Business-Netzwerke: So machen Sie mit Xing und LinkedIn Karriere

Business-Netzwerke: So machen Sie mit Xing und LinkedIn Karriere

Warum das Businessnetzwerk LinkedIn solchen Zulauf hat und wo sich das Einklinken für Arbeitnehmer und Unternehmen tatsächlich lohnt: Tipps von Business-Netzwerkern.

Für die möglichen unerwünschten Nebenwirkungen eines Facebook-Profils für die Karriere gibt es genug abschreckende Beispiele. Wer aus beruflichen Gründen seine sozialen Kontakte online pflegen will, tut das heute auf Xing oder LinkedIn, den zwei führenden Businessnetzwerken - die bald eine Million Austro-Profile feiern können.

Die echte Personenzahl dahinter ist jedoch niedriger, da viele User auf beiden Netzwerken vertreten sind, da diese in ihrer Basisfunktionalität ja kostenlos nutzbar sind. Was das Gros der Registrierten im deutschsprachigen Raum auf den Plattformen tatsächlich tut, darüber gibt sich Sabine Hoffmann von der Social-Business-Beratung Ambuzzador aber keinen Illusionen hin: "Viele verwenden das einfach als eine Art Adressbuch, das sich automatisch aktualisiert.“

Wer Job oder Aufgabengebiet wechselt, teilt das formlos mit und erzielt allein dadurch Resonanz, die wertvoll sein kann. Philipp Schmölzer vom Salzburger Headhunter Iro & Partners sagt: "Die Plattformen sind perfekt, um eine große Zahl von potenziellen Kandidaten zu beobachten. Wenn jemand wechselt, bekomme ich die Information viel schneller als über sonstige Kanäle.“ Für Headhunter sind die Netzwerke ein Informationswerkzeug, die "Überprüfung der Lebensläufe und das persönliche Gespräch ersetzen sie nicht“, sagt er.

Online-Recrouting

Beide Netzwerke gibt es immerhin seit zehn Jahren, doch ihre Rolle beim Recruiting-Prozess gewinnt erst jetzt so richtig an Fahrt. Zum einen erkennen immer mehr Unternehmen die Notwendigkeit, Präsenz zu zeigen und ihr Image darüber zu steuern. Zum anderen eignen sich die Plattformen für das passive Recruiting oder "Social Recruiting“, wie Sabine Hoffmann es nennt, die Business-Beratung für das US-Netzwerk LinkedIn anbietet: "Auf Facebook geht es um Infotainment. Das ist der Stammtisch, wo das Reden über das Geschäft nicht immer opportun ist. Business-Plattformen bieten komplette Module für HR und Marketing, die man nur noch mit guten Inhalten füllen muss.“ Dieses Firmengeschäft bringt den Plattformbetreibern auch die großen Umsätze - der Anteil der Mitgliedsbeiträge ist nur mehr die Butter am Brot.

Die Plattformen ziehen immer mehr Unternehmen an: Angelica Preier, strategische Personalentwicklerin der Oberbank, hat sich für den Ausbau der Online-Präsenz auf Xing entschieden: "Wir investieren Zeit und Geld in einen authentischen Auftritt, der uns als Arbeitgeber mit all unseren Vorteilen zeigen soll und zum Dialog einlädt.“ Sich für potenzielle Mitarbeiter attraktiv zu machen, ist heute Pflicht, um als begehrter Arbeitgeber wahrgenommen zu werden.

Welche Plattform für wen?

Welcher Plattform man den Vorzug gibt, hängt stark von den persönlichen Ambitionen ab. Die wirklich spannenden Funktionen gibt es nur gegen Bezahlung: Wer hat sich mein Profil angesehen? Wer hat meine Postings gelesen? Wer empfiehlt wen? Judith Denkmayr, Geschäftsführerin von Digital Affairs, etwa bezahlt ausschließlich für das zu LinkedIn gehörende Dokumente-Hosting-Service SlideShare: "Ich sehe dann, wer aus welchen Firmennetzwerken auf meine Präsentationen zugreift. So weiß ich, wer sich für meine Dienstleistungen interessieren könnte - ein Lead, das sich schon öfter ausgezahlt hat.“

Die Stärken der Plattformen sind unterschiedlich. Theoretisch kann man neue Projekte an Land ziehen, heimlich Ausschau nach spannenden Jobs halten oder Experten-Know-how anzapfen. Voraussetzung ist aber eine aktive Teilnahme. Der Algorithmus findet die Kontakte, nützen muss man sie selbst.

Tipps und Tricks - das raten die Profis

Das Profil Ein professionelles Foto und ein vollständiges Profil sind Pflicht.
Einladungen Nicht gleich absagen, sondern erstmal archivieren. Vielleicht gibt es später eine passende Gelegenheit.
Skills Es gehört zum guten Ton, die "Fähigkeiten“ seiner Kontakte zu bestätigen.
Wortmeldung Posten Sie nur, wenn Sie tatsächlich etwas zu sagen haben - und sich beim Thema wirklich auskennen.
Tonalität Kritik sollte diplomatisch formuliert sein, nicht zu negativ ausfallen.
Mut Nicht zu schüchtern sein, die Leute sind dort, um Netzwerke zu knüpfen.
Vertrieb Kalt-Akquise ist ein No-Go, neue Kontakte nicht mit Power-Selling nerven.

Xing versus LinkedIn - die Business-Netzwerke im Vergleich

Xing - Der deutsche Platzhirsch im Visier der Konkurrenz

Xing ist ein deutschsprachiges Phänomen - da sind sich alle Experten einig. Über 90 Prozent der Zugriffe kommen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gründer Lars Hinrichs bewies einen guten Riecher, als er den Xing-Vorläufer OpenBusinessClub 2003 startete. Der Hamburger ist damit reich geworden und zog sich operativ 2010 zurück. Heute gibt München den Ton an: Die Burda-Mediengruppe hat ihre Mehrheiten sukzessive ausgebaut und konzentriert sich auf die Verteidigung der Xing-Hausmacht in der D-A-CH-Region. Das tut sie auch mit der strategischen Erweiterung des Firmengeschäfts, vor allem durch Zukäufe von Start-ups. Mit Xing können Firmen heute Events organisieren (vormals Amiando, heute Xing Events) oder Arbeitgeber ihre Reputation steuern. Xing hat kürzlich das österreichische Bewertungsportal Kununu gekauft - sicher nicht der letzte vielversprechende Zukauf.

Die Deutschen wollen sich von den Amerikanern am Heimmarkt nicht überrollen lassen, peilen für 2016 selbst einen Jahresumsatz von 150 Millionen Euro an. Dafür setzt Xing zurzeit auch geschickt auf die "NSA-Karte“ - und preist den "vor Zugriffen sicheren“ Rechenzentrumsstandort Frankfurt an.

Fazit: Im deutschsprachigen Raum noch immer die erste Adresse, hat Xing aber doch Nachbesserungsbedarf bei Optik, Inhalt und Komfort. Xing ist viel günstiger, bietet aber weniger Optionen, sein Profil selektiv zu steuern und zu verwalten.

Xing-Facts
Mitglieder:
14,1 Milionen, davon in der DACH-Region: 7 Millionen, in Österreich 600.000
Hintergrund:
2003 in Hamburg als OpenBC gegründet, listet Xing im TecDAX. Mehrheitseigentümer ist der Burda-Medienkonzern. Xing hat kürzlich das österreichische Arbeitgeber-Bewertungsportal Kununu übernommen.
Umsatz 1-9/13
62,06 Mio. Euro
Gewinn 1-9/13
17,37 Mio. Euro
Strategie
Klarer Fokus auf das deutschsprachige Gebiet und den Ausbau von Firmenangeboten
Preis
Basisdienst kostenlos, Vollversion 6,35 bis 9,95 Euro/Monat

LinkedIn - Der amerikanische Angreifer auf Speed

Wer noch nicht auf LinkedIn ist, tut sich seit einiger Zeit schwer, dem zu entkommen. Dass das US-Netzwerk seine Präsenz im deutschsprachigen Raum seit 2010 explosionsartig ausgedehnt hat (eine Million neue Mitglieder pro Jahr!), merken viele Noch-nicht-Nutzer auch daran, dass sie fast täglich automatisierte E-Mail-Einladungen ihrer Geschäftspartner bekommen. Das Gute daran - die schiere Masse hat auch im deutschsprachigen Raum für mehr "Artenvielfalt“ gesorgt: Längst ist es nicht mehr nur das Netzwerk für Menschen aus der Technologie- und Automobilbranche.

Ein klarer Vorteil von LinkedIn ist die Steuerbarkeit der eigenen Präsenz. Neben dem Gratiszugang gibt es gleich drei Bezahlprodukte (Business, Business Plus, Executive), die über Reichweite und Möglichkeit zur Kontaktaufnahme entscheiden.

LinkedIn investiert viel, um HR-Verantwortlichen das Recruiting zu erleichtern, macht damit zwei Drittel seines Umsatzes. Anziehend macht das Netzwerk exklusiver und tagesaktueller Content, u. a. von Topshots wie Barack Obama oder Richard Branson. Die Amerikaner tun viel, um Nutzer zu mehr Interaktion und dem regelmäßigen Besuch der Seite zu animieren, etwa mit Angeboten wie SlideShare und Nachrichten-Abonnements aus Fachbereichen.

Fazit: Mehr Netzwerk-Flair, mehr Inhalte, und damit auch mehr Dynamik. Klare internationale Ausrichtung. Aber auch deutlich teuer als die regionale Konkurrenz.

LinkedIn-Facts
Mitglieder:
259 Millionen, davon in der DACH-Region 4 Millionen, in Österreich 275.000
Hintergrund
2003 im Silicon Valley gegründet, brauchte LinkedIn doch einige Jahre, bis es im deutschsprachigen Raum ankam. In Nordamerika und England ist LinkedIn das Business-Netzwerk.
Umsatz 1-9/13
1,081 Mrd. Dollar
Gewinn 1-9/13
22,9 Mio. Dollar
Strategie
Will mehr sein als eine Recruiting- und Netzwerkplattform. Mitglieder werden mit Inhalt und Nachrichten täglich versorgt.
Preis
Basisdienst kostenlos, Vollversion ab 24,95 Dollar/Monat

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