"Entscheidend ist, was während der Arbeitszeit passiert“

"Entscheidend ist, was während der Arbeitszeit passiert“

FORMAT: Die Einführung einer Zwölf-Stunden-Arbeitsregelung und die einer sechsten Urlaubswoche werden vehement diskutiert. Ist Aufregung angebracht?

Jan Krims: Das, was geplant ist, ist die aktuelle Aufregung nicht wert. Es geht ums Schrauben an Details. Der Zwölf-Stunden-Tag wird nicht zum Dauerzustand werden und für viele gar nicht gelten. Unternehmen werden natürlich die neue Regelung begrüßen, weil es sie ein wenig flexibler macht.

Die sechste Urlaubswoche hingegen lehnen Unternehmer weitestgehend ab.

Krims: Unsere Erfahrung zeigt in Österreich und international, dass das Ausmaß der Arbeitszeit gar nicht so entscheidend ist. Egal, ob es um Urlaub oder Arbeitszeitregelungen geht - entscheidend ist, was in der Arbeitszeit geschieht und wie produktiv das ist. Das ist es, was über Unternehmenserfolg und über jenen des Standortes entscheidet. Diesbezüglich steht Österreich relativ gut da. Könnte wir uns eine generelle Arbeitszeitsverkürzung leisten?

Krims: Im Einzelfall kann eine allgemeine Arbeitszeitsverkürzung zu enormen Schwierigkeiten führen, wo es unmöglich ist, bestehende Arbeit anders aufzuteilen. Mittelfristig ist das aber möglich. Unternehmen unterschätzen oft ihre Anpassungsfähigkeit. Das zeigt sich am Beispiel der Elternteilzeit, die auch große Aufregung verursacht hat und nun sehr gut funktioniert.

Würde das aber Arbeitsplätze schaffen?

Krims: Das ist schwer zu sagen. Zunächst werden wohl die Leute einfach in kürzerer Zeit die annähernd gleiche Leistung erbringen, also die Produktivität steigern. Dass das langfristig geht, ist unwahrscheinlich. Unternehmen sind aber vor allem dann bereit, neue Leute aufzunehmen, wenn die Zukunftsaussichten positiv und die Rahmenbedingungen stabil sind. Lohnnebenkosten sind da sicher ein Entscheidungskriterium. Verbesserungen sind hier sicher hilfreich.

Für welche Branchen wäre es relativ leicht, Arbeit anders zu verteilen?

Krims: Entscheidend ist mehr die Art des Jobs und weniger die Branche. Überall dort, wo spezielle Expertise wichtig ist, wird es schwieriger, Jobs einfach aufzuteilen. Unternehmen werden aber grundsätzlich gefordert sein, Arbeit neu zu organisieren.

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