Österreichs beste Privatkliniken, Teil III: Ordensspitäler

Österreichs beste Privatkliniken, Teil III: Ordensspitäler

Pater Erhard Rauch, volles Haar, tritt leger im dunklen Wollpullover auf, ist seit dem Vorjahr Leiter der Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Ordensspitäler. Rauch, 62, vertritt damit 30 Kliniken, die rund 20 Prozent der heimischen Krankenhausleistungen erbringen. Jeder fünfte heimische Patient wird in einem Ordensspital betreut. Dementsprechend fordert der Mann aus dem Orden der Salvatorianer, gebürtiger Niederösterreicher, auch Mitspracherecht bei der laufenden Gesundheitsreform: "Dort, wo Gesundheit angeboten wird, sollten alle gefragt werden, wir können viel Know-how in der Spitzenmedizin einbringen - und vor allem im wirtschaftlichen Bereich.“

Effizienz & Produktivität

Rauchs nachdrücklicher Standpunkt ist berechtigt und gründet sich auf herzeigbare Bilanzen. Ordensspitäler sind im Unterschied zu Privatkliniken als Akutkrankenhäuser geführt, bieten also im Prinzip die gleichen Leistungen wie öffentliche Spitäler und sind ebenfalls dem Auftrag der stationären Krankenversorgung verpflichtet. Laut einer Statistik des Instituts für höhere Studien (IHS) arbeiten sie jedoch deutlich kostengünstiger als die Öffentlichen. Der Vergleich von Schwerpunkt- und Zentralkrankenanstalten zeigt, dass die von Orden im Schnitt um 14 bis 22 Prozent kosteneffizienter arbeiten - was auch vom Rechnungshof immer wieder lobend betont wird. Das liegt wohl auch daran, dass die privaten Träger Um- und Neubauten aus der eigenen Tasche finanzieren müssen.

Das gilt übrigens auch für das einzige private Akut-Krankenhaus, das nicht einem Orden gehört, sondern einer Familie. In Spittal/Drau führt Andrea Samonigg-Mahrer das A. ö. Krankenhaus in dritter Generation. Beschäftigt werden 450 Mitarbeiter. Die in Kärnten besonders hohen Durchschnittskosten werden um 17 Prozent unterschritten.

Gearbeitet wird freilich auch in Ordensspitälern nicht um Gottes Lohn. Wie alle anderen werden die Anstalten aus den Krankenhausfonds der Länder nach einem bestimmten Schlüssel (LKF-Punkte) bezahlt. Der große Unterschied: Sind die Kosten höher, gibt es für öffentliche Krankenhäuser ohne große Diskussion einen Abgangsausgleich aus Steuermitteln - nicht unbedingt förderlich für die Sparsamkeit. Die Orden müssen darum verhandeln und "betteln“. Pater Rauch wünscht sich daher klare Regeln, so wie für alle anderen, "schließlich bieten wir auch Spitzenmedizin in unseren Spitälern“.

Spitzenmedizin für alle

Noch dazu werden in einigen Krankenhäusern auch jene versorgt, die sich ohne jede Versicherung durchschlagen müssen. Der christliche Auftrag wird ernst genommen. In Wien sind etwa die Barmherzigen Brüder öfter eine Anlaufstelle für die Ärmsten. Es ist auch die Klinik, die österreichweit die meisten Eingriffe am Auge durchführt und deren Spezialisten auf diesem Gebiet den besten Ruf genießen. Der Ophthalmologe Michael Amon führt beispielsweise mit seinem Team mehr als 8.400 Augenoperationen durch. Das betrifft Katarakt-Operationen (grauer Star), Glaukom (grüner Star), Netzhaut- und Hornhauttransplantationen.

Ein weiteres Beispiel für Spitzenmedizin liefert Friedrich Hoppichler, Internist und Ärztlicher Leiter der Barmherzigen Brüder in Salzburg, der im Bundesland die größte Abteilung für die Volkskrankheiten Diabetes und Adipositas schuf und sich mit Programmen intensiv für die Prävention einsetzt.

In Linz kümmert sich Christian Lampl bei den Barmherzigen Schwestern (Bild) als Neurologe um Schmerzpatienten und hat sich bei der Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne einen Ruf als Top-Spezialist erworben. Sein Kollege Wolfgang Loidl, Urologe, ebenfalls bei den Barmherzigen Schwestern in Linz, sorgt für Fortschritte in der Behandlung von Prostatakarzinomen. Der Urologe operiert mit dem Einsatz von robotergesteuerter Hightech. Vorteil: weniger Komplikationen, schnellere Heilung.

Zum Kreis der Kapazitäten zählt auch der Orthopäde Klemens Trieb, der am Klinikum Wels-Grieskirchen an Innovationen arbeitet und "in mehrjähriger Entwicklungsarbeit gemeinsam mit Kollegen aus ganz Europa eine neue Generation von Endoprothesen entwickelte“, die deutlich länger halten (siehe Top-Ärzte).

Strukturreform

Spitzenmedizin kostet Geld. Es müssen teure medizinisch-technische Geräte angeschafft werden. Millionen fließen in den Ausbau der bildgebenden Diagnostik, etwa für Computertomografen (CT) und MR-Apparate. Die sparsamen Ordensleute haben früher als im öffentlichen Bereich mit Strukturreformen begonnen. Die beiden Big Player innerhalb der Ordensspitäler, die Vinzenz Gruppe mit sieben Häusern und die Barmherzigen Brüder mit acht Kliniken, sind gute Beispiele. In der Vinzenz Gruppe, einer Art Holding über die Häuser der Barmherzigen Schwestern und weitere im Lauf der Jahre übernommene Spitäler, haben längst Profi-Manager die Führung übernommen. Vinzenz-Vorstandsvorsitzender Michael Heinisch ist zum Beispiel dabei, jedes Spital der Gruppe mit einer bestimmten Spezialisierung zu positionieren, um noch kosteneffizienter zu werden.

So wird der früher auch auf Geburten ausgerichtete Göttliche Heiland in Wien-Dornbach jetzt als Akutspital für Geriatrie mit Schlaganfall- und Palliativstation eingerichtet, unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung. Die Geburtenfälle wandern stattdessen ins Wiener St. Josef Krankenhaus, das schon darauf spezialisiert war. Das Herz-Jesu-Spital wiederum wird zur Klinik für Rheumatologie, Orthopädie und Schlafmedizin ausgebaut. Konzentriert werden auch Beschaffung und Verwaltung, was bei der Vinzenz Gruppe etwa zu einer Zentralstelle für die Sterilisation von OP-Besteck führte.

Wertesystem

Trotz der wirtschaftlichen Ausrichtung gehört ihre Verbundenheit mit christlichen Werten nach wie vor zu den Besonderheiten der Ordensspitäler. Zwar reduzierte sich im Laufe der Zeit die Anzahl geistlicher Schwestern, sie sind heute eine seltene Ausnahme im überwiegend weltlichen Personal. Die Zufriedenheit über die Patientenbetreuung ergibt dennoch immer wieder hohe Werte bei Umfragen.

So erhob das Meinungsforschungsinstitut Karmasin, dass 85 Prozent der Befragten mit der Betreuung "sehr zufrieden“ waren, im Vergleich zu 77 Prozent in öffentlichen Anstalten. Auch Ärzte wie Michael Amon von den Barmherzigen Brüdern, der lange an der MedUni Wien tätig war, merkt die Unterschiede: "Die Zuwendung zu den Patienten ist eindeutig anders und auch die Wertehaltung unter den Mitarbeitern.“

TABELLE: Die besten Spezialisten in ihrem Fachgebiet, die Ärzte mit der größten Erfahrung

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