Arbeitsberechtigung für Asylwerber gefordert

Arbeitsberechtigung für Asylwerber gefordert

Unternehmer wie Swatch-Chef Rudolf Semrad unterstützen Kampagne von SOS-Mitmensch und Integrationshaus.

Für Asylwerbende besteht in Österreich de facto ein Arbeitsverbot. Das Gesetz gesteht ihnen nach drei Monaten Aufenthalt zwar eine Beschäftigungsbewilligung zu, vor acht Jahren wurde dies aber per Erlass des damaligen Wirtschaftsministers Martin Bartenstein eingeschränkt, auf zeitlich befristete Saisonniertätigkeiten im Tourismus oder als Erntehelfer. Daneben gibt es nur die Möglichkeit, Hilfstätigkeiten in der Grundversorgung (z.B. Reinigung, Küche) und gemeinnützige Tätigkeiten - ohne Anstellung und mit geringer Entschädigung - auszuüben.

Genau das will eine Kampagne nun ändern., die von SOS Mitmensch, Integrationshaus und M-Media ins Leben gerufen wurde. Unter dem Motto "Machen wir uns stark" soll erreicht werden, dass Asylwerber arbeiten und jugendliche Asylwerber eine Lehre machen dürfen. Breiten Zuspruch gebe es, auch aus Gewerkschaft und Industrie - und ein "Problembewusstsein" im Sozial- und im Innenministerium, aber "leider noch kein Bekenntnis, dass Asylsuchende arbeiten können sollen", berichtete Alexander Pollak von SOS Mitmensch.

Es sei "absurd", Asylwerbende zum Nichtstun zu verdammen, wenn gleichzeitig die Regierung überlege, Arbeitskräfte aus Spanien anzuwerben, befand Pollak (SOS Mitmensch). Die Plattform fordert - angelehnt an das Bad Ischler Papier der Sozialpartner aus 2011 - eine Beschäftigungsbewilligung sechs Monate nach Antragstellung und auch Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten.

Es wäre tatsächlich eine "Win-Win-Situation", Asylwerber zum Arbeitsmarkt zuzulassen, stellte Rudolf Semrad - Geschäftsführer der Swatch Group in Österreich - fest: "Den Steuerzahlern würden die Asylwerber nicht mehr auf der Tasche liegen und gleichzeitig würden qualifizierte Leute einen guten Job machen."

Nicht nur die Perspektivenlosigkeit für die Asylwerber - bei Jugendlichen auch die Gefahr, dadurch in "Kriminelles" zu geraten - sei das Problem. Sondern "Österreich begibt sich eines großen Potenzials", meinte die Journalistin Barbara Coudenhove-Kalgeri. Sie gibt einen "kleinen Deutschkurs" im Integrationshaus - und allein dort säßen vier Fachkräfte, von denen Österreich derzeit 30.000 sucht.

Gestartet am 1. Mai wird die Kampagne mittlerweile von 80 Organisationen unterstützt, mehr als 6.400 Menschen haben sich bereits auf der Homepage der Kampagne eingetragen. In den nächsten Wochen werden, so Pollak, weitere Gespräche mit Innen- und Sozialministerium geführt und Politiker aller Couleurs kontaktiert, um sie als Unterstützer zu gewinnen. Nicht geplant ist - obwohl derzeit recht populär - ein Volksbegehren.

Karriere

Land der Berge, Land der IT-Experten: Österreich legt zu

Service

Gehalt: In diesen Branchen verdienen Sie am meisten

Karriere

Auf Jobsuche? Das sind die beliebtesten Branchen