AMS: Unikurse für arbeitslose Akademiker

3,4 Prozent beträgt die Akademikerarbeitslosigkeit in Österreich. Nun soll der Fokus auf wirtschaftliche Fortbildung mit Uni-Anrechenbarkeit gelegt werden. Controlling, Business Assistance, Vertriebs- und Projektmanagement stehen beim 10-wöchigen Kurs zur Auswahl.

AMS: Unikurse für arbeitslose Akademiker

Wien. Mit 3,4 Prozent ist der Anteil der Jobsuchenden unter Akademikern vergleichsweise niedrig. Sind sie aber von Arbeitslosigkeit betroffen, haben Personen mit Studienabschluss oder Führungserfahrung sehr spezielle Bedürfnisse. Diesen will das Wiener Arbeitsmarktservice ab sofort in einem neuen Akademikerzentrum in Wien-Donaustadt durch Unikurse mit Wirtschaftsfokus und spezielle Betreuung nachkommen.

Über 7.000 Akademiker seien derzeit in Wien auf der Suche nach einem Job, berichtete die Landesgeschäftsführerin des Wiener AMS, Petra Draxl, bei der Eröffnung des Zentrums am Freitag. Das Angebot richtet sich sowohl an Studienabsolventen als auch an Menschen mit vergleichbaren Qualifikationen wie etwa langjähriger Führungserfahrung. Voraussetzung seien jedenfalls sehr gute Deutschkenntnisse, wie Thomas Wychodil, Geschäftsführer des Dienstleisters alea + partner, der das Akademikerpaket mitentwickelt hat, erklärte. Seit Dezember 2013 können sich Akademiker entweder für eine wirtschaftliche Fortbildung auf Uni-Niveau - kooperiert wird hier mit der Universität Graz - eine siebenwöchige Coaching- und Orientierungsbegleitung oder eine externe Fachqualifizierung bei einem anderen Anbieter entscheiden. Beim AMS stehen Kurse in Controlling, Business Assistance, Vertriebsmanagement und Projektmanagement zur Auswahl. "In diesen Bereichen gibt es derzeit noch viele offene Stellen", erklärte Wychodil die Auswahl. 1,6 Mio. Euro lässt sich das AMS die spezielle Akademikerbetreuung kosten, das Programm läuft bis Februar 2015. Dann wird - je nach Erfolg - über eine Verlängerung entschieden.

Die Uni-Kurse dauern zehn Wochen. Um ein Zertifikat zu erhalten, müssen nicht nur Prüfungen absolviert, sondern auch eine Teilnahmequote erfüllt werden. Zusätzlich sollen die Jobsuchenden bei Bewerbungsaktivitäten unterstützt werden und sich gegenseitig sowie mit potenziellen Arbeitgebern vernetzen. "Wir reagieren damit sowohl auf die Wünsche der Arbeitssuchenden als auch auf die interne Forderung nach einem speziellen Programm", so Draxl. Denn einige der Beschwerden über "sinnlose AMS-Kurse" seien von Akademikern gekommen.

Auch wenn der Fokus ein sehr wirtschaftlicher ist, wolle man sich auch an Juristen oder Geisteswissenschafter wenden, meinte Wychodil: "Die brauchen diese Unterstützung ganz besonders, um in der Arbeitswelt zu bestehen." Denn laut Franz-Josef Lackinger, Geschäftsführer des BFI Wien, gehört es inzwischen zu einer normalen Arbeitslaufbahn, drei- bis fünfmal das Berufsfeld zu wechseln. "Inzwischen könnte man fast Weiterbildungsservice statt Arbeitsmarktservice sagen", sagte er.

Für Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) sind arbeitslose Akademiker aber nicht die einzige Baustelle: "Wir wollen uns besonders auf Menschen ab 50, die länger als sechs Monate arbeitslos sind, konzentrieren." Eine Investition von 100 Mio. Euro in diesen Bereich müsse nur noch vom Nationalrat abgesegnet werden. Grundsätzlich halte er viel von Schulungen, um der Arbeitslosigkeit entgegenzusteuern. "Natürlich hat es in der Vergangenheit Fehler gegeben, aber die muss man auch in der Relation zu österreichweit einer Million AMS-Kunden sehen", erklärte der Minister.

Eine Abschaffung der umstrittenen AMS-Aktivierungskurse - wie in Wien angekündigt - auch in den Bundesländern durchzusetzen, werde aber aufgrund der unterschiedlichen Infrastrukturbedingungen noch etwas dauern. "Modulare Angebote sind in der Großstadt wesentlich leichter. Wir bemühen uns um Änderungen, die werden aber langfristiger und komplexer sein", so der Sozialminister.

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