Arbeitgeber-Ranking – Wo Akademiker arbeiten wollen

Arbeitgeber-Ranking – Wo Akademiker arbeiten wollen

Österreichs Studenten sehen Google und Red Bull als attraktivste Arbeitgeber. Als oberstes Karriereziel nennen sie eine ausgewogene Work-Life-Balance.

Als geschmackssicher im Hinblick auf das Ambiente ihres Wunsch-Arbeitsplatzes kann man Österreichs Jungakademiker getrost bezeichnen. Das beweisen zumindest die Zentralen jener Unternehmen, bei denen heimische Wirtschafts- und Technik-Studenten nach ihrem Abschluss am liebsten anheuern möchten: Das Headquarter von Google im kalifornischen Mountain View, auch bekannt als Googleplex (Bild), zeichnet sich nicht nur - so wie alle Niederlassungen des Internet-Konzerns - durch eine freizeitclubartige Atmosphäre mit Videospielen, Billardtischen und Klavieren, Cafés und Miniküchen mit gesunden Lebensmitteln aus. Es besticht auch durch eine vom Blick auf die Santa Cruz Mountains gekrönte landschaftlich besonders reizvolle Lage. Allenfalls getoppt wird diese nur noch von jener des Red Bull-Hauptsitzes im Salzburger Urlaubsort Fuschl am gleichnamigen See. Dessen eleganter und doch bodenständiger Baukörper entsteigt einem ihn halbmondförmig umschließenden, idyllisch anmutenden Biotop.

Ganz im Ernst betrachtet sind Architektur und Lage der Firmensitze natürlich nur kleinere Bausteine des Images, das Unternehmen zu den begehrtesten Arbeitgebern bei Studierenden macht. Dieses wird vom Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Universum jährlich in Form von Rankings erhoben. In den aktuellen Österreich-Ergebnissen dieser Studie liegt Google bei Technik- und IT-Studenten an der Spitze, bei angehenden Wirtschaftsakademikern auf Rang zwei. Red Bull führt die Rangliste bei den Wirtschaftlern an, bei den Technikern belegt Österreichs Parademarke Platz drei unmittelbar hinter Audi (siehe Rankings).

Zeugnis für Employer Branding

"Es bewerben sich letztlich natürlich nicht alle Studenten, die ein Unternehmen als idealen Arbeitgeber sehen, auch wirklich dort, wenn es konkret an die Stellensuche geht“, ordnet Yves Schneuwly, Universum Country Manager für die Schweiz und Österreich, die Ergebnisse ein. Für die Messung der Wirksamkeit ihrer Employer Branding-Strategien sind die Resultate und die Veränderungen aber besonders aussagekräftig. Dass etwa die ÖBB den Sprung unter die Top 20 im Techniker-Ranking schaffte, führt Schneuwly darauf zurück, dass sie als Arbeitgeber "sowohl Beständigkeit und Sicherheit vermittelt, als auch kreativ und dynamisch wahrgenommen wird.“

Auf den ersten Blick überraschende Resultate spiegeln auch tiefer gehende Stimmungslagen der Studierenden wider. "Sicherheit und langfristige Ziele haben hohen Stellenwert“, interpretiert Schneuwly, dass auch die "stabil und beständig wirkende Bauwirtschaft“ zu den Aufsteigern bei Technikern zählt. Fast ein Treppenwitz: Selbst der Alpine-Konzern, dessen wirtschaftliche Schieflage im Erhebungszeitraum in Wirtschaftsmedien höchst präsent war, machte einen Riesensprung nach oben. Bewerben kann man sich dort nach der Insolvenz allerdings nicht mehr - ein klarer Fall von Informationsvorsprung für Studenten, die neben sozialen auch "richtige“ Medien nutzen.

Mit Ausnahme der Raiffeisen Bank International, die sich gegen den Branchentrend verbesserte, hat der Bankensektor an Attraktivität verloren. "Eine Entwicklung, die wir auch auf internationaler Ebene beobachten“, so Schneuwly. Er führt dies darauf zurück, dass die im typischen Studentenalter befindliche Generation Y seit Studienbeginn von der Finanzkrise geprägt wurde. Gut gehalten haben sich hingegen die Beratungsunternehmen wie McKinsey, BCG, Roland Berger oder Accenture, die sich allesamt im Ranking verbesserten. Im Technologiebereich mussten Microsoft, IBM, Sony, Dell oder HP Federn lassen, einzig der deutsche Softwareanbieter SAP kletterte um 14 Rankingpunkte auf Platz 23.

Gefangen in Geschlechterklischees

Was ihre Branchenpräferenzen betrifft, bestätigen die rund 5000 in Österreich befragten Angehörigen der Generation Y - Durchschnittsalter knapp über 23 - alte Klischees. So zieht es die jungen Frauen am stärksten in den Sektor Medien, Werbung und PR, am wenigsten beliebt ist bei ihnen ein Job im Technik- und Hardwarebereich. Ihre männlichen Kommilitonen streben den Karrierestart bevorzugt in der Management- und Strategieberatung, der Automobilindustrie und im Energiesektor an - am wenigsten interessieren sich männliche Studiosi für die Mode-, Accessoires- und Luxusartikelbranche.

Auch bei den Gehaltsvorstellung prägen offenbar alte Geschlechtermuster die Erwartungshaltung: Während die Männer ein Anfangsjahresgehalt von rund 37.000 Euro erwarten, setzen Frauen ihr Einstiegssalär mit knapp 28.500 Euro deutlich niedriger an.

Und auch im Hinblick auf die mittel- bis langfristigen Lebens- und Karriereziele lässt sich ein ganz deutliches mentales Gender Gap konstatieren: Eine ausgewogene Work-Life-Balance ist zwar für beide Geschlechter das erstrebenswerteste Ziel im Arbeitsleben - als höchste Priorität nennt das bei den Frauen aber eine satte Zweidrittelmehrheit, bei den Männern sind es 51 Prozent. Noch stärker ist der Kontrast beim Ziel, auf der Karriereleiter eine Führungsfunktion mit leitender Position zu erklimmen: Das ist für 44 Prozent der Männer ein lohnendes Ziel, jedoch nur für 25 Prozent der Frauen.

Dass die Work-Life-Balance schon seit geraumer Zeit ganz oben auf der Prioritätenliste der Karriereziele von Uni-Absolventen steht, heißt für Schneuwly einerseits, dass es sich dabei nicht nur um eine vorübergehende Modeerscheinung handelt. Andererseits sieht er darin aber keine generelle Leistungsverweigerung der jungen Generation: "Die Studenten verstehen darunter ein positives Arbeitsklima, die Vereinbarkeit von Karriere und Familie sowie vor allem ein ausgewogenes Verhältnis von Phasen hoher Arbeitsbelastung und Regeneration.“

Darauf werden sich auch Unternehmen einstellen müssen, denen es heute gelingt, ihre Jungdynamiker mit coolem Freizeit-Ambiente am Arbeitsplatz ganz sanft zu Höchstleistungen und extremen Arbeitszeiten zu motivieren.

Ranking der Technik-Studenten
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