Der "neue" amerikanische Traum: Schweißer verdienen mehr als Banker

Als stellvertretender Manager einer China-Restaurantkette kommt Spence Brennan auf ein Jahresgehalt von 55.000 Dollar. Er geht jedoch davon aus, dass er als Schweißer fast das Doppelte verdienen kann.

Der "neue" amerikanische Traum: Schweißer verdienen mehr als Banker

“Das Stellenangebot ist bei Schweißern viel größer als anderswo”, sagt Brennan, dessen Ausbildung am Mountain View College in Dallas lediglich zwei Jahre dauert, verglichen mit vier Jahren für einen Universitätsabschluss. An seinem College stehen die späteren Arbeitgeber regelmäßig Schlange, um Absolventen zu sich an Bord zu holen. Wenn der 22-Jährige seine Ausbildung abgeschlossen hat, “kann ich mindestens 100.000 Dollar im Jahr verdienen”, erwartet er.

Im produzierenden Gewerbe der USA herrscht ein Mangel an Fachkräften - bis 2015 dürfte sich die Zahl der freien Stellen in dem Bereich auf drei Millionen verfünffachen, schätzt der Branchenverband Society of Manufacturing Engineers. Unternehmen wie Caterpillar Inc. suchen händeringend nach qualifizierten Mitarbeitern und zahlen ihnen sogar mehr als so mancher Banker an der Wall Street mittlerweile nach Hause bringt.

Hinter dem Fachkräftemangel stehen nicht zuletzt eine Erholung der US-Industrie und die Tatsache, dass aus der Generation der so genannten “Baby Boomer” immer mehr das Rentenalter erreichen. Der Mangel ist so groß, dass dadurch sowohl die US-Erholung als auch die Wachstumspläne von Unternehmen gefährdet werden.

Die Entwicklung hat wirtschaftliche wie auch geschichtliche Gründe. Immer mehr Absolventen der High School entscheiden sich für ein vierjähriges Studium, weil sie sich davon ein höheres Gehalt und mehr Prestige versprechen. Zudem hat der produzierende Sektor ein Jahrzehnt lang Stellen gestrichen.

Schweißer werden allerdings in den unterschiedlichsten Branchen benötigt, vom Straßenbau über die Herstellung von Schreibtischen bis hin zum Bau von Petrochemie-Anlagen, die dank des Erdgas-Booms in den USA stark gefragt sind.

Im Durchschnitt beträgt das Jahresgehalt in diesem Bereich 47.900 Dollar - und ist damit höher als für einen leitenden Kassierer in einer Bank, wie aus Daten von CareerBuilder hervorgeht. Schweißer mit eigener Ausrüstung können 70 Dollar je Stunde verlangen. Wer 40 Wochenstunden zu diesem Preis arbeitet und das 50 Wochen im Jahr, kommt auf ein Brutto-Jahresgehalt von 140.000 Dollar.

Sobald die US-Wirtschaft wieder wie gewohnt wächst, wird sich der Fachkräftemangel weiter ausweiten, sagt Craig Giffi, Vice Chairman der Unternehmensberatung Deloitte LLP. Im vergangenen Jahr betrug das Wachstum der weltgrößten Volkswirtschaft 1,8 Prozent, verglichen mit der langfristigen Prognose der Federal Reserve von 2,2 Prozent bis 3,0 Prozent.

“Wir sind an dem Punkt angekommen, an dem aus einem wichtigen Problem ein kritisches Problem wird”, sagt Giffi. “Der einzige Grund, warum es bislang noch kein kritisches Problem geworden ist, besteht im stockenden Wachstum.”

Die Schwierigkeiten, Facharbeiter zu finden, haben die Konzerne erfinderisch gemacht. Caterpillar zum Beispiel arbeitet mit Community Colleges zusammen und bietet eine Art Volkshochschul-Kurse an, um die Leerstellen zu füllen.

Wenn Industriekonzerne gefragt werden, warum es so schwer ist, geeignete Mitarbeiter zu finden, verweisen sie vor allem auf Eltern und Lehrer, die den Jugendlichen von einer Karriere in der Produktion abraten. Dabei gibt es trotz des schleppenden US-Wachstums mittlerweile durchaus Chancen.

Fluor Corp., der größte börsennotierte Bau- und Anlagenbaukonzern des Landes, sucht 8000 gelernte Arbeiter, wie Vice President Frank Erichson sagt. “Die Wahrnehmung des produzierenden Gewerbes ist völlig falsch”, sagt Carlos Cardoso, der Chef des Werkzeugherstellers Kennametal Inc. “Alt, dunkel, rostig und gefährlich - das sind Ansichten von vor 30 Jahren.”

Shawn Hayden, der gegen den Willen seiner Mutter eine Ausbildung als Schweißer gemacht hat, sagt jetzt, dass er sich vor ungebetenen Jobangeboten kaum retten kann. Er hat seinen Abschluss 2009 gemacht und ist mittlerweile beim Tankerhersteller United Alloy Inc. schon zum Aufseher befördert worden. Während andere Wirtschaftsbereiche Stellen strichen, war es für ihn kein Problem, sofort einen Arbeitsplatz zu finden. Aufgrund seiner Ausbildung fühlt er sich in seinem Job auch sehr sicher:

“Ich bin 24 Jahre alt, habe einen tollen Job und ein eigenes Haus”, sagt er. “Wenn Sie mich fragen - ich lebe den amerikanischen Traum.”

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