Großbanken sind Gefahr für US-Finanzgesundheit

Großbanken sind Gefahr für US-Finanzgesundheit

Die Debatte, ob die größten US- Banken zu groß sind, gewinnt an Schärfe. Seit der Finanzkrise von 2008 herrscht bei einigen Analysten und Ökonomen die Meinung vor, dass gewisse US-Institute zu groß sind, um Pleite zu gehen. Das würde bedeuten, dass sie bei einer weiteren Katastrophe gerettet werden müssten, um das Finanzsystem zu schützen.

Angesichts der jüngsten Handelsverluste bei JPMorgan Chase & Co. und Geldwäsche-Skandalen bei den europäischen Banken HSBC Holdings Plc und Standard Chartered Plc fragen sich Insider in der Finanzbranche jedoch, ob diese komplexen Organisationen nicht zu groß sind, um kontrolliert geführt zu werden.

Die anhaltende Abwärtsspirale in Europa wirft ähnliche Fragen auf: Sind einige Banken zu groß, um gerettet zu werden? Und würde ihr Zusammenbruch die Euroraum-Krise drastisch verschlimmern - wie in Irland im Herbst 2008 geschehen und jetzt in Spanien und Griechenland?

Die Kritiker haben in den letzten Wochen offenbar mehr Anhänger gewonnen, denn die Verteidiger der Großbanken fangen an, zurückzuschlagen. William B. Harrison Jr., der frühere Vorsitzende von JPMorgan, und Wayne Abernathy, Executive Vice President des amerikanischen Bankenverbands ABA, haben beide in Leitartikeln Argumente gegen eine Zerschlagung der Banken vorgebracht. Der Financial Services Roundtable, eine Lobby- Gruppe der Großbanken, hat in zwei E-Mails insistiert, dass die Argumente der Kritiker lediglich auf Mythen beruhen.

Die Befürworter großer Banken führen drei Hauptgründe für die Größe der Banken an. Keiner davon ist allerdings angesichts der Tatsachenlage überzeugend.

Erstens, argumentiert Harrison, war das Größenwachstum der Banken in den letzten Jahrzehnten rein vom Markt getrieben und es waren - oder sind - keine staatlichen Subventionen involviert. Er verschweigt dabei, dass dieses Wachstum eher ein jüngeres Phänomen ist.

1995 entsprach die Bilanzsumme der sechs großen US-Banken - JPMorgan, Bank of America Corp., Citigroup Inc., Wells Fargo & Co., Goldman Sachs Group Inc. und Morgan Stanley - nur 17 Prozent vom US-Bruttoinlandsprodukt. Heute sind sie sehr viel größer, die Bilanzsumme der sechs Großen entspricht 60 Prozent vom BIP.

Harrison und andere sagen, das Wachstum der Banken sei durch die Bedürfnisse des internationalen Handels allgemein und die besonderen Anforderungen großer, globaler Unternehmenskunden angeschoben worden. Bei Gesprächen mit Führungskräften von multinationalen Konzernen betonen diese jedoch die Notwendigkeit, Finanzdienstleistungen von einer Reihe von Anbietern zu erwerben. Die Entwicklung seit 1995 hatte weniger mit dem weltweiten Handel als mit der Deregulierung zu tun, die zu intensiver Lobbyarbeit von mächtigen Finanzgrößen wie Sanford Weill, dem früheren Vorstandsvorsitzenden der Citigroup, führte.

Glaubt außerdem irgendjemand ernsthaft, dass eine Regierung einen Konkurs wie den von Lehman erneut zulassen würde? Lehman Brothers Holdings Inc. hatte beim Zusammenbruch eine Bilanzsumme von etwa 640 Mrd. Dollar, Bear Stearns Cos. war auf ihrem Höhepunkt etwas kleiner. Alle sechs großen US-Banken sind derzeit größer als jede der beiden Investmentbanken bei ihrem Bankrott.

Aufgrund dieses impliziten Schutzes können sich Banken, die als zu groß für einen Zusammenbruch gelten, Geld etwa 50 Basispunkte billiger leihen als andere Finanzinstitute, hinter denen der Staat effektiv nicht steht.

Je größer diese gestützten Institute werden, desto wahrscheinlicher werden sie in Krisenzeiten staatliche Hilfen erhalten. Implizite staatliche Stützen nehmen zu, wenn die Systemrelevanz einer Bank steigt.

Im Kern werden dabei, wenn es gut läuft, die Vorteile privatisiert, während die Kosten sozialisiert werden, wenn die Dinge schief laufen. Niemand hat messbare Kosten- oder Größenvorteile für Banken mit einer Bilanzsumme von mehr als 100 Mrd. Dollar feststellen können. Dennoch kommen vier der sechs großen US-Institute auf eine Bilanzsumme von mehr als einer Billion Dollar. Weltweite Megabanken sind ein riesiges, intransparentes und gefährliches Programm staatlicher Unterstützung geworden.

Zweitens behauptet der Financial Services Roundtable kühn, dass die USA nicht die größten Banken weltweit habe. Aber das stimmt nicht, wenn der Vergleich richtig durchgeführt wird. Verschiedene Nicht-US-Banken bilanzieren gemäß den internationalen Rechnungslegungsvorschriften, die keine so starke “Saldierung” von Derivatepositionen erlauben wie die US-Bilanzregeln. Nach internationalen Bilanzierungsstandards wären JPMorgan und Bank of America die größten Banken weltweit und um mindestens 50 Prozent größer als die nächstgrößten Konkurrenten außerhalb der USA.

Drittens verweist die Lobby-Gruppe darauf, dass auf die Banken anderer Länder ein größerer Anteil der Volkswirtschaft entfällt als in den USA. Das stimmt, aber in diesem Zusammenhang sollte an die Probleme erinnert werden, die einige europäische Länder hatten, weil ihre Banken zu hohe Risiken eingegangen waren: Die isländische Wirtschaft ist zusammengebrochen und brauchte eine internationale Rettungsaktion. Irland rettete seine Banken, aber das darauffolgende Finanzdesaster machte eine internationale Hilfsaktion für das Land nötig. Spanien, das sich derzeit in einer Abwärtsspirale befindet, hat Hilfen für seine Banken beantragt.

Große Finanzinstitute in Ländern wie Griechenland, Italien und Frankreich sind ein Systemrisiko für ihre Regierungen - und vielleicht auch für den Euroraum.

Glauben Sie wirklich, dass große Banken in Japan oder Deutschland gut geführt wurden? Schauen Sie sich das Engagement von deutschen Banken bei Staatsanleihen angeschlagener Euroraum- Länder an. Selbst die Schweiz, die manchmal mit mächtigen Bankern assoziiert wird, versucht ihre größten Banken, die UBS AG und Credit Suisse Group AG, dazu bringen, Geschäft zurückzufahren und die Risiken, das sie für den Schweizer Steuerzahler darstellen, zu senken.

Keines dieser Länder bietet ein attraktives Modell für die USA, die sich in die andere Richtung bewegen und die jüngsten Volumenzuwächse bei den Banken wieder rückgängig machen sollten. Die USA sollten die größten Banken klein und einfach genug machen, so dass sie ohne Interventionen der Regierungen oder Notenbanken Pleite gehen können. Die staatliche Unterstützung sollte jetzt enden.

Der Autor Simon Johnson ist Professor an der MIT Sloan School of Management sowie am Peterson Institute for International Economics tätig. Er ist Co-Autor von “White House Burning: The Founding Fathers, Our National Debt, and Why It Matters to You.” Die hier dargelegten Meinungen sind seine eigenen.

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