Mumps, Masern und Röteln wieder auf dem Vormarsch

Mumps, Masern und Röteln wieder auf dem Vormarsch

Österreich und Europa haben nach wie vor ein heftiges Problem mit den potenziell gefährlichen Masern. Innerhalb von zwölf Jahren gab es in Österreich allein rund 10.000 Erkrankungen sowie 16 Todesfälle bei Kindern. Deshalb startet das Gesundheitsministerium jetzt eine Impfkampagne.

Masern, Mumps und Röteln: Diese drei Viruserkrankungen sind laut Fachleuten keinesfalls "harmlose Kinderkrankheiten". Mit MMR-Vakzinen können sie zuverlässig verhütet werden. Die Masern könnten bei einem Durchimpfungsgrad von 95 Prozent der Bevölkerung mit zwei Teilimpfungen ausgerottet werden. Doch Österreich und Europa sind bisher daran gescheitert.

Masern: In 20 Prozent der Fälle kommt es zu Komplikationen

Es handelt sich hier um eine hochinfektiöse, virale Infektionskrankheit. Die Masernviren werden direkt oder durch Tröpfcheninfektion übertragen und führen nach einer Inkubationszeit von acht bis zwölf Tagen zu ersten Symptomen (Fieber, Rhinitis, Bindehautentzündungen etc.), danach zum Auftreten eines typischen Hautausschlages. In 20 Prozent der Fälle kommt es zu Komplikationen wie Mittelohrentzündung oder Pneumonie. Bei ein bis zwei pro tausend Fällen kommt es zu einer Gehirnentzündung (Enzephalitis). 25 Prozent der Betroffenen sterben daran, ein Drittel der Überlebenden haben bleibende Schäden. Auch in Österreich sind immer wieder Fälle der tödlich verlaufenden und unbehandelbaren subakut sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE - langsam fortschreitende Entzündung des gesamten Gehirns; statistisch bei einem von 5.000 bis 10.000 Masernfällen) aufgetreten.

Impfkampagne: "Masern sind kein Kinderspiel"

Das Auftreten von Masern in den vergangenen Jahren hat deutlich zugenommen. Im Jahr 2010 wurde ein Masernvirusstamm von England nach Hamburg (273 Fälle) und dann über eine einzige infizierte Person nach Bulgarien verschleppt und führte dort zu einer Epidemie mit mehr als 23.500 Erkrankungen und 24 Todesfällen. Dieser Virusstamm zirkulierte mehr als 27 Monate in Europa und führte zu mehr als 25.000 Fällen bzw. Ausbrüchen in zwölf Ländern. Weltweit starben 2008 noch immer 164.000 Kinder durch Masern.

Mumps: Gehirnhautentzündung kann die Folge sein

Auch Mumps ist keine zu vernachlässigende Kinderkrankheit. Genauso wie bei Masern drohen schwere Komplikationen. Es handelt sich um eine hochinfektiöse Viruserkrankung, die meist über Tröpfchen übertragen wird. In 70 Prozent der Fälle tritt als charakteristisches Symptom eine Schwellung der Ohrspeicheldrüsen am Hals auf. Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich 18 Tage.

Die Komplikationen nehmen mit dem Lebensalter des Erkrankten zu. In fünf bis zehn Prozent der Fälle ist das Zentralnervensystem (Gehirn, Rückenmark) ebenfalls betroffen. Davon entfallen 90 Prozent auf eine Gehirnhautentzündung (mit Fieber, Kopfschmerz, Erbrechen), zehn Prozent auf eine Gehirnentzündung. Bis zu vier Prozent der Patienten entwickeln eine Entzündung des Hörnervs, die als Spätfolge zur Taubheit führen kann. Vor der Einführung des Mumpsimpfstoffes war Mumps eine der häufigsten Ursachen von Taubheit.

Während und nach der Pubertät kommt es bei Burschen zu zehn bis 30 Prozent zu einer Hodenentzündung mit zum Teil bleibender Unfruchtbarkeit. Im Jahr 2006 sind in Österreich 214 Fälle von Mumps - vorwiegend in der Altersgruppe von 15 bis 30 Jahren - aufgetreten. Dabei wurden in 36 Fällen Komplikationen wie Meningitis, Hodenentzündung und/oder Bauchspeicheldrüsenentzündung beobachtet. Vor allem bei den 15- bis 30-Jährigen sollte der Impfschutz überprüft werden.

Röteln

Bei den Röteln handelt es sich ebenfalls um eine hochansteckende Virusinfektion, die gleichermaßen durch Tröpfchen übertragen wird. Tückisch: Die Krankheit verläuft bei der Hälfte der Kinder ohne Symptome, ebenso bei 30 Prozent der Erwachsenen. Trotzdem können diese Personen Überträger sein. Die Inkubationszeit beträgt 14 bis 21 Tage. Die größte Gefahr: Bei Rötelninfektionen bis zur 17. Schwangerschaftswoche kann es zu schweren Schäden beim Embryo kommen (mit Taubheit, Katarakt, Herzfehlern und anderen Organdefekten). Früher wurden daher 13-jährige Mädchen gegen Röteln geimpft. Durch die Rötelnimpfung beider Geschlechter als Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR) soll die Zirkulation des Rötelnvirus weiter zurückgedrängt werden, um das Fehlbildungsrisiko auch bei Kindern von nicht immunen Frauen weiter zu reduzieren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wollte in ihrer Region Europa mit 52 Mitgliedsstaaten die Röteln schon bis zum Jahr 2010 ausrotten. In Österreich glaubte man sich bis zum Jahr 2009 auf Grund der damals äußerst geringen Fallzahl der vergangenen Jahre diesem Ziel bereits sehr nah. 2009 jedoch kam es mit 365 Infektionen zu einem starken Anstieg der Rötelnfälle, von denen 355 auf einen Rötelnausbruch (vor allem in der Steiermark und im Burgenland) zurückzuführen waren. Von diesem Ausbruch warenvor allem 15- bis 19-Jährige am meisten betroffen. Das zeigt deutlich, dass die Durchimpfungsrate in dieser Altersgruppe viel zu gering ist.

Schutz durch Impfung

Die Situation in Österreich ist in diesem Zusammenhang längst nicht optimal. Laut der österreichischen Impfstatistik liegt die Durchimpfungsrate bei den zweijährigen Kindern zwischen 84 und 100 Prozent für die Impfung mit einer Dosis des MMR-Impfstoffs (MMR1) und zwischen 63 und 81 Prozent für die zwei erforderlichen Dosen (MMR2). Damit ist eine für die Ausrottung der Erkrankung erforderliche Durchimpfungsrate von 95 Prozent für die beiden Impfungen bei weitem nicht erreicht.

Gratiskinderimpfprogramm

In Österreich ist die Dreifach-Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) im Gratiskinderimpfprogramm enthalten. Es wird die Gabe von zwei Dosen MMR-Impfstoff ab dem 11. Lebensmonat empfohlen. Die zweite Teilimpfung sollte möglichst bald, frühestens jedoch vier Wochen nach der ersten Teilimpfung erfolgen. Fehlende MMR-Impfungen können in jedem Lebensalter nachgeholt werden.

Bei Erwachsenen sollte eine fehlende Immunität (Bluttest auf Antikörper) oder eine nicht vorhandene Dokumentation der MMR-Impfung (Impfpass, App) zum Nachholen der Immunisierung führen - wie bei Kindern mit zwei Dosen der Vakzine. Das gilt auch für Jugendliche. Derzeit ist diese Impfung in Österreich auf Grund der starken Masernvirusaktivität in Europa bis zu einem Alter von 45 Jahren über die Gesundheitsbehörden kostenfrei erhältlich.

Besonders wichtig ist die MMR-Impfung bei Frauen im gebärfähigen Alter - vor einer geplanten Schwangerschaft soll der Immunstatus überprüft werden. Allerdings sollten Frauen im gebärfähigen Alter ein Monat vor bis ein Monat nach der Impfung nicht schwanger werden. Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Tritt der Fall einer Schwangerschaft kurz nach erfolgter Impfung ein, ist das kein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch.

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