Österreichs beste Privatkliniken, Teil II: Die Bundesländer

Österreichs beste Privatkliniken, Teil II: Die Bundesländer

Es war keine bedrohliche Verletzung, allerdings waren die Umstände pikant. Ausgerechnet an einer Champagnerflasche hatte sich Lindsey Vonn am Daumen so erheblich verletzt, dass sie die Privatklinik Hochrum bei Innsbruck aufsuchen musste. Dort wartete schon Christian Fink auf den Star des amerikanischen Skirennteams. Der international gefragte Unfallchirurg und Sporttraumatologe kümmerte sich höchstpersönlich um die prominente Patientin. Auch bei Lindseys jüngstem Rennunfall bei der WM in Schladming, der eine schwere Knieverletzung nach sich zog, war Fink, Spezialist für Bänderrisse, zur Stelle.

Konkurrentin Marlies Schild ließ sich vor zwei Monaten - nach einem schweren Sturz - im Sanatorium Kettenbrücke in Innsbruck behandeln. Denn die beiden Tiroler Privatkliniken und ihre Ärzte haben sich bei der Behandlung von Gelenksverletzungen einen ausgezeichneten Ruf erworben.

Immer mehr Privatklientel

Nicht nur Spitzensportler verlangen im Ernstfall nach dem besten Arzt und dem besten Behandlungsumfeld. Im letzten Jahr legten sich bundesweit 90.000 Patienten in die rund 30 Privatspitäler in Österreich. Krankenversicherer wie der Marktführer Uniqa verzeichnen steigende Abschlusszahlen für Spitalszusatzversicherungen, die freie Arzt- und Krankenhauswahl versprechen. Dafür werden Monatsprämien zwischen 80 und 110 Euro (mit Selbstbehalt) in Kauf genommen. Die Gründe dafür sind die gestiegenen Ansprüche. Patienten sind heute informierter über ihre Krankheitsbilder als früher, kritischer gegenüber Ärzten, und sie wollen auf Komfort auch im Klinikzimmer nicht verzichten. Nach letzten Umfragen werden zunehmend Einzelzimmer nachgefragt.

Bundesländer-Kliniken ziehen nach

Die Veränderungen im Kundenverhalten wurden von den privaten Klinikbetreibern aufmerksam registriert. In Wien führte das in den letzten Jahren zu einer regen Bautätigkeit und Investments von rund 150 Millionen Euro. Die Bundesländer halten da mit. Privatkliniken in Kärnten, der Steiermark, Salzburg, Tirol und Oberösterreich investieren ebenfalls kräftig. Die Humanomed Gruppe in Kärnten etwa hat ein ehrgeiziges Projekt in Klagenfurt verwirklicht. Dort wurde das Sanatorium Maria Hilf mit einem Aufwand von 31 Millionen Euro "zu einer topmodernen Privatklinik umgebaut“, sagt Geschäftsführer Werner Hörner. Maria Hilf ist spezialisiert auf Orthopädie und Unfallchirurgie und soll jetzt "zur Leitklinik für den Bewegungs- und Stützapparat im ganzen Alpe-Adria-Raum“ werden, so das ehrgeizige Ziel.

Auch Julian Hadschieff, Chef der PremiQaMed Gruppe und mit Kliniken in Wien sowie in Graz und Salzburg der Marktführer in Österreich, setzt auf Expansion. Während den Mitbewerbern aufgrund bestehender Althäuser nur Zu- und Umbauten möglich sind, zog Hadschieff im Jahr 2000 in Graz Ragnitz auf der grünen Wiese einen modernen Neubau (Bild) hoch und errichtete damit eine der schönsten Privatkliniken in den Bundesländern. Jetzt soll auch die in die Jahre gekommene PremiQaMed-Klinik Wehrle in Salzburg für fünf Millionen Euro auf Vordermann gebracht werden. Um mit dem medizinischen Standard Schritt zu halten, sind die Privaten gezwungen, erhebliche Mittel in die Ausstattung von Operationssälen und das medizinisch-technische Equipment zu investieren. Geworben wird außerdem mit zusätzlichen Komfort-Einrichtungen wie Schwimmbädern und Thermenbenützung - etwa in Salzburg oder in bester Höhenluft in Tirol.

Das Belegärzte-System

Eine Klinik ist so gut wie ihre Ärzte, heißt es. Im ärztlichen Bereich geben daher Fallzahlen einigermaßen Aufschluss über medizinische Höchstleistungen: Übung macht den Meister. Gert Schippingen, Unfallchirurg in der Klinik Graz Ragnitz, operiert pro Jahr an die 400-mal an Knie und Schultern. Sein Kollege, Gefäßspezialist Michael Hessinger, kommt auf 250 Venen, Arterien und Aortenaneurysmen. Wer wie Christian Fuchs in Hochrum als Prothetik-und Bänderspezialist jährlich 400 Eingriffe durchführt, kann schon darauf pochen, über genügend Erfahrung in seinem Bereich zu verfügen. Mit der Güte und Qualität ihrer Ärzte wirbt auch die Diakonie in Salzburg: Thomas Speil war Pionier auf dem Gebiet der minimal-invasiven Chirurgie, und Raimund Weitgasser gilt als Kapazität auf dem Gebiet des Diabetes.

Privatversicherte Patienten können unter solchen Top-Ärzten ihre Wahl treffen. Dabei gibt es allerdings Unterschiede. Wiener Ärzte, die in öffentlichen Spitälern arbeiten, können ihre Privatpatienten auch in Privatkliniken ihrer Wahl unterbringen. In den Bundesländern besteht für angestellte Spitalsärzte praktisch ein Berufsverbot für Privatkliniken, nur in Ausnahmefällen wird eine Genehmigung erteilt. Die Emco-Klinik in Salzburg beschäftigt beispielsweise nur angestellte Ärzte. "Unter unseren 22 Fachärzten kann man eine Auswahl treffen, aber keinen Belegarzt mitbringen“, sagt Emco-Geschäftsführer Thomas Kreuz. Die freie Arztwahl ist daher in den Bundesländern nicht ganz so frei wie in Wien. Die Einschränkung führt dazu, dass die Anzahl von angestellten Ärzten in den Länderkliniken größer und jene von Belegärzten kleiner ist - was in einem anderen Bereich durchaus ein Vorteil sein kann.

Diskussion um Sicherheit

Nämlich, wenn es um die Sicherheit geht. Ein Thema, das jüngst die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz aufgegriffen hat, indem sie vor Risiken in Privatkliniken warnte. Dort gebe es für den Notfall kaum intensivmedizinische Betreuung, und durch das Belegärztesystem, wo der Arzt erst verständigt werden muss, würden Behandlungsverzögerungen eintreten, die mit Folgeschäden enden können. Mit größeren Pools an Stammärzten sieht man sich am Land solchen Gefahren weniger ausgesetzt. Belegärzte sind in der Regel aus dem niedergelassenen Bereich und daher gut erreichbar.

Im Intensivbereich gibt es tatsächlich größeren Nachholbedarf. Nur wenige Kliniken, etwa die Diakonissen-Kliniken in Linz und Salzburg, verfügen über Intensivstationen. Einige andere haben bereits mit sogenannten "Intermediate Care Units“ (IMCU) aufgerüstet (Intensiv Gruppe 1, ohne Beatmung) oder planen sie. "Ein gutes Anästhesie-Team ist für die Sicherheit des Patienten das Entscheidende“, weiß Unfallchirurg Christian Fink.

Tirols Vorzeigeklinik Hochrum verfügt bereits über eine IMCU und war die erste österreichische Privatklinik mit volldigitalen Operationssälen - die in der Winterzeit mit zahlreichen Skiopfern auch voll ausgelastet sind.

TABELLE: Die besten Privatkliniken in den Bundesländern, ihre Spezialisierungen und Fallzahlen

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