutionen wie der ETH Zürich ein gewisses Qualitätsniveau sicher - trotz des prinzipiell freien Hochschulzugangs. Allerdings sind die Schweizer Universitäten finanziell vollkommen anders ausgestattet. Die Debatte um Hochschulbudgets - und somit um einen Teil der Zukunft des Landes - läuft noch.

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