"Über die Behandlungsqualität gibt es keine Transparenz"

"Über die Behandlungsqualität gibt es keine Transparenz"

FORMAT: Bekommen Sie als Patientenwalt nicht laufend Anfragen von Patienten zu welchem Arzt sie gehen sollen, schließlich kennen Sie die schwarzen Schafe der Branche?

Gerald Bachinger: Die Fragen nach einem guten Arzt stellen mir Patienten fast täglich, aber ich darf keine Empfehlungen aussprechen.

Und vor Ärzten warnen, wo häufig Probleme auftreten, dürfen Sie wahrscheinlich auch nicht ?

Bachinger: Nein. Aber als Patientenanwalt habe ich naturgemäß laufend mit Patientenbeschwerden zu tun. Laut Gesetz darf ich Wahrnehmungen über Behandlungsfehler ausdrücklich der ÖQMed bekanntgeben, der Ärzteprüfungseinrichtung der Kammer. Die ÖQMed soll dann dafür sorgen, dass eine Begehung in der bestimmten Ordination stattfindet. Das habe ich jetzt einmal getestet.

Mit welchem Ergebnis ?

Bachinger: Die ÖQMed ist nicht in der Lage zu vollziehen, was im Gesetz steht. Sie prüft zwar, ob sich Ärzte weiterbilden und ob die Ordinationen den Vorschriften entsprechen. Aber die medizinische Behandlungsqualität ist vollkommen ausgeblendet, darüber gibt es keine Transparenz. Dabei geht es hier doch um den Kern der Qualitätskontrolle. So kann man Qualität nicht verbessern, und auch der Patient bekommt keinen Überblick, wie die Qualität eigentlich aussieht.

Die Kammer empfiehlt, für die Arztsuche zuerst den Hausarzt aufzusuchen. Er weiß, wo gute Ärzte zur Weiterbehandlung zu finden sind?

Bachinger: Die Vorstellung von der Ordination im klassischen Sinn, mit dem Selbstbildnis des Hausarztes, der ein ärztlicher Künstler ist, gehört auf die Müllhalde der Medizingeschichte. Das ist keine moderne Eintrittspforte ins Gesundheitssystem.

Was wäre denn modern?

Bachinger: Das muss eine interdisziplinäre und auch über die ärztliche Berufsgruppe hinausgehende vernetzte Teamarbeit sein. Der wichtige Punkt ist, dass die Patienten nicht nur eine fokusartige Versorgung, sondern eine integrierte Versorgung bekommen.

Innenminister Karl Nehammer, Vizekanzler Werner Kogler, Bundeskanzler Sebastian Kurz und Gesundheitsminister Rudolf Anschober bei ihrer Erklärung.

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