Gesundheitsrisiko Bildschirm: Was Sie tun können

Gesundheitsrisiko Bildschirm: Was Sie tun können
Gesundheitsrisiko Bildschirm: Was Sie tun können

Arbeiten am Bildschirm: Auch die Augen brauchen einmal Pause.

Augen, die brennen und schmerzen, Kopfschmerzen und Müdigkeit? Diese Symptome können vom zu hellen und bläulichen Licht, das von Bildschirmen ausgeht, stammen. Die Gefahr für die Netzhaut der Augen wird häufig unterschätzt. Peter Heilig erklärt, warum mehr Licht nicht besser Sehen bedeutet und auf was sich die Generation Smartphone gefasst machen muss.

Seit gut 100 Jahren erhellen wir Menschen unsere Wohnräume und Arbeitsplätze mit elektrischem Licht. Am Arbeitsplatz sind die meisten Menschen künstlichem Licht, Computerbildschirmen und Handys ausgesetzt. Die Freizeit verbringen wir mit Fernsehen, Spielen am Laptop, Zeitunglesen am Tablet-Computer und dem Surfen am Smartphone.

Der Blick in die vertrauten Geräte ist dabei immer ein Blick in eine Lichtquelle. Flachbildschirme und HD bieten immer härtere Kontraste und blenden die Augen dementsprechend. LED-Fernseher strahlen ein Flackerlicht aus, das einen großen Blauanteil im Farbspektrum enthält. "Beim Betrachten einer Sonnenfinsternis, ohne ausreichendem Lichtschutz, genügen Augenblicke für einen Netzhautschaden; beim Blick in zu helle, künstliche Lichtquellen summieren sich phototoxische Effekte zur Erzeugung langfristiger Schäden", sagt Augenarzt Peter Heilig. Grelles Licht mit hohem Blauanteil, wie in Scheinwerfern und Bildschirmen verbessert nicht das Sehergebnis. Im Gegenteil. "Das Bild wird unscharf, da es keine blauen Zapfen in der Netzhautmitte gibt," erklärt Heilig.

Licht wird immer blauer

Paradoxerweise steigt der Blauanteil im künstlichen Licht immer mehr an. Abgesehen von den in der Automobilindustrie verwendeten Xenon-Leuchten und High Intensity LEDs, blenden mittlerweile sogar Radfahrerlampen mit einem intensiv blaulastigen Licht. Auch die Grundeinstellungen von Fernsehern, PCs, Laptops, Tablet-Computer und Smartphones sind tendenziell bläulich, obwohl es schon lange erwiesen ist, dass das kalte, bläuliche Licht nicht zu besserem zentralen Sehen führt. Gelbliche Filter erhöhen dagegen die Sehschärfe und den Kontrast.

"Die Industrie ist hier leider uneinsichtig, es gilt die Konkurrenz wortwörtlich in den Schatten zu stellen," kritisiert Peter Heilig, der sich schon Jahrzehnte für die Vermeidung von Lichtschäden engagiert. Noch greller, härter und auffälliger müsse das Auto leuchten und der Film am Bildschirm laufen. Die Langzeitfolgen für die Generation Smartphone sind eine erhöhte Gefahr der Makuladegeneration. Das sind Erkrankungen der Netzhaut, die mit einem allmählichen Funktionsverlust des Gewebes einhergehen und zu Erblindung führen können. Sie stehen direkt im Zusammenhang mit Lichtschäden. Erbliche Vorbelastung, Rauchen und Bluthochdruck sind neben Lichtschäden ebenfalls begünstigende Faktoren für die Erkrankung.

Beschwerden ernst nehmen

"Ähnlich einem Gelenk, das ständig überstreckt wird, gilt es Lichtschäden auf Dauer zu vermeiden. Schmerz ist ein wichtiger Indikator, um zu erkennen, dass das Licht zu hell eingestellt und zu bläulich ist und ich der Blendung schon zu lange ausgesetzt bin", erklärt Heilig. Wird andauernd in grelles, bläuliches Licht bei der Arbeit und in der Freizeit geblickt, bedeutet das für das Auge, auf Jahrzehnte gesehen, irreversible Schäden. Augen zusammenkneifen, den Blick oder gar den Kopf abwenden vom Bildschirm und Schmerzempfinden deuten auf eine verstärkte Lichtempfindlichkeit hin. Spätestens in diesem Moment gibt es Handlungsbedarf. Heilig: "Für die Industrie gilt, je mehr ein Bildschirm blendet, desto besser ist er - das ist für Mediziner völlig paradox."

So schützen Gelbfilter

Licht setzt sich aus einem Farbspektrum zusammen. Beim sichtbaren Licht ist nur das UV-Licht energiereicher als das baue Licht. Die gefährliche Wirkung der UV-Strahlung ist vom letzten Sonnenbrand bekannt. Mit Sonnencreme, Kopfbedeckung und Sonnenschirm kann man die Haut vor Schäden schützen. Die Gefahr von zu grellem blauen Licht ist da hingegen weniger bekannt. Dabei lässt sich das blaue Licht relativ leicht herausfiltern. Gelbliche Gläser können am Arbeitsplatz aufgesetzt werden, eine bräunliche Sonnenbrille beim Autofahren schützt vor Blendung.

Bei zu viel Blaulicht müssen die Einstellungen am elektronischen Gerät geändert werden. Die Helligkeit an dem Gerät muss herunter gedimmt, der Blauanteil in den Einstellungen reduziert und der Gelbanteil erhöht werden. Das Auge gewöhnt sich schon nach kurzer Zeit an den leicht gelblichen Ton. Die Arbeit mit Laptop und Co wird entspannter.

Besonders gut für die Augen ist der sogenannte Nachtlesemodus. Helle Schrift auf dunklem Grund bedeutet erheblich weniger Blendung.

"Nachtlesemodus" für iOS-Geräte

Wählen Sie Einstellungen, dann Allgemein und Bedienungshilfen. Wählen Sie ganz unten bei "Home-Dreifachklick" die Option "weiß auf schwarz". Wenn Sie nun Ihren Homebutton dreimal klicken, stellen Sie bei allen Anwendungen und Apps den Nachtmodus ein.

Drei hilfreiche Apps für Android

Darker : Mit der Gratis-App können Sie die Helligkeit Ihres Bildschirmes extrem herunter regulieren. Ein Farbfilter macht die Einstellung eines angenehm warmen Lichts möglich.

Blaulicht-Filter-Augenpflege passt die Bildschirmfarbe unkompliziert so an, dass Ihre Augen weniger belastet werden.

Twilight dimmt die Helligkeit Ihres Gerätes herunter und passt sich dabei automatisch den Tag- und Nachtzeiten Ihrer Zeitzone an. Auch die Farbtemperatur lässt sich mit der App einstellen.

Zur Person

Peter Heilig ist Professor an der Universität Wien, Facharzt für Augenheilkunde und Lichttechniker. Er forscht zu den Themen Verkehrs-Ophtalmologie, Licht-Technik, Prozesse der Wahrnehmung und prophylaktische Ophtalmologie. Sein besonderes Interesse gilt der Vermeidung von Lichtschäden.

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