Der eigene Chef sein: Fünf Ein-Personen-Unternehmen im Kurzporträt

Der eigene Chef sein: Fünf Ein-Personen-Unternehmen im Kurzporträt

Ob Hochzeitsplanerin, Entertainer oder Werber: Ein-Personen-Unternehmen gibt es in den unterschiedlichsten Branchen. Für manche wurde der Beruf zur Berufung, andere kämpfen mit ihrem Dasein als Freiberufler.

Claudia Schwab-Pilz, Hochzeits-Planerin und Dekorateurin

Ein abgeschlossenes Studium, aber wenig Lust auf einen Wirtschaftsjob in einer Bank oder Versicherung - schlechte Voraussetzung für eine klassische Karriere. Claudia Schwab-Pilz verkaufte zunächst Seminare für den Motivationsguru Manfred Winterheller, später für eine Wiener Erwachsenenbildungseinrichtung - und schließlich Inserate für ein Golfmagazin. Dann kamen zwei Kinder, die Heirat mit einem Steuerberater und die wahre Berufung: Im obersteirischen Ennstal, wo Schwab-Pilz und Ehemann Heinz herkomen, jobbt sie nun als selbstständige Wedding-Plannerin (www.claudwolkenlos.at) und Dekorateurin. Die für EPUs üblichen Troubles mit SVA oder Finanzamt hat Schwab-Pilz so nie gehabt. Was die BWL-Absolventin in Sachen Unternehmertum selbst nicht weiß oder kann, erledigt der Ehemann mit seinem Know-how als Steuerberater. Leben kann sie von der Hochzeitsberatung trotzdem nicht, im Halbtagsjob als Angestellte erledigt Schwab-Pilz den Einkauf für das Lebensmittel-Start-up "Heimatgold“.

Eik Breit, Entertainer

Eik Breit ist Schauspieler, Kabarettist und Musiker - und machte als EPU bereits zweimal Konkurs. Zuerst wegen einer leichtfertig eingegangenen Haftung, dann wegen des Klassikers: Nachzahlung an die Sozialversicherung, Vorauszahlung ans Finanzamt, und zwar gleichzeitig. Eine 20-Prozent-Quote verbrannte Breits Reserven, danach war das erledigt. Frohnatur Breit macht aber unverdrossen weiter, sei die Lage noch so prekär. "Wenn man es darauf anlegt, als Job genau das zu tun, was einem Spaß macht, muss man solche Unbill eben in Kauf nehmen“, trotzt er. Es sei eine Grundanforderung an Freiberufler, mit Durststrecken umgehen zu können.

Alexander Rittberger, Werber

Alexander Rittberger ist ein Vorzeige-EPU. Der Publizistik-Absolvent startete während des Studiums als Werbetexter-Praktikant in einer der bekanntesten Agenturen des Landes. Anstellen lassen wollte er sich dort nach der Sponsion nicht, lieber gründete er seine eigene Ein-Mann-Agentur (www.kommunikationsbuero.at). Die wandelte er bald in eine GmbH um, spezialisierte sich auf Social Advertising. Anstellen will er niemanden - außer die totale Lohnnebenkostenbefreiung für den ersten Mitarbeiter kommt. Um als EPU erfolgreich zu sein, brauche man Aufmerksamkeit und Grips: "Zwei Ohren und vor allem das, was dazwischen ist“, sagt Rittberger.

Ursula Löwe, Tanzlehrerin

Nach der Übersiedlung aus Deutschland fand die gelernte Organisationsmanagerin beim Kuratorium für Verkehrssicherheit einen Job. Der endete, als ein EU-Projekt nicht fortgeführt wurde - für Löwe ein Schock. Sie kam in ein Gründerprogramm des AMS und lernte ein Jahr lang das Gehen in der Selbstständigkeit. Ihr Hobby wurde im fortgeschrittenen Arbeitsalter zum neuen Job, Löwe führt eine Ein-Frau-Schule für Ausdruckstanz. Und ist mittlerweile damit glücklich, weil der Beruf Berufung wurde. Leben kann sie davon nur schwer, zumindest vorerst noch. "Netzwerke, Eigenmarketing und Vorausschau sind wichtig“, sagt sie.

Herbert Koczera, PR-Berater

Herbert Koczera würde gerne Steuern zahlen, hätte er nur das Gefühl, von der Politik gerecht behandelt zu werden: "Ich will von den Politikern nichts, außer dass sie für uns Selbstständige gerechte Rahmenbedingungen schaffen, uns also nicht schlechter stellen als Angestellte.“ Bei Microsoft wurde Koczeras Job vor Jahren wegrationalisiert. Als selbstständiger Berater bekam er ihn danach de facto wieder. Heute arbeitet er auf bescheidenem Level erfolgreich auch für andere Kunden und ist zufrieden.

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