Wer länger raucht, ist früher tot

Wer länger raucht, ist früher tot

Zum Weltnichtrauchertag fordert Gesundheitsminister Alois Stöger das Ende der Ausnahmen vom Rauchverbot. Warum Verbote tatsächlich helfen, das Rauchen aufzugeben, weiß Tabakentwöhnungsexpertin Ines Dietrich.

Rund ein Drittel der Österreicher raucht täglich. Die Nichtraucherquote
liegt bei 55 Prozent. In der Gastronomie scheint immer noch Rauchen die Norm zu sein. Gesundheitsminister Stöger sieht gute Chancen, das bald zu ändern.

Gesundheitsminister fordert totales Rauchverbot
Gesundheitsminister Alois Stöger fordert zum Weltnichtrauchertag am 31. Mai wiederholt ein absolutes Rauchverbot: "Dass rauchen die Gesundheit massiv gefährdet, weiß mittlerweile jedes Kind. Es ist nun an der Zeit, dass Österreich endlich auch politisch den richtigen Schritt setzt und das geltende Rauchverbot auf die Gastronomie ausdehnt."

Seit 2009 gilt das generelle Rauchverbot in öffentlichen Räumen, für die Gastronomie wurden aber unter bestimmen Umständen Ausnahmeregelungen getroffen. Diese sollen nun so schnell wie möglich abgeschafft werden. Das Gesundheitsministerium hofft auf Umsetzung noch in dieser Legislaturperiode. "Bisher war eine parlamentarische Mehrheit für eine rauchfreie Gastronomie nicht absehbar", so der Minister. "Wir werden aber immer mehr. Der Großteil der Bevölkerung spricht sich schon lange für ein Rauchverbot aus."

Im europäischen Vergleich belegt Österreich seit langer Zeit beim Nichtraucherschutz den letzten Rang. "Als Raucherparadies zu gelten ist keine schöne Auszeichnung. Wir wollen lieber ein Gesundheitsparadies sein", so Stöger. Das Internetportal "dastinkts.net" zeigt rauchfreie Alternativen in Österreich auf.

Die Ergebnisse des Tobacco Control Scale 2013 verweisen Österreich auf den letzten Platz europaweit, was Nichtraucher-Schutz anbelangt.

1. Großbritannien 74
2. Irland 70
3. Island 66
4. Norwegen 61

5. Türkei 57
6. Frankreich 57
7. Spanien 56
8. Malta 56
9. Finnland 55
10. Ukraine (neu) 53

11. Schweden 48
11. Ungarn 48
13. Niederlande 47
13. Belgien 47
15. Italien 46
15. Dänemark 46
15. Bulgarien 46
18. Schweiz 45
19. Rumänien 44
20. Slowenien 43
20. Estland 43
20. Polen 43
23. Serbien (neu) 42
24. Lettland 41
24. Portugal 41
26. Kroatien (neu) 40
27. Slowakei 39
28. Luxemburg 37
29. Litauen 35
29. Griechenland 35
31. Tschechien 34
32. Zypern 33
33. Deutschland 32
34. Österreich 31

Stöger wirbt seit langer Zeit bei den Abgeordneten um eine Mehrheit und verstärkt aktuell seinen Appell an die Parlamentarier: "Ich lade Sie ein: Setzen Sie ein Zeichen für die Gesundheit der Beschäftigten in der Gastronomie, der Gäste und speziell der Kinder, indem Sie sich für ein echtes generelles Rauchverbot aussprechen." War zunächst eine klare Trennung des Raucher- vom Nichtraucherbereich vorgesehen, erregte zu Beginn dieses Jahres eine Interpretation des Tabakgesetzes Aufsehen. Demnach ist den Gästen ein kurzes Durchqueren des Raucherraums auf dem Weg zum Hauptraum bzw. anderen rauchfreien Bereichen eines Lokals, wie sanitäre Anlagen bzw. WC-Anlagen, zuzumuten. Viele Gäste, vor allem Familien mit Kindern und Schwangere, stört das immer mehr.

Wirtschaftsfaktor Rauchen
"Bronchialkrebs ist die vermeidbarste Todesursache weltweit," sagt Ines Dietrich, Tabakentwöhnungsexpertin der Humanomed Privatklinik in Kärnten. Die Lungenfachärztin weiß, dass das Laster dem Raucher durchschnittlich zehn bis 15 Jahre Lebenszeit kostet. Für die Wirtschaft ist Rauchen kein unerheblicher Faktor, zahlt der Raucher doch jahrelang in die Pensionsvorsorge ein und führt Tabaksteuer ab. Die Tabaksteuer ergibt nach der Mineralölsteuer die zweithöchsten Einnahmen aus einer Verbrauchssteuer in Österreich. "Rechtzeitig" zum Pensionsantritt sterben viele Raucher. "Selbst wenn jemand an Lungenkrebs erkrankt und die zu erwartenden zwei Jahre noch lebt und Therapie erhält, kommt es den Staat günstiger als wenn er noch zehn Jahre die Pension genießt." Für Unternehmen wäre es dagegen ein Gewinn, ihre Mitarbeiter beim Aufhören zu unterstützen. Raucherpausen fallen weg und die Krankenstände sinken. Große Unternehmen in Deutschland belohnen bereits ihre Mitarbeiter für das Ausdämpfen des Glimmstängels. In der Schweiz wird die Rauchentwöhnung von der Krankenkasse gezahlt, in Deutschland soll es auch bald soweit sein - in Österreich gibt es diese Unterstützung nicht.

Frauen besonders gefährdet
Nach wie vor rauchen mehr Männer als Frauen. War es in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts für Frauen verpönt zu rauchen, holen diese nun verstärkt auf. Die Zahl der rauchenden Männer geht leicht zurück und damit auch die typischen Männerkrankheiten wie COPD (Raucherlunge) und Lungenkrebs. Rauchen steht seit jeher für Freiheit, Rebellion und Individualität und hat auch für Frauen emanzipatorische Funktion. Die Zahl der Frauen mit Diagnose COPD und Lungenkrebs steigt an. "In den nächsten zehn Jahren werden wir die Spitze der Auswirkungen sehen", so Dietrich. Frauen werden zudem schon bei einer geringeren Menge Nikotin abhängig und die Lunge ist anfälliger für Erkrankungen.

"Verbote wirken am besten"
Eine Rauchentwöhnung findet in der Regel in der Gruppe statt und dauert sechs Wochen. Mit Ersatzstoffen und Verhaltenstherapie geht es der Sucht an den Kragen. "Ein Großteil der Raucher sind mittel bis schwach abhängig. Verbote helfen hier viel, weil die Gewohnheit zur Zigarette zu greifen erschwert und durchbrochen wird." In der Beratung wird aufgeklärt und den Motiven und Ängsten nachgegangen. "Viele Raucher haben Angst vor dem Aufhören. Bei Frauen spielt zum Beispiel Gewichtszunahme eine Rolle, bei Männern die Zunahme von Stress," so Dietrich.

Gratis Rauchfrei-App und Rauchfrei Telefon
Neben dem kostenfreien Rauchfrei Telefon gibt es nun auch eine Gratis-App , die Raucher, die aufhören wollen unterstützt. Die App ist für Raucher die rauchfrei werden wollen genauso geeignet, wie für Exraucher die rauchfrei bleiben möchten. Verschiedene Einstiegsphasen stehen bei der App zur Auswahl: Vorbereitung bei der Veränderung des Rauchverhaltens, Umsetzung des Rauchstopps und Aufrechterhaltung der Rauchfreiheit. Die Tools basieren auf verhaltenstherapeutischen Grundlagen.

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