Der vermodernisierte Flughafen

Die Liste der Skylink-Fehler ist lang, aber nicht so lange wie die Wege, die speziell ankommende Reisende zurücklegen müssen.

Der vermodernisierte Flughafen

Vor vielen Jahren ist der Autor dieser Zeilen auf einem Flughafen einer kleinen Insel in Südostasien gelandet, für den der Begriff „winzig“ eine starke Untertreibung gewesen wäre: Die Rollbahn war staubig, der „Terminal“ bestand aus einem Dach und vier Tischen, die Passagiere warteten auf vier Holzbänken auf die Willkür der Zollbeamten, die Gastronomie bestand aus einem teilweise funktionierenden Getränkeautomaten, die Piloten dösten auf einer Pritsche ihrem nächsten Flug entgegen.

Und dennoch erfüllte dieser „Flughafen“ seine Aufgaben – ganz im Gegensatz zum runderneuerten Flughafen Wien. Dieser Airport, im internationalen Vergleich ein Winzling und noch vor kurzem gerade deshalb angenehm, hat sich in ein Ungetüm verwandelt. Schuld daran ist der neue Terminal, der so genannte Skylink. Dieser sorgte wegen Kostenexplosion und endloser Verzögerung für einen wirtschaftspolitischen Skandal erster Güte. Immerhin konnte man damit rechnen, dass angesichts von Baukosten von fast 800 Millionen Euro ein Weltklasse-Terminal hingestellt würde. Geworden ist es allerdings ein Gebäude, das architektonisch eine Zumutung und funktionell eine Frechheit ist. Architekten, Passagiere, Airlines haben in den letzten Wochen zu Recht diesen vermodernisierten Airport kritisiert.

Die Liste der Fehler ist lang, aber nicht so lange wie die Wege, die speziell ankommende Reisende zurücklegen müssen. Wer nach dem Flug noch nicht erschöpft ist, ist es spätestens nach endlosen Irrwegen vom Gate zum Gepäckband – falls man das Glück hatte, diese Wege überhaupt zu finden. Es würde mich nicht wundern, wenn irgendwann ein Passagier in diesem planerischen Labyrinth verhungert. Apropos Hunger: Das erste, das einem Touristen in der nüchternen neuen Ankunftshalle als Willkommensgruß ins Auge sticht, ist das Logo von McDonald´s. Ansonsten tut sich in der gastronomischen Wüste namens Skylink wenig, schon gar nicht nach 23 Uhr.

Wer hat Schuld?

Schuld daran haben nur die ehemaligen Vorstände und die überforderten Planer? Wohl kaum: Angesichts eines prognostizierten Nettogewinns von 60 Millionen Euro stellt sich einem die Frage, ob nicht ein geringer Prozentsatz davon für ordentliche Toiletten, Beschilderung, Gastronomie und Reinigungsfirmen (Sauberkeit ist ein weiterer Schwachpunkt des Skylinks) ausgegeben werden könnte. Die Entschuldigung, es müssten erst alte und neue Teile des Flughafens einander angepasst werden, kann man nicht gelten lassen. Seit wann weiß man das? Wie lange kann es dauern, zwei Gebäude ordentlich miteinander zu verbinden? Und vor allem: Weshalb funktioniert das auf riesigen Airports so gut, am Mini-Airport Wien aber nicht? Immerhin wurde nun angekündigt, etwas für das Wohl der Passagiere zu tun – mit minimalen Korrekturen wird es aber nicht getan sein.

Kaum zu glauben, dass man sich als Passagier mal den überfüllten, teilweise chaotischen und rauchgeschwängerten „alten“ Flughafen zurückwünschen könnte. Der Flughafen Wien wollte und will sich offenbar größer machen als er sein sollte und müsste. Da ist mir jeder winzige Insel-Airport mit Abfertigung im Freien lieber.

Robert Prazak

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