Entrepreneurship Education: Ready for Take-off

Entrepreneurship Education: Ready for Take-off

Unternehmerische Bildung soll schon Kindern und Jugendlichen Lust aufs Gründen machen. Erste Ansätze sind vorhanden. Am Mittwoch wird Entrepreneurship Education im Rahmen der Wirtschaftsgespräche in Alpbach thematisiert.

So mancher arbeitslose Mensch kann ein Lied davon singen: Ist die Jobsuche vergeblich und die Aussicht auf eine neue Stelle gering, versuchen Arbeitsvermittlungsbehörden gern, das Selbstständigendasein schmackhaft zu machen. Viele reizt das, doch bei näherer Betrachtung wird rasch klar: Selbstständig zu sein, ist nicht jedermanns Sache. Es gehört sehr viel mehr dazu als ein bisschen Organisationstalent und Spaß an der Arbeit. Wer eine Anstellung gewohnt war, lässt sich von den Anforderungen und Risiken des Unternehmertums leicht abschrecken.

Zwar erlernt man in jedem Alter, wie ein Finanzplan zu erstellen ist, ein Businessplan geschrieben, eine Marketingstrategie entwickelt wird. Doch das nützt nicht viel, wenn die Veranlagung zum Selbstständigsein fehlt. Erfolgversprechender erscheint es, zu versuchen, bereits junge Menschen mit dem Gründervirus zu infizieren oder ihnen zumindest aufzuzeigen, welche Kenntnisse und Fähigkeiten für ein Leben als Unternehmer nötig wären. Das Schlagwort dazu nennt sich Entrepreneurship Education, also unternehmerische Bildung. Und offenbar ist es für jene, die eine solche erfahren haben, wirklich leichter, sich selbstständig zu machen. Schon die Mitarbeit beim Schulbuffet könnte der erste Anstoß sein, sich mit dem Gedanken zu spielen, später ein Unternehmen zu gründen. Am 27. August wird Entrepreneurship Education im Rahmen der Wirtschaftsgespräche in Alpbach thematisiert (11 Uhr, Hauptschule).

Entrepreneurship Education wirkt

Das Weltwirtschaftsforum hat für eine aktuelle Studie zum Thema Förderung von innovationsgetriebenem Unternehmertum in Europa mehr als 1.100 junge Unternehmer befragt. 54 Prozent gaben an, dass Entrepreneurship Education einen Einfluss darauf hatte, dass sie Unternehmer geworden sind. Ähnliches ergab eine Studie aus Schweden, die von JA-YE (Junior Achievement Young Enterprise) Schweden und der Stockholm School of Economics durchgeführt wurde. Diese hat ergeben, dass Absolventen von Mini-Company-Programmen mit einer um 20 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit ein eigenes Unternehmen gründen als junge Menschen, die nicht an einem solchen Programm teilgenommen haben.

Für den Geschmack von Herbert Rohrmair-Lewis, Bundesvorsitzender der Jungen Wirtschaft, gibt es in Österreich nicht genügend "institutionalisierte Initiativen", die dem Nachwuchs das Unternehmertum näher bringen. Er begrüßt etwa Veranstaltungen wie die Kinder Business Week der Wirtschaftskammer, bei der die Kinder etwa heuer im Juli lernen konnten, wie Ketchup gemacht wird, wie eine Selbstbedienungsbäckerei funktioniert oder welchen Weg die Sojabohne zurücklegt, bevor sie zu Sojamilch verarbeitet wird und im Laden landet. Chefs und Eigentümer von 80 Unternehmen wurden heuer eingeladen, um schon kleinen Kindern vom "Geheimnis ihres Erfolges" erzählen.

Rohrmair-Lewis bemängelt, dass solche Angebote nicht auf staatlicher Ebene initiiert und in die Ausbildung integriert werden. Zwar glaubt der Chef der Jungen Wirtschaft nicht, dass auf diese Weise jeder zum Unternehmer wird, doch er hält es für wichtig, gewisse Grundlagen zu vermitteln, zum Beispiel, "wie man überprüft, ob man kostendeckend arbeitet, wie sich ein Gehalt zusammensetzt, was Lohnnebenkosten sind und wie unser Steuersystem funktioniert."

Dieses Wissen ist für ihn "fast wichtiger als Integralrechnen". Die meisten guten mittelständischen Unternehmer zeichnen sich ihm zufolge vor allem durch die Fähigkeit aus, sich auf sich selbst verlassen zu können. Genau das bedeutet Entrepreneurship Education für ihn: Junge Menschen zu Selbstständigkeit zu motivieren, "da ist es zum Unternehmer nicht mehr so weit." Außerdem ist Mehrsprachigkeit für ihn ein wichtiger Schlüssel zum Unternehmertum.

Ganzheitlicher Ansatz.

Im universitären Bereich gibt es schon seit Längerem Unterstützungen für Studierende, die ein Unternehmen gründen möchten. Besonders aktiv ist hierzulande der Businessinkubator Inits, ein Unternehmen von ZIT, der Technologieagentur der Stadt Wien, der Universität Wien und der Technischen Universität Wien. Zu den Leistungen von Inits gehören unter anderem Beratung, Training, das Vermieten von Büros zu günstigen Preisen, aber auch Förderungen und Darlehen. Auch der Alumniverband der Universität Wien bietet mit u:start ein zweisemestriges Gründerprogramm an - für den nächsten Durchgang können sich Interessierte mit einer Idee voraussichtlich im Herbst wieder bewerben.

Doch diejenigen, die bei solchen Programmen mitmachen, haben in der Regel bereits eine Geschäftsidee. Einen ganzheitlicheren Ansatz, bei dem es in erster Linie um das Vermitteln von unternehmerischem Geist geht, verfolgt die OECD. "Uns geht es nicht nur um neu gegründete Unternehmen, sondern wir möchten vor allem einen Sinneswandel unterstützen", sagt Andrea-Rosalinde Hofer, Ökonomin am Centre for Entrepreneurship, SMEs and Local Development der OECD. Dieser Sinneswandel soll unter anderem durch die Programme Entrepreneurship360 und HEInnovate herbeigeführt werden, bei denen mit der EU kooperiert wird.

"Neue Lernumfelder treiben unternehmerische Kompetenzen voran."
Andrea-Rosalinde Hofer, OECD-Ökonomin

"How entrepreneurial is your Higher Education Institution?", ist groß auf der Homepage der Initiative HEInnovate zu lesen. Mit diesem Onlinetool können Universitäten und Hochschulen herausfinden, was sie noch tun sollten, um mehr Unternehmergeist in ihr Studienangebot zu bringen und zu einer Higher Education Institution (HEI) zu werden. Dafür wurden sieben Bereiche herausgearbeitet, zum Beispiel Mitarbeiter- und Unternehmensführung, Wege zum Unternehmertum oder externe Beziehungen für den Wissensaustausch. Hofer: "Es geht darum, inwieweit Hochschulen strategischen Kontakt zu Unternehmen aufnehmen. Wir sehen, dass diese Verbindung in den meisten Fällen sehr schwach strukturiert ist." Hofer zufolge sollte der Erfahrungs- und Wissensaustausch zwischen Universitäten und Unternehmen gerade jetzt stärker werden, da es auf dem Arbeitsmarkt große Probleme gibt. So könne herausgefunden werden, wo es beim Einstieg der Absolventen in die Arbeitwelt genau hakt.

Einen noch breiteren Ansatz verfolgt Entrepreneurship360, ein Projekt für Primar-, Sekundar- und Berufsschulen, also im Prinzip für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sechs und 19 Jahren. Hofer: "Damit wollen wir das Thema unternehmerische Bildung viel breiter aufziehen." Es gehe darum, Unternehmergeist zu einer Querschnittskompetenz zu machen und "neue Lernumfelder zu schaffen, in denen unternehmerische Kompetenzen wie Kreativität, Ideenfindung und -umsetzung vorangetrieben werden." In der Grundschule soll das vor allem durch Basar-Aktivitäten vermittelt werden, bei denen die Kinder eigene Produkte herstellen, die sie verkaufen.

Als gutes Beispiel für Entrepreneurship Education nennt Hofer die Aktivitäten der Rudolf-Steiner-Schulen, in denen den Schülern zum Beispiel sehr früh beigebracht wird, wie Landwirtschaft funktioniert und dass sie auch Auswirkungen auf Konsumenten und andere Beteiligte hat. Schüler und Lernende sollten sich Gedanken darüber machen, wie sie mit ihren Handlungen zum Weltgeschehen beitragen.

"Wir möchten mehr unternehmerisches Potenzial, mehr Start-ups, mehr Finanzmarktwissen vermitteln."
Caroline Jenner, JA-YE

Langfristig arbeitet die OECD an einem Progressionsmodell, bei dem schon in der Grundschule "erste Fundamente" geschaffen werden, denn, so Hofer: "In der Grundschule geht die Kreativität stark zurück. Das liegt daran, dass das Lernen sehr problembasiert und auf das Individuum konzentriert ist."

Hohe Durchdringung

Im Grunde dieselben Ziele verfolgt die Non-Profit-Organisation JA-YE Europe, die junge Menschen auf die globalisierte Wirtschaft vorbereiten möchte. "Wir möchten mehr unternehmerisches Potenzial, mehr Startups, aber auch mehr unternehmerisches Denken in den Unternehmen und mehr Finanzmarktwissen sehen", sagt Caroline Jenner, CEO von JA-YE Europe. Auch JA-YE spricht mit seinen Programmen Schulkinder jeden Alters und Studenten an. So geht es etwa beim Entrepreneurial-Skills-Pass darum, Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren, die ein Jahr lang in einem Mini-Unternehmen an ihrer Schule unternehmerische Fähigkeiten erworben haben, anstatt eines Zeugnisses diesen Pass zu überreichen, der ihnen bei Jobsuche oder Unternehmensgründung soll.

Noch ist man in Europa weit entfernt davon, allen Schülern und Studierenden Unternehmergeist einzuhauchen. Dennoch ist das Thema Entrepreneurship Education mehr als die Summe von ein paar Einzelinitiativen - und wie es aussieht, steht es auch erst am Anfang. Caroline Jenner: "Für uns ist es nicht genug, ein oder zwei Prozent der 16-Jährigen in Österreich anzusprechen. Wir wollen 30 oder 40 Prozent." Eine hohe Durchdringung sei wichtig. Auf politischer Ebene will man sich in naher Zukunft nicht einmal mit solchen Zielen zufrieden geben. Laut Daniel Calleja-Crespo, Chef der Generaldirektion Unternehmen und Industrie der Europäischen Kommission, sollte 2020 jeder Schüler in Europa, bevor er die Mittelschule verlässt, unternehmerische Erfahrung gesammelt haben. Ob diese Initiativen auch das Problem der Jugendarbeitslosigkeit lösen können, steht auf einem anderen Blatt.

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