Fett-weg-Operationen: Schönheit mit unerwünschten Nebenwirkungen

Fett-weg-Operationen: Schönheit mit unerwünschten Nebenwirkungen

„Schlank dank eines medizinischen Eingriffs“ – klingt verlockend, die Folgen derartiger Operationen sind allerdings nicht zu unterschätzen: Danach drohen schlimme Übelkeitsattacken, Depressionen, Eisen- oder Vitaminmangel. Das Essen macht dann keinen Spaß mehr.

Der Sommer naht, weshalb sich manch ein Mensch fragt, ob die eigene Figur strandtauglich ist und wie man lästigen überschüssigen Kilos zu Leibe rücken kann. Anders verhält es sich bei jenen, die unter derartig viel Übergewicht leiden, dass es längst nicht mehr um Fettpölsterchen geht, sondern um eine langfristige überlebenswichtige Gewichtsreduktion.

Seit einigen Jahren gilt die von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) erdachte BMI-Klassifikation, mit der sich feststellen lässt, ob ein Mensch an Über- bzw. Untergewicht leidet oder als normalgewichtig eingestuft werden kann. Das Gewicht wird durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat gerechnet – bei einem Wert zwischen 19 und 25 wird man als normalgewichtig klassifiziert, jener zwischen 25 und 30 bedeutet Übergewicht und ein Ergebnis ab 30 ist als Fettleibigkeit (Adipositas) zu bezeichnet. Bei einem Wert von 40 oder mehr sprechen Mediziner von krankhafter Adipositas.

In Österreich gilt beinahe jeder Fünfte als adipös, also fettleibig, weil diese Menschen einen BMI von mehr als 30 aufweisen. Eine alarmierende Zahl, wenn man bedenkt, welche Folgen massives Übergewicht hat: „Die Sterblichkeit ist bei übergewichtigen Menschen deutlich erhöht, Schlaganfälle oder Herzinfarkte sind keine Seltenheit, ihr Diabetesrisiko liegt bei 30 Prozent“, so Nada Loibner-Ott, Fachärztin für Allgemeinchirurgie und Leiterin der Adipositas-Ambulanz im SMZ-Ost Donauspital in Wien. Endlose Gewichtszunahme sei theoretisch möglich, doch ab einem gewissen Punkt versage die Herzleistung. Die Erkrankungen, die durch massives Übergewicht entstehen, können zum Tod führen, nicht das Übergewicht selbst.

Bei einem BMI ab 40 ist es kaum möglich, das Gewicht durch Ernährung und Körperertüchtigung langfristig zu reduzieren, weshalb dieser als Operationsindikation gilt. Dr. Nada Loibner-Ott erklärt: „Viele Studien haben gezeigt, dass es sehr unwahrscheinlich ist, ohne operative Maßnahme wieder schlank zu werden, wenn der BMI so hoch ist.“

Adipositaschirurgiemethoden und ihre Folgen

Mit Hilfe der so genannten Adipositaschirurgie wird der Magen-Darm-Trakt chirurgisch verändert, um die Nahrungszufuhr zu begrenzen. Ob Schlauchmagen (sleeve), Magenbypass oder Magenband – all diese Eingriffe haben das Ziel, die Patienten dabei zu unterstützen, kontinuierlich Gewicht zu verlieren. Das wiederum verhindert Folgeerkrankungen. Bei Patienten ab BMI 40 bzw. bei Patienten ab BMI 35, die bereits an Folgeerkrankungen leiden, werden solche Eingriffe in Österreich von der Krankenkasse bezahlt.

Wer denkt, dass es sich bei den Konsequenzen der genannten Eingriffe um Lappalien handelt, irrt gewaltig: „Nach den Operationen können die Patienten nichts Süßes mehr essen, ohne in der Folge unter schlimmen Übelkeitsattacken zu leiden. Nicht selten leiden sie außerdem unter Depressionen, Eisen- oder Vitaminmangel, das Essen macht klarerweise keinen Spaß mehr.“, so Loibner-Ott. Außerdem gebe es keine Garantie, anderthalb bis zwei Jahre (die als goldene Jahre bezeichnet werden) nach einem solchen Eingriff wieder zuzunehmen. Die Patienten verspüren ca. zwei Jahre lang keinen Hunger, da das Hunger auslösende Hormon Ghrelin durch den Eingriff stark reduziert wird. „In dieser Zeit haben die Patienten die Chance, ihr Übergewicht um 50-70 Prozent zu reduzieren, manche schaffen sogar 90-100 Prozent.“

Leidensdruck durch körperliche Einschränkungen

Doch nicht nur innerliche Veränderungen spielen eine Rolle: Wer sich so radikal herunterreduziert, sieht sich fast immer mit überschüssiger Haut, die als Fettschürzen bezeichnet werden, konfrontiert. „Eigentlich ist das eine schreckliche Geschichte. Zuerst sind die Patienten dick, unterziehen sich einer risikoreichen Operation, in deren Verlauf sie sterben können, nehmen meist innerhalb eines Jahres enorm viel ab und leben danach in einem Körper, der ein bis zwei Kleidergrößen mehr nötig macht“, erläutert Shirin Milani-Helletzgruber, Fachärztin für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie in Wien und Bodylift-Spezialistin.

Bis zu zehn Kilo überschüssige Haut, die am Körper herunterhängt, machen weitere Eingriffe nötig. „Viele Patienten würden ein Bodylift benötigen. Es gibt ein oberes und ein unteres Bodylift – einmal strafft man die Arme, die Brust und manchmal auch den Rücken und im unteren Bodylift strafft man den Bauch und die Oberschenkel zusammen, aber zirkulär, also rundherum. Diese Art Eingriffe sind mit enormem Aufwand verbunden, da man mehrere Chirurgen benötigt, weil die Patienten umgedreht werden müssen und extrem viel weggenommen werden muss, was mit nur zwei Ärzten wesentlich länger dauern würde. Es handelt sich um Risikopatienten, weshalb eine OP-Verlängerung mit einer Risikoverlängerung (Thrombosen, Lungenembolien etc.) gleichzusetzen ist. Das Ganze Drumherum ist enorm“, so die Plastische Chirurgin.

Loibner-Ott erklärt: „Nicht alle Patienten brauchen eine plastische Operation. Die Mehrheit lässt sich operieren, um die Pfunde loszuwerden und ist danach zufrieden – vor allem die älteren Patienten.“ Fatalerweise wird lediglich die Bauchstraffung von der Krankenkasse übernommen, weshalb die Betroffenen alle anderen Eingriffe selbst zahlen müssen. „Die Krankenkasse lehnt es fast immer ab, wenn es um eine Brustoperation geht. Hängt die Brust enorm herunter, kann man argumentieren, dass Haut auf Haut liegt, was eine OP dringend erforderlich macht. Allerdings haben diese Patienten, denen man lediglich die Brust strafft, damit sie nicht mehr so extrem herunterhängt, anstelle einer ,herkömmlichen Brust‘ nur Haut, weshalb sie ein Implantat benötigen. Man kann ja keine Amputation machen, indem man die überschüssige Haut einfach entfernt. Implantate werden schon gar nicht übernommen“, so Milani-Helletzgruber.

Hochrisiko Auslands-Operation

Häufig entscheiden sich solche Menschen in ihrer Not für einen Eingriff im Ausland, in dessen Verlauf sie nicht selten eine Infektion oder Komplikationen erleiden, was wiederum in Österreich behandelt werden muss. In solchen Fällen übernimmt die Krankenkasse keinen Cent, da die Nachbehandlung eigentlich in jenem Land stattfinden müsste, in dem die hygienischen Bedingungen solche Probleme ausgelöst haben. Milani-Helletzgruber berichtet: „Diese Patienten sind finanziell meistens sehr schlecht gestellt, die Krankenkasse übernimmt nur die Bauchkorrektur und den Rest müssen sie selber zahlen. Wir haben zu wenige Plastische Chirurgien, ein Patient kann zwar ins Wilhelminenspital, in die Rudolfstiftung oder ins AKH gehen, zahlt aber auf, wenn er zu mir kommt – die Krankenkasse übernimmt da lediglich einen Grundanteil. Wenn die Bauchoperation komplett von der Kasse übernommen werden soll, muss der Patient in eine der wenigen Wiener Abteilungen für Plastische Chirurgie gehen. Das bedeutet eine Wartezeit von mindestens drei bis sechs Monaten, weshalb sich viele im Ausland operieren lassen und mit massiven Infektionen zu uns zurückkommen.“

Die Lösung des Problems Adipositas liegt nicht ausschließlich in einem Eingriff, der bei der Gewichtsreduktion hilft. Die Patienten müssen bereit sein, ihr Leben völlig umzustellen, um langfristig schlank zu bleiben. „Ich halte einen derartigen Eingriff dann für sinnvoll, wenn es um Leben und Tod geht“, so die Expertin für Essstörungen Olivia Wollinger. „Allerdings sollte man die psychische Komponente nicht außer Acht lassen und solche Patienten langfristig nachbetreuen“. Auch Nada Loibner-Ott ist der Ansicht, dass die Nachsorge ebenso wichtig ist wie der Eingriff selbst. Eine ganzheitliche Behandlung mit Psychotherapie, Ernährungsberatung oder Familientherapie wäre neben der Operation sehr wichtig, so die Medizinerin.

Informationen und Hilfe:
www.adipositaschirurgie.at
http://www.adipositas-austria.org/ambulanzen.html#wien

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