Psychopharmaka helfen und sind besser als ihr Ruf

Psychopharmaka helfen und sind besser als ihr Ruf

Ärzte warnen davor Psychopharmaka zu verdammen. Das oft verzögerte Einsetzen der Wirkung dieser Medikamente und die anfangs hohen Nebenwirkungen würde den Blick darauf verstellen, dass die Mittel tatsächlich gut wirken. Die Nervenzellen werden durch solche Pillen reprogrammiert, allerdings dauert das.

Im Jahr 2009 haben in Österreich 900.000 Menschen wegen psychischer Leiden Leistungen der Krankenversicherungen in Anspruch genommen. 840.000 Personen erhielten Psychopharmaka verschrieben. Trotz der häufigen Verwendung dieser Mittel gibt es heftige Vorurteile. Sie helfen, haben somit Wirkung und auch Nebenwirkungen, hieß es Montagabend bei einem Presseseminar in Wien.

Die Veranstaltung wurde auf Initiative des auf Psychopharmaka spezialisierten Konzerns Lundbeck organisiert. Die gängigen Vorurteile: Potenzial für Suchtentwicklung, Veränderung der Persönlichkeit, "fragliche Wirkung", die Patienten sollen "ruhig" gehalten werden.

"Zahlreiche Wirkstoffe können psychische Funktionen beeinflussen; als Psychopharmaka werden aber nur Arzneistoffe bezeichnet, die Angstzustände, Störungen der Stimmung und Wahrnehmung sowie wahnhaftes Erleben und Denkstörungen beeinflussen", definierte Michael Freissmuth, Leiter des Instituts für Pharmakologie der MedUni Wien, die Gruppe dieser Arzneimittel.

Tatsache sei, so die Leiterin der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin am Landeskrankenhaus Villach, Christa Rados, dass die nach wie vor verbreiteten Vorurteile und Vorbehalte gegenüber psychischen Erkrankungen häufig auch die Methoden zu deren Behandlung umfassen: "Während in anderen medizinischen Disziplinen die medikamentöse Therapie relativ hohe Akzeptanz findet und Innovationen überwiegend positiv wahrgenommen werden, ist die Haltung gegenüber Psychopharmaka deutlich kritischer.“ Darin spiegle sich die Einstellung Nichtbetroffener wie Betroffener. Auch die Akzeptanz psychischer Erkrankungen in der Bevölkerung insgesamt dürfte da über Umwege zuschlagen.

Georg Schönbeck, niedergelassener Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, betonte in seinem Vortrag "Psychopharmaka in der Praxis" die Wichtigkeit der Arzt-Patienten-Kommunikation gerade bei psychiatrischen Erkrankungen: "Nur so kann ein stabiles Arzt-Patient-Verhältnis aufgebaut werden. Und dieses ist aufgrund der Spezifika, mit welchen ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin bei der Verordnung von Psychopharmaka in der Praxis konfrontiert ist, außerordentlich wichtig."

Antidepressiva, Antipsychotika, Schlaf- und Beruhigungsmitteln sind völlig unterschiedlich

Keinesfalls, so die Experten, dürften alle derartigen Arzneimittel in einen Topf geworfen werden. Es handelt sich bei Antidepressiva, Antipsychotika, Schlaf- und Beruhigungsmitteln um völlig unterschiedliche Substanzen mit ebenso unterschiedlichen Profilen.

Verzögerte Wirkung

Ein erhebliches Problem, das Freissmuth ansprach: Die verzögert einsetzende Wirkung vor allem bei Psychopharmaka, die bei Depressionen und Schizophrenie zum Einsatz kommen: "Das Gehirn ist ein plastisches Organ, in dem synaptische Kontakte ständig neu organisiert werden; die Nervenzellen lernen mit dem neuen Input fertig zu werden, sie werden reprogrammiert, weil sich ihre Genexpression ändert. Und das dauert eben."

Am Anfang überwiegen oft die Nebenwirkungen

Oft sind die Nebenwirkungen am Beginn deutlicher ausgeprägt als die Wirkung. Doch dieses Bild verändert sich oft nach einiger Zeit der Behandlung. Häufig stellen Psychopharmaka aber auch erst eine Situation her, in der psychotherapeutische Ansätze erst wirksam werden können.

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