"Druck und Angst verschlechtern die Entscheidungsqualität“

"Druck und Angst verschlechtern die Entscheidungsqualität“

FORMAT : Frau Daeubner, Sie konstatieren eine gedrückte Stimmungslage in Führungsetagen. Was sind die Ursachen?

Claudia Daeubner : Es gibt vielfach Krisendenken und Unsicherheit. Manager leiden vor allem unter Verlustängsten, also Angst um ihre Position, ihr Ansehen, ihren finanziellen Status, und der Versagensangst, den steigenden Anforderungen nicht mehr entsprechen zu können. Das hat Folgen: Im Gehirn formieren sich die 60.000 einzelnen Gedanken pro Tag zu Gedankenblöcken. Wird einer dieser Blöcke von Sorgen und Zukunftsängsten beherrscht, beeinflusst er rasch andere Blöcke und die unzähligen inneren Dialoge kreisen beispielsweise nur noch um die Folgen eines Image- oder Jobverlustes.

Wie wirkt sich das auf die Manager und auf ihr Verhalten im Geschäftsleben aus?

Daeubner : Durch die überzogenen und sich selbst verstärkenden Zukunftssorgen wird die Parallelwelt im Kopf als Realität angesehen. Das Gehirn schafft im Schlaf nicht den nötigen Ausgleich. Die Folge sind Einschlaf- und Durchschlafstörungen. Diese mentale Selbstsabotage führt je nach Gedankenmuster, die unsere Verhaltensmuster prägen, im Business zum Tunneldenken und verschlechtern so die Entscheidungsqualität. Statt zu rationalen Entscheidungen kommt es entweder zur "Nichtaktion“ oder zum übermotivierten unangemessenen Aktionismus.

Was macht Entscheiden unter Angst so schwer?

Daeubner : In Krisensituationen bekommt jede Entscheidung zusätzliches Gewicht. Und auf C-Level (Anm.: Vorstandsebene) stehen ständig Entscheidungen an, ohne dass man als Manager weiß, ob eine kurzfristige exzellente Entscheidung auch langfristig positiv sein wird. Aus den USA kommt die Entwicklung, dass C-Level-Manager von Aufsichtsräten immer schneller ausgetauscht werden. Das führt dazu, dass die Last der Entscheidungsverantwortung zunehmend in Komitees verlagert wird, damit der einzelne Manager weniger angreifbar ist.

Was kann man als Manager tun, wenn man bemerkt, in der Angst- und Sorgenfalle zu sitzen?

Daeubner : Wir nehmen vieles wahr, jedoch leider unser Denken nicht. Am wichtigsten ist, die negativen Denkmuster zu enttarnen und ihnen bewusst eine Stopptafel aufzustellen. Bei destruktiven Gedanken hilft es, Aufmerksamkeit auf den Atem zu lenken. Das stoppt innere Gedankenschleifen, denn wir können nicht Atemzüge zählen und gleichzeitig etwas anderes denken. Neben diesem gezielten Mind-Management hilft jegliche Art von Sport, besonders Konzentrationssportarten wie Golf oder Fechten. Auch ganz profane Tätigkeiten wie Schneeschaufeln oder Holzhacken kippen die selbstgestellte Sorgenfalle und machen differenziertes Realitätsdenken sowie kreatives Alternativendenken wieder möglich.

Zur Person
Claudia Daeubner ist weltweit als Top-Executive Coach tätig und Gründerin von Success & Career Consulting International (SCCI). Davor war sie fast zehn Jahre als Headhunter unter anderem für ein globales Executive Search Unternehmen tätig. Die Autorin mehrerer Bücher begann ihre Karriere bei der deutschen AEG in Südafrika.

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