Die Mitarbeitersuchmaschine

Was die Recruiter in den Karriereportalen alles finden, warum die Personalsuche immer öfter über sie läuft und wie Bewerber sich präsentieren sollten.

Die Mitarbeitersuchmaschine

Hersteller von Visitkarten-Etuis sollten sich nach alternativen Umsatzquellen umsehen. "Habe meine Karten vergessen, Sie sind aber eh auf LinkedIn oder Xing " Solche Dialoge fallen auf Veranstaltungen häufiger. Die Karriereportale Xing und LinkedIn führen in Österreich schon mehr als eine Million Konten. Auch wenn viele Nutzer auf beiden Portalen sind: eine stattliche Zahl. Obwohl es beide Portale seit gut zehn Jahren gibt, ist erst seit einem Jahr große Dynamik zu beobachten. Die Amerikaner drängen massiv in den deutschsprachigen Raum und liefern sich mit Xing ein hartes Match um die bessere Dienstleistung. Und umwerben hier vor allem die Firmenkunden, die sich mit eigenen Produkten ihr Recruiting erleichtern (siehe kleiner Kasten). Für die HR-Profis sind die Plattformen zu einer Art Google für die Personalsuche geworden, das immer besser wird.

Algorithmus vor Assessment

Wie die Daten genau berechnet und verschnitten werden, wird von den Seitenbetreibern natürlich geheimgehalten. Einen kleinen Einblick in die Vorgangsweise gewährte ein LinkedIn-Produktmanager: "Wir wissen, dass Programmierer häufig zwischen Firmen in San Francisco und New York hin- und herwechseln. Denen brauchen wir also keine Jobanzeigen aus Texas oder Detroit anzeigen." Haben sich Personalisten geeignete Kandidaten herausgefiltert, treten sie heute auch direkt über das Netzwerk mit ihnen in Kontakt - und das tun jetzt auch immer mehr heimische Personalisten: Manuela Traunwieser von Microsoft Österreich hat seit drei Jahren einen so genannten Recruiter-Account von LinkedIn: "Wenn ich auf ein Kandidatenprofil klicke, bekomme ich auch Kandidaten mit ähnlichem beruflichem Hintergrund vorgeschlagen. Das ist beim aktiven Sourcing sehr hilfreich. Dazu kann ich Auswertungen machen, wer unser Profil angesehen hat, aus welchen Branchen die Besucher kommen und vieles mehr." LinkedIn bietet auch Schnittstellen zu Fremdsystemen. Im Microsoft-Konzern ist es mit der hauseigenen Bewerberdatenbank verknüpft. Traunwieser: "Ich sehe dann, ob Bewerber schon Kontakt mit uns hatten, ob es Telefonate oder E-Mail-Verkehr gab und für welche Positionen sie sich bisher beworben haben. Und ich kann das auch direkt international vergleichen."

Diese proaktive Kandidatensuche (Active Sourcing) betreibt auch die Bank Austria, die sich wie viele Firmen auf beiden Plattformen bewegt. "LinkedIn nutzen wir derzeit als Channel, auf dem wir Branding und Firmenkultur betreiben", sagt Walter Rubik, Social-Mediaund Brand-Manager der Bank Austria, "auf Xing hat unser Firmenaccount die meisten Abonnenten aller österreichischen Banken. Hier macht das lokale Recruiting aktuell mehr Sinn." Die internationalen Jobs laufen über LinkedIn, die nationalen auf Xing. Da es in Österreich aktuell wenige offene Stellen zu besetzen gilt, wird von der Bank die Gruppe der sogenannten "Top-Interns-Alumni" speziell gepflegt. "Das sind zwar nur ein paar Dutzend Kandidaten, dafür sind die aber höchst relevant. Wenn wir einen Job haben, werden die vorab informiert." Gibt es Topjobs, so kamen 20 Prozent aus dieser Gruppe zum Zug. "Aktives Talent-Scouting", nennt Rubik das.

Erhöhte Aktivität
Dass sich auf Arbeitgeberseite mehr tut, ist den Jobsuchern nicht entgangen. In der Erstellung und Pflege der Profile wird merkbar mehr Aufwand betrieben, die angebotenen Funktionen (Kasten links) für die Darstellung der Fähigkeiten und Referenzen werden intensiver genutzt als früher. Gute Netzwerker wissen die Kommunikationswerkzeuge geschickt einzusetzen und sind bereit, auch Geld in die Hand zu nehmen. Kurz: Sie nutzen die Netzwerke nicht mehr nur als virtuelle Visitkartenbox, die sich selbsttätig aktualisiert. Wie man den Grat zwischen eleganter Eigen-PR und seriösem Lebenslauf geht, kann Microsoft-HR-Managerin Traunwieser täglich studieren, sie sieht auch die kulturellen Unterschiede. Einen Tipp hat sie für die Österreicher: "Wer gefunden werden will, sollte an seinem Profilauftritt arbeiten. Die Österreicher neigen manchmal dazu, sich zu unterschätzen." Will heißen: Wo ein Amerikaner lieber noch zehn Referenzen mehr dranhängt, überlegen Österreicher oft, ob sie diese überhaupt angeben sollen. Traunwieser: "Das ist ein Marketingauftritt in eigener Sache. Da können wir uns von den Amerikanern noch einiges abschauen."

Offensiv in der Selbstvermarktung ist auch LinkedIn-Boss Jeff Weiner, der sich so ambitioniert gibt wie ein Zuckerberg: "Mittelfristig wollen wir die Wirtschaft komplett abbilden. Jede Verbindung, jeder Job, den es irgendwo auf der Welt gibt, soll man bei uns finden."

Tipps und Tricks

Zwei, eines oder keines?
Bevor Sie sich für eines der beiden Netzwerke entscheiden, schauen Sie, wo sich die für Sie wichtigen Branchen, Unternehmen oder Meinungsmacher eher aufhalten. Bei internationalen Karrieren führt an LinkedIn kein Weg vorbei. Xing hat lokale Stärken. Der strategische Ansatz sollte sein: Wem will ich mich präsentieren? Wo will ich mittelfristig hin?

Die Profilierung
Ein gutes Foto und ein vollständiges Profil sind Pflicht, sagen Netzwerkexperten. Zusätzliche Ausbildungen oder Fähigkeiten - meist hat man mehr, als einem am ersten Blick einfallen - unbedingt angeben. Recruiter sehen sich verstärkt die Referenzen an, die andere über einen abgeben. Umgekehrt gehört es auch zum guten Ton, die Skills der anderen zu bestätigen, wenn man sie beurteilen kann.

Zahlen oder nicht?
Für private Nutzer sind die Basiszugänge zu den Netzwerken kostenlos. Wer das Netzwerk wirklich aktiv nutzen will, sollte die zehn bis 20 Euro im Monat investieren, vor allem, wenn man aktiv auf Jobsuche ist: Man kann Nachrichten versenden, hat bessere Suchfunktionen und Einsicht in die Statistik u. a. m.

Kommunikation
Wer eine kritische Masse an Kontakten erreicht hat, kann sein Netz gut für fachlichen Austausch oder unaufdringliche Eigen-PR nutzen. Aber: keine Kaltakquise!

LinkedIn vs Xing

LINKEDIN

Die Amerikaner bieten immer mehr Produkte für Recruiting und Vertrieb. Die einzelne Recruiter-Lizenz kostet € 75/Monat. Wer als Jobsucher besser gefunden werden will, zahlt € 45/Monat, Pakete für die Vertriebsunterstützung gibt es ab € 35/Monat.

XING
Die Deutschen (gehören zum Burda-Konzern) sind noch der Platzhirsch. Sie bieten für Professionisten ähnliche Produkte: Die Lizenz (1 bis 2 PCs) für die Talentsuche kostet €249/Monat. Professionelles Employer-Branding auf Xing und Kununu gibt es ab € 395/Monat.

Lizenzverträge werden meist auf ein Jahr abgeschlossen. Für Verbraucher gibt es auch Gratiszugänge.

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