"Die Skandale hätte ich Österreich nicht zugetraut"

Was hat Ethik ausgerechnet in MBA-Programmen verloren? Die WU Executive Academy will sich dem Thema stellen. Dekan Bodo Schlegelmilch spricht im Interview darüber, wie Manager für ethisches Handeln begeistert werden können und ob Ethik in Österreich überhaupt eine Rolle spielt.

"Die Skandale hätte ich Österreich nicht zugetraut"

Welche Rolle sollte Ethik bei einer MBA-Ausbildung spielen? Diese Frage hat sich die WU Executive Academy gestellt, die innerhalb der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) für Führungskräfteausbildung zuständig ist. Gemeinsam mit dem WU-Institut für Internationales Marketing-Management wurden Teilnehmer der MBA-Programme dazu befragt. Dabei zeigte sich unter anderem, dass das Thema generell begehrt ist und dass Praxisnähe gewünscht ist. Es sollte also konkrete Beispiele von Unternehmen bzw. Projekten geben, wünschen sich die Teilnehmer.

Im Gespräch mit FORMAT spricht Bodo Schlegelmilch, Dekan der WU Executive Academy und Leiter des oben erwähnten Instituts, über seinen Zugang zur Ethik und wie eine Management-Ausbildung diese berücksichtigen sollte.

FORMAT: Was bedeutet Ethik für Sie überhaupt?

Bodo Schlegelmilch: Da gibt es tausende Definitionen. Eine sinnvolle Unterscheidung zwischen Ethik und CSR, also Corporate Social Responsibility, ist notwendig: Ethik bezieht sich auf das, was Managerinnen und Manager selbst zu verantworten haben. Bei CSR hingegen geht es eher darum, sich zu überlegen, welche Verantwortung Unternehmen gegenüber verschiedenen Stakeholdern haben, etwa gegenüber Mitarbeitern.

Wie kommt dann die Ethik in den MBA-Unterricht?

Schlegelmilch: Was uns zunächst interessierte: Wie hätten es die Studenten denn gerne? Es gibt ja einige Möglichkeiten, Ethik zu unterrichten. Man kann es komplett separat behandeln oder man baut das Thema immer wieder ein. Also wenn man zum Beispiel über Supply Chain spricht, sieht man sich auch Arbeitsbedingungen an. Oder man fragt nach, welche Rolle das Vertrauen spielt. Es gibt ja sehr viele Ansätze, bis zu ethischen Fonds und bis ins Marketing hinein. Die Rückmeldung der Studierenden lautete: Bitte jeweils bei den Themen einbauen. Grundsätzlich hat das Interesse an Ethik stark zugenommen in den letzten Jahren.

Ist es nicht nur eine Modeerscheinung?

Schlegelmilch: Nein, ich denke nicht. Das wird uns über eine längere Zeit erhalten bleiben, auch weil es viele Probleme gab. So etwas entsteht ja nicht im Vakuum, es waren Reaktionen auf Sachen, die konkret passiert sind – etwa Kursmanipulationen oder Bestechungen. Das kennen wir ja auch in Österreich. Wenn sich Umfeld nicht total ändern sollte, wird uns Ethik noch viele Jahre beschäftigen.

Aber kann man Ethik überhaupt lehren?

Schlegelmilch: Diese Frage wird häufig diskutiert, es geht ja beispielsweise bei unseren MBA-Programmen um Menschen, die über 30 sind. Man kann hier aber das Bewusstsein schaffen und einige dazu anhalten, ethisch zu handeln. Alle wird man nicht für Ethik gewinnen können. Ich glaube aber, indem man überhaupt danach fragt und diskutiert, regt man zumindest eine Beschäftigung mit dem Thema an.

Österreich ist bei diversen Rankings von Wohlstand und Lebensqualität stets auf den Spitzenplätzen. Würde das Land bei der Ethik eher weit hinten in Europa rangieren?

Schlegelmilch: Das weiß ich nicht. Als Wahlösterreicher will ich es mir nicht anmaßen, darüber zu urteilen. Was mich allerdings überrascht hat, waren die Skandale der vergangenen Jahre, die man nun diskutiert. Das hätte ich Österreich nicht zugetraut.

Zurück zu ihrem Ethik-Schwerpunkt bei den MBA-Programmen. Wie wird das praktisch unterrichtet?

Schlegelmilch: Wir nutzen Praxisbeispiele oder Fallstudien, etwa über Erfindungen, die kommerziell nicht verwertbar waren und über deren Einsatz dann diskutiert wurde. Es geht bei unserer Ausbildung unter anderem auch darum, wie weit die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen reicht. Unternehmen können ja nicht den Sozialstaat ersetzen.

Gibt es bei der Einstellung zur Ethik Unterschiede zwischen den Generationen?

Schlegelmilch: Nicht so sehr zwischen den Generationen, eher zwischen den Ländern. In unserem MBA-Programm haben wir Teilnehmer aus vielen Ländern. Das sind Manager, die ganz unterschiedliche Erfahrungen und unterschiedliche Ansätze haben, etwa was Einladungen betrifft. Es gibt als länderspezifische Ansichten – aber genau das macht es ja interessant.

Ist das generell ein Trend bei der Ausbildung von Managern, dass auch solche Themen angesprochen werden?

Schlegelmilch: Oft geht es bei der Ausbildung um Werkzeuge wie um die Bewertung von Bilanzen, hingegen werden die persönliche Entwicklung und Fragen nach den Werten noch nicht so stark betont. Doch das ist unbedingt notwendig. Wenn Unternehmen Führungskräfte einstellen, wird das Beherrschen der notwendigen Werkzeuge vorausgesetzt. Was aber Top-Kräfte auszeichnen sollte, sind die weichen Werte: Können sie sich in die Situation des Gesprächspartners hineinversetzen? Können sie mit den Mitarbeitern umgehen?

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