Online-Apotheken: Ein Rezept für mehr Wettbewerb

Online-Apotheken: Ein Rezept für mehr Wettbewerb

Der Countdown für die Liberalisierung des Online-Medikamentenhandels in Österreich läuft. Die Preisschlacht ist aber schon jetzt im Gange - über den Umweg Tschechien.

Pia Baurek-Karlic, 25, wartet sehnsüchtig darauf, dass Österreich "nicht mehr so rückständig ist“. Die Tochter eines Wiener Apothekers hat im Sommer 2013 das Portal beavit.at gestartet, das in einem ersten Schritt Kosmetika und Nahrungsergänzungsmittel an die vorwiegend weibliche Kundschaft verschickt. 2500 Artikel sind derzeit online, im Endausbau sollen es 16.000 sein - das Vollsortiment einer Apotheke. Doch noch darf die Jungunternehmerin nicht.

Denn die Standesvertreter haben im Zusammenspiel mit den heimischen Gesundheitspolitikern eine Liberalisierung des Arzneimittelvertriebs im letzten Jahrzehnt erfolgreich verhindert. Anders als in Deutschland ist in Österreich der Internethandel mit Aspirin, Thomapyrin & Co. nicht erlaubt. Gebietsschutz und Kettenverbot verhindern darüber hinaus mehr Wettbewerb. Wenn Max Wellan, der Präsidenten der Österreichischen Apothekerkammer, vor Online-Apotheken als "Einfallstor für gefälsche Medikamente“ warnt und auf "Londoner Hedgefonds als Eigentümer“ hinweist, vergisst er, dass sich auch in seiner Klientel die eine oder andere unternehmungsfreudige Seele befindet.

Langsames Erwachen

Nach Jahren im Tiefschlaf kommt aber nun Bewegung in den Markt: Im ersten Quartal 2014 wird ein gemeinsames EU-Logo zur Konsumentensicherheit veröffentlicht, ab diesem Zeitpunkt beginnt eine Ein-Jahresfrist zu laufen. Dann können auch in Österreich Apotheken den Online-Handel aufnehmen. "Es könnte sogar sein, dass einige Anbieter ins Risiko gehen und schon früher starten“, sagt ein Branchenkenner, der nicht genannt werden will.

WU-Absolventin Baurek-Karlic baut für beavit.at, deren Logistik die bekannte "Urania“-Apotheke ihres Vaters meistert, bis zum Sommer eine eigene Arzneimitteldatenbank auf, um loslegen zu können, wenn der Startschuss fällt. Denn nach Ansicht der angriffslustigen Gründerin "gibt es nur Platz für eine Handvoll Online-Apotheken in Österreich.“

Wer in das Business einsteigen will, muss über eine real existierende Apotheke verfügen. Verschreibungspflichtige Medikamente bleiben von der Liberalisierung ausgespart.

Umweg-Rentabilität

Das Potenzial ist groß: Mit Arzneimitteln werden hierzulande pro Jahr rund vier Milliarden Euro umgesetzt, über 500 Millionen mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten, sogenannten OTC-Produkten (Over-the-Counter). In Deutschland, wo der Markt bereits seit zehn Jahren geöffnet ist, wird bereits mehr als jedes zehnte OTC-Medikament laut einer Studie von IMS Health online verkauft.

Einen Teil der Internet-Umsätze schöpfen schon jetzt Anbieter aus dem Ausland ab. Denn während der innerösterreichische Versand verboten ist, darf sehr wohl aus Deutschland oder Tschechien nach Österreich geliefert werden. "Eine groteske Situation“, wie selbst der zuständige Jurist im Gesundheitsministerium, Robert Semp, zugibt.

So operiert vamida.at , ein Wiener Unternehmen, von Tschechien aus. Über den Umweg einer Apothekenlizenz in Brno werden OTC-Medikamente nach Österreich verschickt, mit Preisabschlägen von bis zu 40 Prozent (siehe Tabelle). Die verspätetete Liberalisierung führt dazu, dass den Großteil der Onlineumsätze wohl auch in Zukunft ausländische Anbieter abschöpfen werden: Der Schweizer Pionier Zur Rose, in Österreich mit den Ablegern zurrose.at und vfg-apotheke.at vertreten, hat mittlerweile einen Umsatz von über 900 Millionen Schweizer Franken.

Vorteil: Preis oder Peinlichkeit?

Eine ruinöse Preisschlacht ist freilich auch nach der Öffnung nicht zu erwarten. Die Erfahrungen der Online-Pioniere zeigen bisher, dass es weniger um Geiz-ist-geil als um das Vermeiden von peinlichen Situationen in der Apotheke geht: Besonders stark sind Mittel gegen Hämorrhoiden oder Intimpflegeprodukte gefragt.

So ganz kampflos wollen außerdem die Standesvertreter den Digitalen den Markt auch nicht überlassen. Im April soll das Portal apodirekt.at starten, das unter dem Dach des Apothekerverbandes entwickelt wurde. Auf der Seite kann man Medikamente online bestellen - muss sie dann aber physisch abholen. Eine zahnlose Strategie: In anderen E-Commerce-Bereichen sind solche Hybridkonzepte in der Regel gefloppt.

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