Gesund per Handy: Startups hoffen auf den Durchbruch

Gesund per Handy: Startups hoffen auf den Durchbruch

Die App "Jourvie" soll Magersüchtigen und Fettleibigen bei ihrer Essstörung helfen.

Eine Musik-App gegen Ohrgeräusche, telemedizinische Anwendungen für Patienten mit Hautproblemen oder Online-Essprotokolle für Magersüchtige - im Gesundheitssektor schießen junge Unternehmen derzeit wie Pilze aus dem Boden. In Deutschland machen es die Krankenkassen den Startups schwer, das Beispiel mysugr aus Österreich zeigt, wie es auch anders gehen kann.

Viele gesetzliche Vorschriften, die Skepsis mancher Krankenkassen und hohe Entwicklungskosten machen es den Gründern in Deutschland etwa schwerer als zum Beispiel in den USA, auf dem Gesundheitsmarkt Fuß zu fassen. Doch Branchengrößen wie Bayer beäugen inzwischen mit wachsendem Interesse, wer sich in der bunten Szene mit ihren rund 200 Startups so alles tummelt.

"Vor allem in den letzten zwei, drei Monaten ist noch mal eine ganz neue Dynamik in den Markt gekommen", sagt Pablo Mentzinis, Experte für Gesundheitsanwendungen beim Verband der Computer-, Telekommunikations- und Internetwirtschaft Bitkom. Er sieht großen Bedarf an zukunftsweisender Technik für Gesunde wie für Kranke. Schließlich würden die Menschen immer älter und vor allem auf dem Land, wo die flächendeckende Versorgung mit Ärzten längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist, nehme der Bedarf sprunghaft zu. Hinzu kommt der wachsende Anteil an chronisch Kranken: Einer Studie der Techniker Krankenkasse zufolge werden Computer-Anwendungen (Apps) bei der Prävention und Versorgung
dieser Patienten einen festen Platz haben. Die mittlerweile hohe Verbreitung von Smartphones macht's möglich.

Hoffen auf den Durchbruch

Die Gesundheitsbranche ist mächtig in Bewegung: Die 25-jährige Ekaterina Karabasheva etwa, die mit ihrer App Jourvie Magersüchtigen und Fettleibigen helfen will, spricht gerade mit Krankenkassen über eine Zusammenarbeit. Auch Jörg Land, Gründer von Sonormed aus Hamburg, hofft auf den Durchbruch. Seine App Tinnitracks filtert die Frequenz, auf der Ohrgeräusche (Tinnitus) die Patienten quälen, aus der Lieblingsmusik der Betroffenen heraus. Die Idee scheint Potenzial zu haben: In den USA gewann Land zuletzt den Startup-Preis auf dem renommierten Technikfestival South by Southwest in Texas.

Für die deutschen Gesundheitsstartups sind bislang die USA das gelobte Land - und das in mehrfacher Hinsicht. In Übersee sitzen die meisten risikobereiten Geldgeber mit den tiefsten Geldtöpfen und die Menschen zwischen New York und San Francisco sind es gewohnt, für ihre Gesundheit Geld zu bezahlen. Der Markt boomt, fast hat sich eine Art Goldgräberstimmung breit gemacht: In den Vereinigten Staaten gingen im vergangenen Jahr so viele von Risikokapitalgebern finanzierte Gesundheits-Firmen an die Börse wie in den vergangenen drei Jahren zusammen nicht.

Ein Stück vom Kuchen

Ein Stück von diesem Kuchen abhaben will auch das Berliner Hautanalyse-Startup Klara - nicht zuletzt, weil die Vorgaben für Apps und Ärzte im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht so streng sind wie in Deutschland. Bei der App Klara werden mit dem Handy Fotos von Hautveränderungen gemacht und der Erkrankte holt sich gegen Gebühr eine ärztliche Beurteilung ein. Die deutschen Krankenkassen - das Nadelöhr zum Massenmarkt - blieben bislang skeptisch, vor allem aus Gründen des Datenschutzes, wie Jens Baas, der Chef der Techniker Krankenkasse, erklärt.

Dem Trend zu Gesundheitsanwendungen auf Handy und Computer will sich Baas allerdings keineswegs verweigern: "Die Zeit ist reif, die digitale Versorgung massiv voranzutreiben und wir sind bereit, unseren Teil dazu beizutragen." Noch gibt es allerdings nach Ansicht von gesetzlichen Krankenkassen und Bundesärztekammer zu wenige Daten, die den Nutzen von Apps bei Vorbeugung oder gar Behandlungen von Krankheiten belegen. Diese seien aber nötig, damit die Kosten den Patienten von den Kassen erstattet werden können, erklärt Claudia Widmann vom GKV-Spitzenverband.

Das Beispiel der Diabetes-App mySugr aus Österreich zeigt, was passieren kann, wenn die Krankenkassen mitspielen: die App, die beim alltäglichen Umgang mit der Zuckerkrankheit helfen will, wird von rund 250.000 Diabetikern genutzt. Nicht zuletzt, weil eine Krankenkasse die Kosten für die Nutzung erstattet.

Trends nicht verpassen

Nicht nur die Startups hoffen aus das große Geld. Auch die Dickschiffe der Branche wollen den Augenblick nicht verpassen, wenn einer der kleinen Ideenschmieden der Durchbruch gelingt. Bayer etwa bietet ausgewählten Firmen das Mentoring-Programm Grants4Apps an. "Startups sind beweglicher als ein Großkonzern. Sie ermöglichen uns den Zugang zu zukunftsträchtigen Technologien", sagt Jessica Federer, die zuständige Managerin beim Leverkusener Pharmagiganten. Bayer will interessante Startups allerdings nicht gleich schlucken, sondern strebt Partnerschaften an. Das Kalkül: so liegt das Risiko auf Seiten der Gründer und nicht bei dem Dax -Konzern.

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