Drei Genies im Wahnsinn: Die Samwer-Brüder

Wie sich drei Kölner Brüder ein Internetimperium aufbauten und warum sie dafür geliebt und gehasst werden. Ein Buch erlaubt jetzt seltene Einblicke - über Zalando, Rocket Internet, Silicon Valley und Dotcom-Business, Fehler und Gewinne.

Drei Genies im Wahnsinn: Die Samwer-Brüder

Jeder kennt ihre Marken, aber kaum einer kennt die Gesichter dahinter - die der "Paten des Internet", wie Journalist Joel Kaczmarek die Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer bezeichnet. Die drei Söhne einer Kölner Anwaltsfamilie dirigieren ein globales Internetimperium. Verehrt werden sie für ihr unternehmerisches Geschick, gefeiert als Stars einer neuen deutschen Gründergeneration -aber auch gefürchtet und gehasst ob ihrer Kaltblütigkeit. Menschliches Kapital verbrennen sie schon einmal und ziehen im Wettbewerb solange unlautere Register, bis jemand schreit. Der mafiöse Zusammenhalt gilt nur im Familienverbund, heißt es.

Die Bravo-Stars

Dass sie Unternehmer werden wollten, beschlossen die drei im Alter von 12, 14 und 16 Jahren, gaben dem "Handelsblatt" schon damals den Vorzug vor der "Bravo". Ihre Premiere feierten sie mit Alando. Oliver Samwer kam elektrisiert von einem Silicon-Valley-Aufenthalt zurück, Deutschland brauche ein eBay: Als sie Alando im Sommer 1999 nach ein paar Monaten an eBay verkauften, hatten sich die Mittzwanziger von ihrem Vorbild, eBay-Gründer Pierre Omidyar, aber noch einkochen lassen. Der richtete ihnen aus: "Wenn wir unseren Job aufmerksamer gemacht hätten, hätten wir euch drei auch billiger haben können."

Retrospektiv unser "größter Fehler", sagte Oliver Samwer. Mit ihren Managementposten bei eBay und der aufkommenden Katerstimmung in der Dotcom-Blase hielten sich die drei nicht lange auf, der nächste Goldrausch war in Sicht: in Japan war die Handyzukunft bereits Realität. Die Samwers steigen in den mobilen Commerce ein und holen sich für ihren Klingeltonanbieter Jamba den deutschen Handel an Bord, Media- Saturn, Debitel und Electronic Partner, und rechneten als erste in Deutschland über die Handyrechnung ab. Clever. Oliver Samwer zog alle Register seines Könnens, peitschte die jungen Mitarbeiter zu Höchstleistungen und sperrte die auch im Büro ein, bis sie fertig waren.

Zwei Jahre nach der Gründung hatten die Brüder den Dreh heraus, das Umsatzrad gewann an Schwung - mit TV-Spots und Abomodellen. "Die Spots waren legendär und krempelten die Medienwelt um. Die Popularität ging soweit, dass es uns gelang, Jambas animierte Tiere sogar als Starposter in die 'Bravo' zu bringen", erinnert sich Pressechef Tilo Bonow. Im Mai 2004 verkaufte man die 300-Mitarbeiter-Firma um 273 Millionen Dollar an den US-Anbieter Verisign. Den Anfängerfehler wie bei Alando korrigierten sie. Der Deal wurde 24 Stunden am Stück verhandelt: Einer der drei legte sich zwischendurch zum Schlafen hin, und die anderen verhandelten den verblüfften Amerikanern das Fleisch von Rippen.

Nächster Spiellevel

Mit dem Geld aus den beiden Exits starteten sie 2005 dann den European Funders Fund (EFF), der nach US-Vorbild Firmen finanzieren sollte. Sie platzierten sechsbis siebenstellige Summen. Ein Coup gelang ihnen mit dem deutschen Netzwerk StudiVZ, das zu jener Zeit das soziale Netzwerk war.

Die Samwers drängten die Gründer zum Verkauf an Holtzbrinck, obwohl Axel Springer fünf Millionen mehr offerierte . Diese fünf Millionen ließen sich die Brüder von den StudiVZ-Gründern dann wieder "erstatten". Dann leierten sie Mark Zuckerberg 1,5 Prozent an Facebook heraus, ohne den Gegenwert von 15 Millionen Euro zu bezahlen. Das Insider-Know-how der Samwers konnte Zuckerberg damals gut gebrauchen: Schließlich war er neu in Deutschland.

Drei Jahre lang investierten die Brüder wie verrückt in Community-und Internetmarktplätze, zogen im Herbst 2008 nach der Lehman-Pleite die Reißleine. Von den wahllos ausgesuchten Investments ließen sich doch ein paar gut monetarisieren: die Verkäufe von Trivago, NetViewer oder Buddy Media spülten dreistellige Millionenbeträge in die Kasse. In der Wirtschaftskrise geriet dann die ehemalige EFF-Tochter Rocket Internet ins Rampenlicht, die Samwers
bündelten ihr Inkubatoren-Know-how und boten Gründern Büroräume, Netzwerke und Dienstleistungen. Dafür mussten diese Anteile abgeben: satte 50 Prozent, die Dienstleistungen wurden extra verrechnet. "Rocket wird zur Fließbandkopiermaschine", schreibt Kaczmarek, CityDeal, E-Darling, Wimdu, E-Career oder Westwing - alles nach US-Vorbild.

Und noch ein Coup

Der nächste Coup ist das Gutscheinportal CityDeal, das sie 2010 nach sechs Monaten an US-Konkurrent Groupon verkaufen. US-Investor Ulf S. Baecker streut ihnen dafür Rosen: "Die Samwers sind die besten Internetinvestoren für internationale Skalierung. Diese Prozessorientierung erinnert mich an das Lean Manufacturing von Toyota." Groupon ging 2011 an die Börse und dann auf Talfahrt. Nachdem die Samwers den Umsatz hochgepusht hatten, schieden sie - pünktlichst nach Ende der Behaltefrist der Aktien - aus.

Auf zur nächsten Station, eigentlich ein Zufallstreffer: Zalando. Das kleine Berliner Start-up betreute Alexander, der jüngste Samwer, der sich am E-Commerce ausprobieren durfte. 2008 hatte Zaando 20 Mitarbeiter mit Praktikantenverträgen. ProSiebenSat.1 beteiligte sich mit einem Media-for-Equity-Deal, so kostete die TV-Werbung ein Zehntel des Marktpreises. Die Jamba-Übung gelang ein zweites Mal. Heute gehört Zalando zu den Perlen der globalen E-Commerce-Aktivitäten der Rocket Internet - die sich vom Nahen Osten bis nach Australien oder Asien bewegen. Gehandelt wird mit Schuhen, Möbeln, ja sogar mit Lebensmitteln. Superreiche sind ebenso investiert wie Konzerne.

Zalando ist am 1. Oktober an die Börse gegangen. 604 Millionen Euro wurden einkassiert. Rocket Internet wird am 2. Oktober folgen - 1,6 Milliarden will die Start-up-Schmiede von der Börse abholen. Seit dem Jahr 2012 hat die Rocket den Alt-Gesellschaftern fast eine Milliarde an Sach-und Bardividenden ausgeschüttet, hat die deutsche "Wirtschaftswoche" errechnet. Diese Auszahlungen leerten die Kasse deutlich. Mit dem Börsengang sollen neue, auch private, Investoren die Samwer-Rakete wieder mit Treibstoff auffüllen.

DIE DREI

Cholerisch, charismatisch

Oliver Samwer, 41. Das Sandwich-Kind ist der Leitwolf und der Umsetzer - bisweilen sehr aggressiv und extrem getrieben. Charismatiker und Choleriker in einer Person.

Marc Samwer, 43. Hochintelligent und diplomatisch ist der Erstgeborene, dem manipulatorisches Talent und Verkaufsgeschick attestiert wird. Operativ am ehesten der "Jurist".

Alexander Samwer, 39. Der Stratege mit besten Abschlüssen in Oxford und Harvard ist der Intellektuelle. Ihn zeichnen analytische Fähigkeit und ein gewisser Gemeinschaftssinn aus.

Das Imperium

Rocket Internet. Zu den privaten Investoren gehören u. a. Lakshmi Mittal (Indischer Stahl-Milliardär), Francois-Henri Pinault (PPR-Gruppe), Victor Pinchuk aus der Ukraine, der deutsche Pharma-Erbe Kurt-Rudolf Schwarz oder die Berlusconi-Familie. Institutionelle Anleger sind u. a. Kinnevik (SWE), Digital Sky (RU), J.P. Morgan (USA), Holtzbrinck Ventures oder Tengelmann (beide Deutschland).

In über 100 Firmen "drin". Bei 51 Firmen hatten die Samwers erfolgreiche Exits. 44 Start-ups gingen Pleite (Stand August 2014). Drei Milliarden Dollar haben die Brüder bei Investoren weltweit eingelobt. Die Verluste der zehn wichtigsten Rocket-Firmen betrugen zuletzt 431 Mio. Euro.

Zalando. Der Modehändler machte 1,8 Mrd. Euro (2013) Umsatz in 13 Ländern, schreibt noch Verluste (120 Mio.). Kurios: Zalando ist mit 42 Mio. Euro einer der größten Subventionsempfänger des deutschen Handels. Zum Börsengang am 1. Oktober wurden 604 Millionen Euro von der Börse abgeholt.

Land der Berge, Land der IT-Experten: Österreich legt zu

Österreich holt bei der Anzahl von IT-Experten auf und liegt damit leicht …

Ob Sekretärin oder IT-Leiter: Der Verdienst hängt oft nicht nur von der Qualifikation ab, sondern von der Branche, in der man arbeitet. Eine Analyse zeigt: Controller verdienen in manchen Branchen um bis zu 45 Prozent mehr.
 

Gehalt: In diesen Branchen verdienen Sie am meisten

Ob Sekretärin oder IT-Leiter: Der Verdienst hängt oft nicht nur von der …

Auf Jobsuche? Das sind die beliebtesten Branchen

Auf Kununu.com können Mitarbeiter die Stimmung in ihren Unternehmen …

Arbeite klug, nicht hart: Versöhnen Sie sich mit Ihrer To-Do-Liste

To-Do or not To-Do, das ist die große Frage. Checklisten sollen unser …