Vollkasko für Menschen

Vollkasko für Menschen

Die staatliche Invaliditätspension wird es künftig für unter 50-Jährige nicht mehr geben. Umso wichtiger ist es, das finanzielle Risiko rechtzeitig abzusichern.

Österreich ist ein Land der Einkommens-Millionäre. Jedenfalls dann, wenn man das Gehalt des gesamten Berufslebens zusammenrechnet. Wer heute seine Karriere startet, hat im Laufe der Zeit die realistische Aussicht, eine siebenstellige Summe zu verdienen. So gesehen ist die eigene Arbeitskraft das wertvollste Gut.

Wenn man sich die Statistiken der Assekuranzen anschaut, zeigt sich ein völlig anderes Bild. Während Autos oft gegen jeden kleinen Kratzer versichert sind, ist eine Polizze zum Schutz vor Arbeitsunfähigkeit ein eher exotisches Produkt. In Zahlen: Branchenweit wurden im Jahr 2011 über 2,2 Millionen Kfz-Kasko-Versicherungen gezählt, während gerade einmal 25.406 Verträge für eine Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung (BUZ) liefen.

Existenzgefahr Invalidität

Zwar haben Berufstätige, die auf Dauer nicht mehr arbeiten können, in der Regel Anspruch auf eine staatliche Invaliditätspension. Die Höhe ist aber sehr bescheiden. Im Schnitt bekommen Männer 1.118 Euro brutto im Monat überwiesen, Frauen sogar nur 773 Euro. Die am schlechtesten verdienenden 25 Prozent dieser Frührentner müssen sogar mit weniger als 837 Euro (Männer) beziehungsweise 640 Euro (Frauen) auskommen.

Besonders armutsgefährdet sind Berufsanfänger. Wenn überhaupt schon ein Anspruch auf eine Invaliditätspension besteht, ist die Höhe wegen der geringen Beiträge äußerst bescheiden. Verschärft wird die Lage durch die ab Anfang 2014 geplante generelle Abschaffung der Berufsunfähigkeitspensionen für alle unter 50: Wer ab dem 1. Jänner 1964 geboren wurde, bekommt im Fall der Fälle nur noch ein verlängertes Krankengeld oder eine Umschulung finanziert. Nur extreme Fälle von Dauerinvalidität bekommen auch künftig eine Sofortpension. Dagegen wird zum Beispiel ein Fliesenleger, der sich wegen Rückenbeschwerden zum Baumarktverkäufer ausbilden lässt, anschließend das volle Risiko tragen, tatsächlich eine neue Stelle zu finden. Noch schwieriger könnte die Jobsuche künftig für Führungskräfte werden, die erfahrungsgemäß wegen ihrer Stressbelastung zu den Risikogruppen im Punkt Invalidität zählen. Inzwischen zählen nämlich psychische Erkrankungen wie Burnout zu den Hauptursachen der Berufsunfähigkeit.

Weniger Staat - mehr privat

In Deutschland wurden vergleichbare Einschnitte in das Sozialsystem bereits im Jahr 2001 vorgenommen, ab Jahrgang 1961 wird keine Berufsunfähigkeitsrente mehr gezahlt. Kurt Molterer, Chef der Nürnberger Versicherung Österreich: "In Deutschland zählt die private BUZ-Polizze schon seit Jahren zur Basisabsicherung. In Österreich verlassen sich viele noch auf das staatliche Sicherheitsnetz. Wegen der Neuregelung der Invaliditätspension wird aber auch bei uns der Bedarf für einen privaten Zusatzschutz steigen.“

Die Prämien sind auch für Berufseinsteiger verkraftbar. So kostet zum Beispiel bei der Nürnberger die Prämie für einen 30-jährigen Büroangestellten, der im Fall einer Invalidität bis zum 60. Lebensjahr zusätzlich 500 Euro im Monat kassieren würde, aktuell 14,91 Euro im Monat. Dabei ist zu beachten, dass diese Prämie nicht fix ist, sondern einen Sofortrabatt enthält. Falls in dieser Versicherungssparte ungeplant hohe Schäden auftreten, darf die Nürnberger die Prämie maximal auf 22,94 Euro erhöhen. Die genannten Prämien gelten sowohl für Männer als auch für Frauen. Schließlich schreibt der Staat seit 21. Dezember 2012 unter dem Schlagwort Unisex bei allen neuen Versicherungsprodukten geschlechtsunabhängige Einheitsprämien vor. Erlaubt sind allenfalls indirekte Klassifizierungen, um so Risikogruppen zu identifizieren. So könnte zum Beispiel künftig öfter in Anträgen die Frage auftauchen, ob man Motorradfahrer ist, was tendenziell eher auf einen männlichen Kunden zutrifft.

Der Polizzen-Check

Wer sich den Abschluss einer BUZ-Versicherung überlegt, sollte zuerst die individuelle Vorsorgelücke ermitteln. Diese hängt vom aktuellen Einkommen und etwaigen künftigen Gehaltssprüngen ab sowie dem, was von der Sozialversicherung zu erwarten ist. Im nächsten Schritt erfolgt dann die Auswahl der Versicherung, bei der sowohl die Höhe der aktuellen Nettoprämie als auch die der maximal möglichen Bruttoprämie zu vergleichen ist. Außerdem ist abzuklären, wie die einzelnen Institute die Berufsunfähigkeit definieren. Bei einer sogenannten abstrakten Verweisbarkeit wird nicht gezahlt, wenn der Kunde im Schadensfall auf vergleichbare Tätigkeiten umsteigen könnte, selbst wenn es dafür keine Jobs gibt. Besser sind Produkte, die auf diese abstrakte Verweisbarkeit verzichten.

Gerade bei BUZ-Polizzen zahlt sich ein eingehender Polizzen-Check aus. Wegen der bisher geringen Zahl der Verträge haben viele österreichische Versicherungen und auch ihre Berater noch kaum Erfahrung mit dem Produkt, auch die Konditionen weisen enorme Unterschiede aus. Deshalb kann es sich rasch bezahlt machen, unabhängige Versicherungsmakler um Rat zu fragen.

Die Generali zählt zu den Instituten, die in diesem Bereich stärker aktiv werden wollen und bereits ihre Konditionen verbessert haben. Im Rahmen von Paketlösungen können unter dem Titel Generali Risk Care gleich mehrere bisher unversicherte Risiken auf einmal abgedeckt werden. So kann man zum Beispiel Bausteine wie eine BUZ-Versicherung mit einem Ablebensschutz kombinieren und auch Unfälle mit einschließen. Auf Wunsch wird auch eine günstige Option für eine künftige Pflegeversicherung inkludiert. Generali-Boss Luciano Cirinà: "Wir wollen damit Vollkasko-Versicherungen für den Menschen anbieten“ (siehe Interview ).

Naturgemäß sind Polizzen für Hochrisikofälle relativ teuer. Deshalb hat die Allianz unter dem Namen "Körperkasko“ einen neuen billigeren Tarif geschaffen, der sich zum Beispiel an Bauarbeiter richtet. Allianz-Produktentwickler Ernst Schneckenleitner: "Die Zahlung wird dann fällig, wenn bestimmte elementare Grundfähigkeiten verloren gehen wie zum Beispiel gehen oder Auto fahren können.“

Pflege als tickende Zeitbombe

Die Reduktion der staatlichen Absicherung bei Invalidität ist bereits beschlossene Sache. Im Bereich Pflege stehen noch massive Einschränkungen bevor. Einige Bundesländer beteiligen bereits die Angehörigen an den Kosten für teure Pflegeheime. Weitere werden angesichts leerer Kassen folgen. Private Pflegeversicherungen sind eine Möglichkeit, um den drohenden finanziellen Super-GAU zu verhindern. Zwar mag sich niemand die Eltern oder sich selbst als Pflegefall vorstellen, was die geringe Zahl der Polizzen erklärt. Doch das ändert nichts daran, dass die Zeitbombe tickt.

Ob Cremes um ein paar Euro oder knapp 80 Euro. Viele der gesteten Antifaltencremes erwiesen sich als wirkungslos.

Leben

Stiftung Warentest: Antifalten-Cremes wirkungslos

Leben

ELGA startet: Fragen und Antworten zur elektronischen Gesundheitsakte

Gesundheit

Sehen um zu hören: Gebärdensprachen-App am Start