Spermidin – der Kraftstoff gegen Demenz

Das natürliche Polyamin, dessen Anti-Aging-Wirkung bereits 2009 von einem Forscherteam um Frank Madeo von der Universität Graz entdeckt wurde, löst einen zellulären Reinigungsprozess aus. Dieser zeigt offenbar auch bei neurodegenerativen Veränderungen im Gehirn, wie bei Demenz, positive Wirkung, wie Stephan J. Sigrist und Madeo in "Nature Neuroscience" publizierten.

Spermidin – der Kraftstoff gegen Demenz

Es beginnt meist mit kleinen Erinnerungslücken und kann schnell das gesamte Umfeld überfordern: Demenz betrifft immer mehr Menschen, rund 100.000 Personen sind aktuell in Österreich erkrankt. Wissenschafter der Universität Graz und der Freien Universität Berlin sagen der Substanz Spermidin in der künftigen Behandlung von Demenz eine wichtige Rolle voraus.

Spermidin findet sich laut Madeo vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Uni Graz in allen Körperzellen - in besonders hoher Konzentration in Sperma - aber auch in Soja, Weizen oder Grapefruits. Seine Konzentration nimmt jedoch bei verlangsamten Stoffwechsel und während des Alterns kontinuierlich ab. Ebenso verringert sich die Fähigkeit des Körpers, geschädigte Proteine oder defekte Mitochondrien - die Kraftwerke der Zellen - abzubauen.

Der Körper kann "zellulären Schrott" mittels der sogenannten Autophagie entsorgen, so Madeo im Gespräch mit der APA: "Dieser Prozess baut die in den Zellen angesammelten fehlerhaften Proteine und anderen schadhaften Zellbestandteile ab und führt sie dem zellulären Magen zu, wo sie aufgelöst werden". 2009 haben die Grazer Forscher bereits herausgefunden, dass Spermidin diesen Prozess stimuliert und demnach die Zellalterung bremst.

Verklumpte Proteine lagern sich im Gehirn ab

Diese Erkenntnis haben sich der Grazer Biowissenschafter Madeo und sein Berliner Forscherkollege Sigrist nun auch bei der Erforschung von Alterserkrankungen wie die Demenz zunutze gemacht: Verursacht wird diese nach aktuellem Forschungsstand durch verklumpte Proteine, die sich im Gehirn ablagern.

Die Forscher untersuchten daher an Fruchtfliegen im Labor, ob das altersbedingte Absinken der Gedächtnisleistung durch Gabe von Spermidin rückgängig gemacht werden kann. "Nachdem wir ältere Fruchtfliegen mit Spermidin gefüttert hatten, war ihre Erinnerungsfähigkeit viel besser", schildern Madeo und Sigrist.

Die Forscher beobachteten, wie schnell die Fliegen aus bestimmten Reizen lernen und welche Spermidin-Spiegel damit korrelierten: "Während ältere Fliegen im Vergleich zu jüngeren weniger erfolgreich lernen, hatten die älteren Fliegen, die mit Spermidin gefüttert wurden, kein Defizit. Sie erfüllten ihre Aufgabe gleich gut wie juvenile Fliegen", schilderte Madeo. Er zieht daraus den Schluss, dass die Autophagie tatsächliche auch im Zusammenhang mit altersbedingten Veränderungen eine wichtige Rolle spielt und Spermidin eine wichtige Substanz bei der Demenz-Therapie sein könnte. Als nächstes Ziel haben die Forscher Patienten-Studien anvisiert.

Innenminister Karl Nehammer, Vizekanzler Werner Kogler, Bundeskanzler Sebastian Kurz und Gesundheitsminister Rudolf Anschober bei ihrer Erklärung.

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