Mornin' Glory: Traumhafte Margen mit sauberen Schnitten

Start-ups mit Nassrasierer-Abos sprießen wie Bartstoppeln. Sie wollen den etablierten Markenherstellern Marktanteile abnehmen.

Mornin' Glory: Traumhafte Margen mit sauberen Schnitten

Immer freitags kam Post, darauf konnte Nicolas Stötter zählen. Post vom Anwalt, die ihm ebenso verlässlich das Wochenende versauen sollte. Über Monate hinweg wurde der Berliner Jungunternehmer mit Abmahnungen eingedeckt. "Das Letzte, worüber man als frischgebackener Gründer nachdenkt, sind juristisch 100 Prozent wasserdichte Werbesager", sagt er. Doch genau das mahnte der Gegner ein, wieder und wieder - bis man sich außergerichtlich einigte.

Stötter und sein Partner Fabio Paltenghi hatten sich einen mächtigen Gegner ausgesucht, den Weltfür Rasierklingen, Gillette, der seit 2005 zu Procter & Gamble gehört. Der Konzern dominiert mit dem zweiten großen Anbieter, Wilkinson Sword, den Markt der Nassrasierer - mit bis zu 80 Prozent. Zwischen 20 und 45 Euro kostet ein Achterset Markenklingen. Ein stolzer Preis für ein auf den ersten Blick profanes Produkt aus Feinstahl, vertrieben über den Handel, der die Klingen oft nur mehr persönlich an der Kassa aushändigt, weil sie in der Klau-Hitparade ganz oben stehen. "Jeder Mann braucht sie, aber der Kauf ist eine echte Anti-Erfahrung", sagt Stötter, "und das Musterbeispiel für einen Lock-in-Effekt."

Wer einmal den Griff des Rasierers gekauft hat, bleibt der Marke treu. Dass das auch anders geht, wollen Stötter und Paltenghi mit ihrem Start-up Mornin' Glory beweisen. Sie liefern die Klingen versandfrei nach Hause und versprechen eine saubere Rasur, die im Monat maximal neun Euro für vier Klingen kostet.

Heiße Aktie

Nach Tourismus-und Taxibranche hebt die Gründerszene nun an, das Geschäft mit der Nassrasur aus den Angeln zu heben. Allein in den USA wanderten in den letzten zwei Jahren 170 Millionen Dollar Risikokapital an einschlägige Firmen, die wie die Bartstoppeln sprießen. Doch so einfach, wie sich Stötter den Einstieg vorstellte, war der nicht. Die Businesspläne waren im Kasten, der Onlineshop fertig programmiert, "aber der Klingenlieferant hatte noch nicht unterschrieben". Die Herstellersuche war extrem schwierig. Stötter: "Rasierklingenhersteller kann man an einer Hand abzählen. Die meisten kamen aber aus Qualitätsgründen gar nicht erst infrage. Und die wenigen, die verblieben, zeigten anfangs wenig Interesse, neue Partner unter Vertrag zu nehmen." Stötter präsentierte sich eine abgeschottete Industrie, "die es gewohnt ist, mit großen stationären Einzelhandelsketten nationale Deals zu verhandeln". Ein europäischer Online-Player passte da anfangs nicht ins Konzept. Nach monatelangen Verhandlungen war der Lieferant dann doch gefunden. Das Senioritätsprinzip kam dem Start-up hier zupass: Stötters Partner Paltenghi, 52, konnte als ehemaliger UBS-Banker seine lange Erfahrung in den Verhandlungspoker einbringen.

Kennengelernt hatten sich der Banker und der junge Unternehmensberater in Berlin, wo das Start-up mit 15 Mitarbeitern residiert und Kunden in ganz Europa beliefert, schwerpunktmäßig noch in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Die nächste Finanzierungsrunde ist bereits geplant und soll einen siebenstelligen Betrag einspielen. Stötter und Paltenghi wollen sich mittelfristig auch nicht auf den Klingenversand beschränken - rund um die Marke soll eine komplette Männerpflegelinie entstehen. In Italien lässt man Pflegeprodukte mit natürlichen Inhaltsstoffen produzieren. Für die Vermarktung holte man Werber, die früher in Diensten von Gillette waren.


Verdrängungswettbewerb: Den Nassrasurmarkt haben die beiden Großen unter sich aufgeteilt - bis jetzt.

Sie positionieren die Marke als Mainstream-Alternative für den qualitätsund preisbewussten Mann. "Deswegen haben wir uns auch für den pfiffi gen Namen entschieden und nennen uns nicht klingenbilliger.com", sagt Stötter. Wer des umgangsprachlichen Englisch mächtig ist, weiß, was er damit meint.

Die größte Hürde für das Rasierer-Start-up ist der ungewohnte Vertriebsweg, auf den "Mann" erst hingelotst werden muss. Weit über 90 Prozent der Systemklingen gehen über den stationären Handel. Stötter ist aber optimistisch: "In den USA funktioniert das Geschäft schon sehr gut, das ist nur eine Frage der Zeit bei uns." Die Margen für Gillette & Co sind sagenhaft, der Schnitt ist für einen Onlineanbieter wie Mornin' Glory noch immer "mehr als ausreichend", sagt Stötter. Mit dem Argument hatte Stötter dereinst auch die Zweifel seiner Mutter ausgeräumt, die ihn gefragt hatte, ob die Geschäftsidee echt sein Ernst sei.

Das Klingen-Abo

Vier Klingen kosten zwischen sechs und neun Euro, werden monatlich versandkostenfrei geliefert. Der Griff ist gratis. Das Abo kann den Gewohnheiten angepasst und auch einmal ausgesetzt werden, etwa im Urlaub. Mornin' Glory bietet in den kommenden Wochen selbst entwickelte Pflegeprodukte: Rasiercreme, Gel, Aftershave, Rasurbrandcreme: morninglory.at .

FORMAT-Testangebot

FORMAT.at bietet Ihnen die Möglichkeit, das Angebot von Mornin‘ Glory zu testen. Die ersten 50 Anmeldungen erhalten jeweils ein Mornin' Glory Testpaket (Rasiergriff und vier Klingen) unverbindlich und kostenlos nach Hause geliefert.
Schicken Sie dafür eine E-Mail mit Ihrem Namen und der Adresse, an die das Starter-Set geschickt werden soll an produkttest@vgn.at .

Innenminister Karl Nehammer, Vizekanzler Werner Kogler, Bundeskanzler Sebastian Kurz und Gesundheitsminister Rudolf Anschober bei ihrer Erklärung.

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