Sanierungsfall Mann

Herzinfarkt, Bandscheibenvorfall, Impotenz. Männer gehen zu oft im Beruf und auch gesundheitlich über ihre Grenzen. Worauf das gar nicht so starke Geschlecht achten muss, um dem gefährlichen Mix aus Stress und Bewegungsmangel entgegenzuwirken.

Sanierungsfall Mann

Gesund, stark, leistungsfähig und potent. So sehen sich die meisten Männer gerne. Die Realität sieht jedoch anders aus: Stress im Job, regelmäßiger Alkoholkonsum, mangelnde oder monotone Bewegung machen viele Männer zum medizinischen Katastrophengebiet. Hilfe kommt oft viel zu spät, denn Männer gehen meist erst dann zum Arzt, wenn die Beschwerden unerträglich werden. Erst wenn sie ein Sanierungsfall sind.

Bei allem Gender-Mainstreaming sind Männer und Frauen eben doch nicht gleich, schon gar nicht, was die Gesundheit betrifft. Das beginnt beim Körperbewusstsein: 76 Prozent der Männer schätzen ihren Gesundheitszustand subjektiv gut bzw. sehr gut ein. Laut dem Gesundheitsexperten Siegfried Meryn werden Symptome von Männern aber oft "übersehen“ oder als "nicht wichtig“ eingestuft. "Ein Indianer kennt keinen Schmerz, das haben Männer nach wie vor verinnerlicht“, so Meryn.

Job und Lebensstil als Krankmacher

Eines der größten Gesundheitsrisiken ist der Beruf. Da sich viele Männer über den Beruf definieren, wird das eigene Wohlbefinden oft hintangestellt. Das nagt an Seele und Körper. Haben Männer etwa Probleme mit Vorgesetzten, steigt der Faktor für Schlafstörungen um 2,3 Punkte. Und fühlen sich die Herren der Schöpfung während der Arbeit kontrolliert, erhöht sich bei 50 Prozent der Werktätigen der Blutdruck. Also auf zum Arzt? Mitnichten. Ein medizinischer Check muss nämlich schon mal einem beruflichen Termin weichen - Männer verschieben ihre Arzttermine dreimal häufiger als Frauen!

Der Job wirkt sich aber nicht nur durch Stress negativ auf die Gesundheit aus. Laut Physiotherapeutin Nina Fischer wird auch der Bewegungsapparat durch die Arbeit in Mitleidenschaft gezogen. "Das Büro ist der absolute Bandscheibenkiller“, so Fischer. "Wer seit seinem 18. Lebensjahr im Büro arbeitet, hat oft schon mit Anfang 30 ernsthafte Rückenprobleme.“ Das zeigt sich auch in der Statistik. Mehr als die Hälfte aller Männer haben Probleme mit ihrem Stützapparat, die sich vor allem in Rücken- und Nackenbeschwerden äußern. Dauerhaft geschädigt ist der Bewegungsapparat bei rund 22 Prozent der Herren.

Der generelle Lebensstil des gar nicht so starken Geschlechts ist ebenfalls alles andere als gesund: Männer trinken, schlafen zu wenig, treiben zu wenig Sport und ernähren sich falsch. Wer dem seit Generationen einbetonierten Männlichkeitsideal entspricht, tut seiner Gesundheit nichts Gutes. Dass Männer im Durchschnitt 5,7 Jahre früher sterben als Frauen, ist da kaum verwunderlich.

Dabei werden Männer heute mit ihren medizinischen Problemen wirklich nicht mehr alleine gelassen: Seit nunmehr zehn Jahren gibt es etwa das Männergesundheitszentrum MEN in Wien. Romeo Bissuti leitet die Abteilung, die im Kaiser-Franz-Josef-Spital untergebracht ist und eine Anlaufstelle für Männersorgen aller Art bietet. "Die psychischen Belastungen haben stark zugenommen. Wir helfen Männern bei Suchtproblemen, Depressionen oder auch wenn Beziehungen zu Bruch gehen“, erzählt Bissuti über die alltäglichen Folgen, die zu viel Stress beim Mann auslösen können.

In zehn Jahren Tätigkeit hat der klinische Gesundheitspsychologe zudem einen guten Überblick, was das Vorsorgebewusstsein betrifft. Männer sind zwar traditionell Vorsorgemuffel, vom regelmäßigen Gang zum Gesundheitscheck lassen sich langsam aber immer mehr überzeugen. "Man darf Männer nicht mit negativen Kampagnen abschrecken, das wirkt sich nur kontraproduktiv aus“, erklärt Bissuti, "hat man sie aber einmal so weit, entwickeln Männer durchaus ein ähnlich starkes Bewusstsein für, Self Care‘ wie Frauen.“

Gut vorgesorgt

Spätestens ab dem 40. Lebensjahr sollten Männer einmal pro Jahr zur Vorsorgeuntersuchung. Dieser Rundum-Check wird hierzulande von rund 400.000 Männern jährlich in Anspruch genommen. Das ist immerhin eine sehr positive Entwicklung: Im Jahr 1990 fanden gerade einmal 150.000 Männer den Weg zu einer Gesundenuntersuchung.

Ab dem vollendeten 18. Lebensjahr haben alle österreichischen Einwohner Anspruch auf eine kostenlose Vorsorgeuntersuchung pro Jahr. Schon ab 35 sollten sich Männer alle zwei Jahre auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenleiden, Diabetes und Hautkrebs testen lassen.

Ab einem Alter von 45 Jahren sollte die Darmspiegelung fix auf der Vorsorge-Checkliste jedes Mannes stehen. Die Coloskopie ist ein mittlerweile nahezu schmerzfreier Eingriff. Das erklärt unter anderem auch die gelungene Werbekampagne mit Startenor Plácido Domingo als Testimonial.

Was die Coloskopie zu einem derart mächtigen Diagnosewerkzeug macht, ist, dass nicht erst die Krankheit Krebs erkannt werden kann, sondern schon die Vorstufen dazu: Man sieht also Darmkarzinome nicht nur früher, sondern kann sogar deren Entstehung verhindern.

Tabuthema Prostata

Etwas heikler, vor allem weil gesellschaftlich mit einem großen Tabu versehen, ist alles, was sich explizit unter der Männergürtellinie abspielt. Insbesondere die Prostata ist eine "Problemzone“. Entsprechende Vorsorgeuntersuchungen sollten alle Männer ab 40 jährlich durchführen lassen.

Der allgemein als unangenehm und peinlich empfundene Prostata-Check beim Arzt dauert nur wenige Sekunden und dient vor allem der Früherkennung von Prostatakarzinomen - der häufigsten Krebsart bei Männern. Da diese Krankheit durch die Untersuchung schon in sehr frühen Stadien erkannt werden kann, steigen durch regelmäßige Checks die Heilungschancen im Krankheitsfall gewaltig: Waren in den 1970er-Jahren - als Prostata-Vorsorge noch ein Fremdwort war - die Überlebenschancen unter 40 Prozent, liegen sie heute deutlich über 90 Prozent.

Selbst Hand anlegen müssen Männer bei der Hodenkrebsvorsorge. Auch wenn es sich hierbei um eine vergleichsweise sehr seltene Krebsart handelt - rund zwei Prozent aller Krebs-Neuerkrankungen bei Männern entfallen auf diesen Tumortyp -, sollte man bereits ab einem Alter von 20 Jahren seine Hoden mindestens einmal pro Monat durch Abtasten auf Veränderungen untersuchen. Diese sind zum Glück sehr leicht zu erkennen: Da die Testikel sich rund und glatt anfühlen, bemerkt man Unregelmäßigkeiten an der Oberfläche sofort. Schon beim kleinsten Verdacht sollte der Arzt aufgesucht werden. Bei frühzeitiger Erkennung hat man ausgezeichnete Aussichten, wieder gesund zu werden.

Ein Thema, das neben den physischen Symptomen auch mit starken psychischen Belastungen einhergeht, sind Erektions- und Potenzstörungen. Rund eine Million Österreicher leiden unter Potenzproblemen, bei 300.000 Männern liegen sogar mittlere bis schwere erektile Dysfunktionen vor. Wenn im Bett nichts mehr geht, ist das männliche Ego stark erschüttert. Aus Scham finden leider nur die wenigsten Herren den Weg zum Spezialisten. "Nicht selten versuchen sich Männer in Selbstmedikation. Viagra aus dem Internet ist für viele der schnellste Weg aus der Erektionskrise“, erklärt Romeo Bissuti.

Das kann fatale Folgen haben, da zwar die Symptome für eine gewisse Zeit verschwinden mögen, das Problem aber nicht bei der Wurzel gepackt wird. Hauptsächlich haben Potenzstörungen ihre Ursachen in der Männerpsyche: Stress, Geldsorgen, Beziehungsprobleme. Sie können aber auch nicht selten Hinweis auf eine Erkrankung der Prostata sein.

Lustvoll vorbeugen

Aktive Vorbeugung muss nicht immer mit körperlicher Anstrengung verbunden sein - sie kann sogar ausgesprochen stimulierend wirken. Anhängern tantrischer Sexualpraktiken ist die Prostatamassage als lustbringende Sexspielart schon seit langem ein Begriff, nun findet sie auch ihren Weg in die medizinische Vorsorgetherapie. US-Mediziner und Urologie-Koryphäe Jeffrey Nickel beschrieb schon 1999 die vorbeugende Wirkung von regelmäßiger Prostatamassage. Wer seine Prostata-Gesundheit im wahrsten Sinne des Wortes in die eigene Hand nehmen will, findet in der Sex-Toy-Industrie allerlei Hilfsmittel, die eine therapeutische Massagepraktik lustvoll und entspannend gestalten. Regelmäßige Massage hat darüber hinaus noch einen weiteren positiven Effekt: Sie steigert nämlich auch die Ausdauer im Bett.

Sport als Vorsorge

Anders als bei den Weichteilen verhält es sich beim Bewegungsapparat, der durch die Anforderungen im Job besonders häufig in Mitleidenschaft gezogen ist: Hier kann Vorsorge nur aktiv betrieben werden. Und das heißt: regelmäßig Sport treiben.

Was viele Männer unter "regelmäßig“ und "Sport“ verstehen, deckt sich nicht immer mit der physiotherapeutischen Definition. "Leider glauben viele Männer, sie wären sportlich, nur weil sie zweimal im Jahr Skiurlaub machen und dreimal in die Therme gehen“, weiß Nina Fischer. "Übertriebener Urlaubssport nach dem Motto ‚Jetzt muss ich aber wirklich mal was machen‘ ist oft sogar kontraproduktiv“, so die Physiotherapie-Expertin. "Ohne ausreichende Fitness überanstrengen sich vor allem Männer oft massiv - das kann bestehende Probleme sogar akut verschlimmern.“ Ein Trainingseffekt mit positiver Auswirkung auf die Gesundheit kann sich so jedenfalls nicht einstellen.

Wer seinen Bewegungsapparat fit halten will, muss schon jede Woche etwas schwitzen: Laut Fischer eignen sich für Büro-Arbeiter, die im Beruf nur sehr wenig körperliche Arbeit verrichten, vor allem Schwimmen, Nordic Walking (bzw. im Winter Langlaufen) sowie Pilates. Allesamt Sportarten, die neben dem Bewegungsapparat auch das Herz-Kreislauf-System stärken und dabei die Gelenke schonen.

Einen besonders guten Ansatz, um den Körper - vor allem aber auch den Geist - geschmeidig zu halten, bietet das "Life Kinetik“-Programm, das der deutsche Sportwissenschafter Horst Lutz entwickelt hat. In einer Mischung aus Spiel und Spaß wird mit Koordinationsübungen das Gehirn gefordert, durch die körperliche Bewegung aber auch der Puls nach oben getrieben. Man trainiert, ohne es zu merken. "Es geht nicht um die Automatisierung von Bewegungen. Sobald das Prinzip einer Übung erkannt worden ist, wird der Schwierigkeitsgrad erhöht“, erklärt Horst Lutz sein Trainingsprinzip.

Eine Idee, die vor allem Spitzensportler in ihr Fitnessprogramm eingebaut haben. So setzt etwa der deutsche Fußballtrainer Jürgen Klopp auf Trainingseinheiten mit Life Kinetik, wenn er "seine“ Borussia Dortmund fit hält. Und auch der bayrische Slalomstar Felix Neureuther schwärmt von diesen Übungen, die dezidiert nicht nur Spitzensportlern etwas bringen. Lutz will sein Trainingsprogramm auch in Schulen, Altersheimen und Unternehmen verankern: "Schon mit minimalem Übungsaufwand, am besten unter Anleitung eines Trainers, lassen sich schnelle Erfolge erzielen.“ Erfolge, die sich in erhöhter Konzentration, besserer Leistungsfähigkeit, weniger wahrgenommenem Stress und mehr Wohlbefinden messen lassen.

Dass Stress und Zeitdruck im Beruf Gründe sind, die es einem erschweren, gesund zu bleiben, ist offensichtlich. Der kanadische Entschleunigungsexperte Carl Honoré predigt schon seit Jahren einen bewussteren Umgang mit der Zeit als Schlüssel zu einem gesunden Lebenswandel. Er rät, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen, und sieht eine gewisse Verantwortung auch beim Arbeitgeber: "Firmen mit guter betrieblicher Gesundheitsvorsorge wissen, dass man mehr erreicht und glücklichere Angestellte hat, wenn es keine Einschränkungen gibt. Meditation und geduldete Relax-Phasen sind ebenso wichtig. Google und Microsoft haben das erkannt. Manchmal muss man langsamer sein, um schneller an sein Ziel zu kommen.“

Innenminister Karl Nehammer, Vizekanzler Werner Kogler, Bundeskanzler Sebastian Kurz und Gesundheitsminister Rudolf Anschober bei ihrer Erklärung.

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