"Im Schadensfall haftet der Belegarzt, nicht die Klinik“

"Im Schadensfall haftet der Belegarzt, nicht die Klinik“

FORMAT: Sie gelten als eine der härtesten Kritikerinnen der Privatspitäler. Was stört Sie?

Sigrid Pilz: Man muss die spezifische Situation der Privatspitäler anschauen, sie sind nicht alle gleich gut ausgerüstet. Was sie aber eint, ist der Umstand, dass sich das Vertragsverhältnis zwischen Patient und Privatspital bzw. Belegarzt fundamental von der rechtlichen Situation in den öffentlichen Spitälern unterscheidet. Im medizinischen Schadensfall haftet in erster Linie der Belegarzt und nicht die Privatklinik. Im Falle einer Klage bekommen Privatpatienten kein Geld aus dem Entschädigungsfonds der Patientenanwaltschaft.

Wird sich das ändern?

Pilz: Ich kämpfe dafür. Patienten im öffentlichen Spital zahlen in diesen Fonds 0,73 Euro pro Tag ein. Sie werden dann in Fällen entschädigt, wo nicht oder kaum zu beweisen ist, ob Behandlungsfehler vorliegen. Wo niemand Schuld hat, aber für den Patienten eine fatale Situation entstanden ist. Aber prinzipiell ist die Tätigkeit und Beratung der Patientenanwaltschaft für alle da, auch für Privatpatienten.

Sie beklagen auch das Sicherheitsrisiko durch Belegärzte.

Pilz: Ja, es kann dadurch zu gefährlichen Behandlungsverzögerungen kommen. Niemand traut sich im Notfall, den Patienten zu behandeln. Man telefoniert nach dem Belegarzt, der aber eine längere Wegzeit vor sich haben kann - oder überhaupt nicht erreichbar ist.

Könnte das nicht auch in einem öffentlichen Spital passieren?

Pilz: Es gibt zwar auch den zuständigen Professor, Oberarzt, der einen Privatpatienten betreut, aber im Notfall gibt es vor Ort genügend fachliches Personal, das eingreift. Im Privatspital gibt es im Gegensatz dazu kaum eingespielte Teams.

Was kann man tun, um die Transparenz punkto Qualität in den Krankenhäusern zu verbessern?

Pilz: Subjektive Bewertungen wie etwa im Internet dürfen nicht herangezogen werden. Legitim ist es, die Sache mit Analyseinstrumenten anzuschauen: etwa Mortalitätsraten, Komplikations- und Infektionsraten. Unterschieden werden muss auch, um welchen Risikobereich es sich handelt. Auf internen oder geriatrischen Abteilungen gibt es naturgemäß mehr Todesfälle als auf einer Säuglingsstation. Wichtig ist es, Gleiches mit Gleichem zu vergleichen.

Wir sind auf diesem Gebiet 15 Jahre zurück, sagen Experten.

Pilz: Ja, international wird das schon so gehandhabt, etwa in den Helios Kliniken in Deutschland.

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