Bezahltes Nichtstun am Arbeitsplatz

Katzenvideos schauen, privat telefonieren, facebooken oder schlafen - der schwedische Soziologe Roland Paulsen ist in seinem Buch "Empty Labor" dem Phänomen "Leere Arbeit" nachgegangen. Viele Angestellte verbringen täglich Stunden mit privaten Beschäftigungen oder schlicht Nichtstun am Arbeitsplatz - und keiner merkt es.

Bezahltes Nichtstun am Arbeitsplatz

Jeder braucht einmal eine Pause und Entspannung. Die Arbeit zu unterbrechen, um für einige Zeit etwas komplett anderes zu tun, erhöht sogar die Produktivität. Die immer größer werdende Gruppe von Wissensarbeitern profitiert immens von freier Zeiteinteilung. Roland Paulsen, Soziologe an der Universität Lund in Schweden geht es beim Phänomen "Leere Arbeit" aber um organisatorisches Fehlverhalten in Unternehmen. Manche Mitarbeiter verbringen sogar die Hälfte ihrer Arbeitszeit mit allem Möglichen - nur nicht mit Arbeit.

Süßer Müßiggang

Paulsen hat das Phänomen "Schlendrian am Arbeitsplatz" in seinem Buch "Empty Labor" untersucht und zieht internationale Studien heran, die Nahe legen, dass trotz steigender Arbeitszeit und Arbeitsdruck, bis zu drei Stunden täglich in der Arbeit vertändelt werden. Zahlen und Fakten kombiniert der Soziologe mit unterhaltsamen Anekdoten aus den Untiefen der Arbeitswelt. In den USA fallen 70 Prozent des pornografischen Traffics auf die Arbeitszeit von neun bis fünf Uhr und 60 Prozent der Online-Einkäufe werden ebenfalls in der Bürozeit getätigt.Viele Studien, die Paulsen heranzieht, sind aus den USA aber der bezahlte Müßiggang ist in Europa und Asien nicht weniger verbreitet. Da gibt es die fast tragisch-komische Anekdote eines finnischen Finanzbeamten, der beim Kontrollieren von Steuereingängen in seinem Büro plötzlich starb. Gefunden wurde er erst zwei Tage später, als ihn ein Kollege zum Essen abholen wollte. Der Beamte und seine Arbeit ist den 30 Kollegen in der gleichen Abteilung wohl nicht sonderlich abgegangen.

Ebenso belustigend wie besorgniserregend sind die Abschiedsworte eines ausscheidenden Angestellten im öffentlichen Dienst. Der Deutsche wurde 2012 in die Pension geschickt und verabschiedete sich an seinem letzten Arbeitstag per Email von seinen Kollegen mit der Offenbarung, dass er in den vergangenen 14 Jahren praktisch nichts mehr getan hatte: "Ich war anwesend, aber nicht wirklich da. Ich bin auf den Ruhestand also gut vorbereitet, " gibt Paulsen ihn wieder. Der Wissenschafter hat in seinem Buch ausführliche Interviews mit 40 Personen geführt, die die Hälfte ihrer Arbeitszeit mit privaten Tätigkeiten verbringen. Der Blick auf die Statistiken legt Nahe, dass das Thema Nichtstun eher vernachlässigbar zu sein scheint. Burnout, psychische Belastungen und Überstunden sprechen für eine Intensivierung der Arbeit. Doch gerade im Büroalltag und in großen Organisationen ist Schein oft mehr als Sein. Bereiche, bei denen es für Außenstehende unmöglich ist, die Leistung zu messen und zu beurteilen, eignen sich besonders als Arbeitsplatz für "Drückeberger". Leistung mit den Parametern Zeit und Geld aufzuwiegen fällt besonders in kreativen Berufen schwer. In einer Arbeitswelt, die von einer tatsächlichen Produktion immer weiter abgekoppelt wird, ist der Eindruck den Mitarbeiter vermitteln, wichtiger als Ergebnisse.

Zum Nichtstun verurteilt

Das Phänomen der leeren Arbeit hat aber selten schlicht mit Faulheit oder Arbeitsverweigerung zu tun. Viele Mitarbeiter sind zu unfreiwilligem Bummeln verurteilt, so Paulsen. Faktoren für den "inneren Ausstieg" sind Unzufriedenheit und das Gefühl der Sinnlosigkeit. Bei vielen Jobs, so Paulsen, könne nicht mehr erkannt werden, welche Bedürfnisse sie befriedigen. Der häufigste Grund der jedoch für das Nichtstun genannt wird ist, dass viele schlicht zu wenig Arbeit haben.

Wird der Mangel an Verantwortung und Aufgaben kommuniziert oder anderweitig aufgedeckt, belohnt das Führung in der Regel nicht mit einem Aufstieg des unterforderten Mitarbeiters, sondern der Job wird reduziert oder sogar gestrichen. Kein Wunder also, dass Mitarbeiter im Fall der Unterforderung häufig schweigen und an einem nach außen "fleißigen Image" üben. Zunächst erscheint vielen die neu gewonnene Zeit als positiv: Weniger Arbeit bedeutet auch weniger Stress. Aber nach kurzer Zeit streben die meisten nach einer bedeutungsvollen Aufgabe und Sinn. "Bore-out" nennt Paulsen den Zustand von Apathie und Langeweile. Die einzige Motivation für diese Menschen arbeiten zu gehen, besteht darin, ihre Rechnungen damit bezahlen zu können. Manch einer flüchtet sich in andere Tätigkeiten, die ihn ausfüllen. Paulsen erzählt hier von einem Schaffner, der Musik komponiert oder von einem Archivar, der nebenbei an seiner Magisterarbeit schreibt.

Paulsens Fazit: Die technologisierte Welt strebt danach, Arbeit für die Menschen zu reduzieren. Seit den 1970er Jahren hat sich in den OECD Ländern die Produktivität mehr als verdoppelt. Gleichzeitig arbeiten Angestellte jedoch genauso viel, wenn nicht sogar mehr, als zuvor, obwohl alle industriellen Länder mit Arbeitslosigkeit kämpfen. Parteien jeglicher Couleur reden unablässig davon, Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten. Über die Reduzierung der Arbeitszeit ist allerdings noch nicht ernsthaft nachgedacht worden.

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