"Yoga gehört nicht mehr den 68er Patschouli-Strick-Uschis"

"Yoga gehört nicht mehr den 68er Patschouli-Strick-Uschis"

Am Times Square in New York hat man es schon getan, vor dem Eiffelturm in Paris ebenso und Anfang Juli war es auch am Wiener Heldenplatz endlich soweit: Yoga-Flashmobs überschwemmen zur Zeit die Metropolen dieser Welt. Man trifft sich spontan und hält im öffentlichen Raum eine kleine Turnstunde ab.

Die fernöstlichen Körper- und Meditationsübungen sind also endgültig in den Fitness- und Lifestylekonzepten des Westens angekommen. Der Vergleich macht sicher: Jogi Löw etwa lässt die deutsche Fußballnationalmannschaft in Trainingseinheiten regelmäßig verrenken. Und die Stars der Yellow-Press schwören auf Yoga in all seinen Facetten, kaum ein Tag vergeht, indem man nicht über eine kleine Yoga-Meldung stolpert. So heilt Demie Moore damit gerade ihren Liebeskummer, Britney Spears bekämpft so ihre Angststörungen, Sting macht es, um den Geschlechtsakt in die Länge zu ziehen und ähnliches haben wohl auch Angelina Jolie und Brad Pitt im Sinn, wenn sie mit Partner-Yoga ihre Beziehung aufpeppen.

Kein Wunder: Yoga, das erstmals vor 2.500 Jahren im Sanskrit schriftlich festgehalten wurde, bedeutet Vereinigung und Integration. Ursprünglich galt Yoga als Weg zur Erleuchtung - später erkannte man die positive Wirkung der meditativen Körper- und Atemübungen auf das körperliche Wohlbefinden und entwickelte diese weiter.

Die Beatles, schon wieder

Alles ist zur Zeit also irgendwie ökonomisch erleuchtet. Der Yoga-Trend sorgt nämlich auch dafür, dass ein Studio nach dem anderen aus dem Boden schießt, immer mehr Yoga-Arten erfunden werden und auch das Merchandising und Franchising im Yoga-Sog floriert prächtig. Und, um ein paar Vorurteile zu bedienen, manchmal riecht es auch verdächtig nach 68er-Hippiefantasien und Birkenstock-Mafia.

Nur, die neuen Yogis können und wollen da nicht mit. Auch weil der Fernost-Export im Westen einen Imagewandel erfahren hat. "Yoga gehört nicht mehr den 68er Patschouli-Strick-Uschis“, sagt die Digitaltherapeutin Anitra Eggler und macht deutlich, dass sie sich nicht im Eso-Kitsch-Eck wiederfinden will. Seit vier Jahren macht die Bestsellerautorin ("E-Mail macht dumm, krank und arm“) bereits Yoga, das für sie die " die potenteste Art des ganz legalen Dopings“ ist.

Der Yoga-Boom, lässt sich auch in Zahlen festmachen. Über 20 Millionen US-Amerikaner verbiegen sich regelmäßig in Yoga-Klassen, fünf Millionen Deutsche tun es ihnen gleich und in Österreich zählt man mittlerweile 300.000 Menschen, die sich den Körper- und Entspannungstechniken aus Asien hingeben. Hier zu Lande vorwiegend Frauen übrigens. Nicht selten hat man in Yoga-Klassen einen Frauenanteil von 90 Prozent. Starkoch Walter Eselböck, der Yoga bereits seit 15-Jahren in seinen Gesundheitsspeisezettel stehen hat, gibt eine charmante Antwort auf diesen Umstand: "Frauen sind intelligenter. Sie ernähren sich besser und schauen auf ihre Gesundheit. Nicht umsonst leben sie durchschnittlich länger als Männer.“

Allheilmittel für fast alles? Macht man regelmäßig seine Yoga-Einheiten, könnte sich die Reise auf dieser Erde jedenfalls verlängern. Der indischen Gesundheitslehre wird nämlich nicht nur nachgesagt, dass sie gelenkig und locker macht, sie soll auch verjüngen. Konzentrierte Atmung verlangsamt nämlich die Zellenalterung und wirkt entzündungshemmend.

Wissenschaftliche Studien lassen Anhänger jedenfalls jubeln. Empirisch belegt sind mittlerweile positive Wirkung auf Rücken- und Nackenschmerzen und Stress. So untersuchte die deutsche Neurowissenschafterin Britta Hölzel an der Berliner Charité die Auswirkungen von Yoga auf Nackenschmerzen. Nach zehn Wochen empfanden die Probanden mit Yogaunterricht deutlich weniger Schmerzen als die Kontrollgruppe, die klassische Rückenschulübungen machte.

Mittels Kernspin-Tomographie konnte Hölzel außerdem nachweisen, dass die Dichte der grauen Gehirnzellen, die für Gedächtnis, Lernen und Emotionskontrolle verantwortlich sind, nach 30 Minuten Yogameditation täglich zunimmt und die altersbedingte Abnahme der frontalen Großhirnrinde ausbleibt.

Andere Studien belegen zudem, dass Stressgeplagte mit Yoga das dafür zuständige Hormon Cortisol verringern und ihren Bluthochdruck reduzieren können. Und die Boston University School of Medicine konnte sogar nachweisen, dass Yoga ein natürlicher Stimmungsaufheller ist. Es hebt unmittelbar nach einer Yogaeinheit den Spiegel des beruhigenden Botenstoffes Gamma-Aminobuttersäure im Gehirn deutlich an. Yoga statt Beta-Blocker, also.

Gegenstimmen

Ist tatsächlich alles supi auf der Yoga-Matte? Anfang 2012 hagelte es von der New York Times harsche Kritik. Mit dem Titel "How Yoga Can Wreck Your Body“ räumte man mit den ein oder anderen Mythen über die Verrenkungsübungen auf. Die ungesündeste Kombination sei vor allem übertriebener Ehrgeiz bei Schülern und schlechte Anleitung seitens der Lehrer. Denn Überdehnung führe zu Verletzungen von Gelenken, Sehnen und Muskeln sowie der Wirbelsäule mit neurologischen Ausfällen.

In Österreich ist Yoga zudem ein offenes Gewerbe und kann von jedem unterrichtet werden. Die Herausgeberin des "Yoga-Guide“, Elfi Mair, die Experten und Laien einen Wegweiser durch die undurchsichtige Yogalandschaft bietet, schätzt die Lehrerzahl in Österreich auf 2200 und empfiehlt jedenfalls einen zweiten Blick: "Man sollte Yogalehrer nach ihrer Ausbildungsstätte und Erfahrung befragen. Schnell erkennt man, ob jemand eine Ahnung von seinem Fach hat oder nicht.“

Auch die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin Österreich nahm die grassierende Unsicherheit zum Anlass, um aufzuklären. Risikofaktoren seien laut der Unfallchirurgin Stefanie Syré (AKH Wien) zu intensives Üben, Selbstüberschätzung, bestehende Verletzungen, die unbeachtet bleiben und unzureichende Anleitung des Yoga-Lehrers. Hat man den gefunden, stehen Erleuchtung und Fitness bis ins hohe Alter aber nichts mehr im Weg.

Ob Cremes um ein paar Euro oder knapp 80 Euro. Viele der gesteten Antifaltencremes erwiesen sich als wirkungslos.

Leben

Stiftung Warentest: Antifalten-Cremes wirkungslos

Leben

ELGA startet: Fragen und Antworten zur elektronischen Gesundheitsakte

Gesundheit

Sehen um zu hören: Gebärdensprachen-App am Start