Firmen im Kampf um die besten Köpfe

Firmen im Kampf um die besten Köpfe

Anhand von 55 Kriterien und mit über 2.000 Blindbewerbungen untersuchte eine Studie, wie gut sich Österreichs Unternehmen gegenüber jungen Bewerbern präsentieren.

Heutzutage bewerben sich nicht mehr die Arbeitnehmer bei den Arbeitgebern, sondern die Arbeitgeber bei den Arbeitnehmern. Dieser fundamentale Paradigmenwechsel scheint endlich in den Betrieben angekommen zu sein.“ Mit diesen klaren Worten interpretiert Studienautor Markus Gruber, der Initiator der Erhebung „Career’s Best Recruiters“, die diesjährigen Ergebnisse seiner Untersuchung. Nach Jahren eher nur schleppender Verbesserungen im Bemühen um die besten Mitarbeiter haben sich Österreichs Unternehmen dabei diesmal gleich um satte 15 Prozentpunkte gesteigert – und erreichen damit erstmals jenes Niveau, das die deutschen Betriebe vorgeben.

Zum Gesamtsieger wurde das Beratungsunternehmen Deloitte mit dem beeindruckenden Score von 97 Prozent aller möglichen erreichbaren Punkte gekürt (siehe Tabelle ). Besonders überzeugt hat Deloitte dabei mit seiner umfassenden Social-Media-Offensive. „Unsere Facebook-Seite und der Deloitte-Karriereblog geben mit Erfahrungsberichten unserer Mitarbeiter praxisnahe Einblicke in unseren Arbeitsalltag“, berichtet die für Human Resources bei Deloitte verantwortliche Claudia Stingl.

Auf Platz zwei landete der Personaldienstleister Trenkwalder. Der war zwar zuletzt im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit für Amazon in Deutschland in die Kritik geraten, kann in Sachen Recruiting aber auf eine blitzsaubere Entwicklung verweisen: Vor zwei Jahren in der Untersuchung noch auf dem 173. Platz gelegen, wurde im Unternehmen massiv in das Zukunftsthema Recruiting investiert. Hilfreiches Tool dabei: der Optimierungsbericht von Careers’s Best Recruiters. „Durch den individuellen Bericht können wir uns direkt mit den größten Firmen Österreichs messen und sehen, wo wir uns noch steigern können“, erklärt Julia Labenz, Marketing-Leiterin bei Trenkwalder.

Professionalisierung

Mit der Uni-Credit Bank Austria folgt ein weiterer regelmäßiger Nutzer des Optimierungsberichts auf Platz drei des diesjährigen Rankings. Vorjahressieger Bawag PSK erzielt mit Rang vier ebenfalls wieder ein Spitzenergebnis und unterstreicht damit, wie hoch der Stellenwert von Recruiting und Employer Branding in der Finanzbranche ist. Mit Robert Bosch und Verbund folgen zwei Unternehmen auf den weiteren Plätzen, die ebenfalls dafür bekannt sind, dass sie großen Wert darauf legen, als Arbeitgeber für junge dynamische Fachkräfte ganz besonders attraktiv zu sein.

Gerade in Branchen mit Bedarf an technischem Fachpersonal, wo sich der Fachkräftemangel bereits spürbar bemerkbar macht, darf man als Bewerber auf ein gehobenes Bewusstsein potenzieller Arbeitgeber in dieser Hinsicht setzen. Die Professionalisierung von Bewerbungsprozess und Personalauswahl ist dabei durchaus nicht nur im Sinne der qualifizierten Bewerber, sondern auch der Unternehmen selbst. „Fehler, die ich bei der Personalsuche begehe, können später meist nur mit erheblichem Aufwand behoben werden“, berichtet Wolfgang Elsik, Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien. Unternehmen, die sich bei ihren Rekrutierungen auch an die jüngere Zielgruppe der Generation Y richten, rät Elsik, dabei unbedingt auch auf Social Media zu setzen.

Kontakthürden

Eigens untersucht wurde für die Recruiting-Studie, wie zugänglich sich Unternehmen für Bewerber präsentieren. Es ging dabei darum, wie leicht es Interessenten gemacht wurde, einen konkreten Ansprechpartner für direkte Informationen zu erreichen. Hier zeigte sich eine deutliche Polarisierung zwischen den sehr guten und den unzulänglich agierenden Unternehmen: Während 27 Prozent vorbildlich mit den Anrufern umgingen, wurde von 24 Prozent die Möglichkeit einer Kontaktaufnahme verwehrt. Entweder wurde dort keine Telefonnummer angegeben, oder die Vermittlung stellte nicht zur Personalabteilung durch (siehe Grafik ).

Das Fazit, das die Experten in der Studie zu diesem Verhalten von Unternehmen ziehen, lässt es an Deutlichkeit nicht fehlen: „Der Eindruck drängt sich auf, dass sich viele hinter ihren Karriereportalen verstecken beziehungsweise mit den dahintersteckenden Verwaltungsprozessen und der Verarbeitung von Bewerbungen derart beschäftigt sind, dass sie keine Zeit mehr finden, persönlich auf Bewerber und Bewerberinnen einzugehen.“

Die besten Mitarbeiter werden sie so auf jeden Fall nicht für sich gewinnen können. Und das ist auf lange Sicht der größte denkbare unternehmerische Fehler.

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