Diagnose Wachkoma - Schicksal apallisches Syndrom

Diagnose Wachkoma - Schicksal apallisches Syndrom

Wachkoma, auch apallisches Syndrom genannt, ist oft Folge einer schweren Schädel-Hirn-Verletzung. Was die Diagnose Wachkoma bedeutet, wen es betrifft und welche Chancen es gibt.

In Österreich gibt es geschätzte 800 bis 1000 Wachkomapatienten, in Deutschland rund 15.000. Die Ursache für den medizinisch als apallisches Syndrom bezeichneten Zustand ist immer die Folge einer schweren Hirnschädigung, die durch ein Schädel-Hirn-Trauma - das durch den Unfall Schumachers möglich wäre - ausgelöst und durch einen darauf folgenden Kreislaufstillstand verursacht werden.

Nach schwerem Unfall, Vergiftung oder Schlaganfall fallen manche Patienten in ein Koma. Meist aufgrund von schweren Schädel-Hirn-Verletzungen. Manchmal versetzen Ärzte Patienten auch absichtlich in ein künstliches Koma. Es ist nicht geklärt, ob die Betroffenen ganz ohne Bewusstsein sind. Vor allem, wenn Patienten längere Zeit nicht mehr aus dem Koma aufwachen, sondern mit offenen Augen jahrelang als Wachkoma-Patienten scheinbar abwesend dahindämmern, stellt sich die Frage, wie viel diese Menschen von ihrer Umwelt mitbekommen.

Diagnose Wachkoma

Bei optimaler Rehabilitation und Betreuung beträgt die durchschnittliche Überlebensdauer von Wachkomapatienten drei bis fünf Jahre, bei jungen Patienten kann die Lebensdauer 15 bis 20 Jahre betragen. Langzeitpflegeplätze in Einrichtungen gibt es in Österreich verhältnismäßig wenig. Gerade einmal 130 Betten gibt es hierzulande, allein 60 davon fallen auf den Raum Wien. Bis zu 70% der Wachkomapatienten werden demnach zu Hause in der Familie gepflegt. Dies scheint umso wünschenswerter, da nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden kann, dass die Betroffenen nichts mehr mitbekommen. Gerade emotionale Reaktionen sind am ehesten zu erwarten und der Kontakt zu Familie und Freunden ist ein stimulierender Faktor. Die Pflege eines Familienmitgliedes im Wachkoma ist eine große psychische und physische Belastung. Zuwendung, Geborgenheit und vor allem Zeit sind wichtige Dinge, die vom Pflegepersonal meist nicht leistbar sind, für einen positiven Verlauf der Erkrankung aber elementare Bedeutung haben.

Wichtige Schritte: Frührehabilitation

Die Rehabilitation sollte relativ früh beginnen. Man belässt jedoch den Patienten nach einer schweren Schädel-Hirn-Verletzung erstmal im Tiefschlaf, um den Blutdruck und Hirndruck unter Kontrolle und in Balance zu halten. Der Rehabilitationserfolg hängt direkt mit dem Zeitpunkt des Beginns zusammen, also je früher mit den Maßnahmen begonnen wird, desto umfassender und nachhaltiger ist der Erfolg. Prinzipiell kann man von einer vollständigen Rückbildung (Remission) eines Wachkomapatienten ausgehen. Im Fall von Michael Schumacher setzen Ärzte und Angehörige auf seine Fitness. Ein künstlicher Tiefschlaf ist sehr belastend für den Organismus. Künstliche Beatmung und unbewegliches Liegen schwächen das Immunsystem. Gerade in dieser Situation ist der Körper darauf angewiesen, dass wichtige Organe wie Niere und Leber gut funktionieren.

Begriffserklärung: Apallisches Syndrom

Als apallisches Syndrom (Wachkoma) wird ein Krankheitsbild bezeichnet, bei dem ein Patient wach zu sein scheint. Diese Menschen liegen mit geöffneten Augen in ihrem Bett oder sitzen im Rollstuhl. Sie sind jedoch nicht in der Lage, mit ihrer Umgebung bewusst Kontakt aufzunehmen und Umweltreize wahrzunehmen. Wachkoma tritt völlig unerwartet ein und ist eine extreme Lebensform von Menschen nach einer schweren Hirnschädigung, die einer intensiven akutmedizinischen Behandlung und Pflege einschließlich Frührehabilitation mit anschließender qualifizierten Langzeitversorgung zu Hause oder in einer Einrichtung zur Schwerstpflege bedürfen.

Das apallische Syndrom entsteht durch eine schwere akute Schädigung des Großhirns. Es sind vor allem schwere Schädelhirntraumen oder ein plötzlicher und hochgradiger Sauerstoffmangel des Gehirns, wie er nach Herzkreislaufstillstand, als Folge eines Herzinfarktes oder einer Wiederbelebung, aber auch bei fast Ertrinken oder fast Ersticken
auftreten kann. Weiters können ein ausgedehnter Schlaganfall, Blutungen ins Gehirn oder in die Gehirnhäute, eine Gehirnentzündung, sowie schwere Vergiftungen zu einem apallischen Syndrom führen.

Was verändert sich im Gehirn bei einem apallischen Syndrom?

In Folge der schwerwiegenden Verletzungen kommt es zu einer Unterbrechung aller Verbindungssysteme vom Großhirn zum Hirnstamm. Bewegungsimpulse der Großhirnrinde erreichen nicht das Rückenmark, der Patient kann weder Arme, Beine, noch den Kopf bewegen, er schaut starr vor sich hin. Reize von außen und vom eigenen Körper können die
Großhirnrinde nicht mehr erreichen, jede Wahrnehmung ist ausgefallen. Auf Grund der eingetretenen Schädigung der Verbindungssysteme zum und vom Gehirn wacht der Patient aus einem anfänglichen Koma nicht mehr auf. Innerhalb von zwei bis drei Wochen entwickelt sich ein apallisches Syndrom.

Welche Chancen hat ein Wachkomapatient?

Klinische, psychologische und wissenschaftliche Untersuchungen der letzten Jahre weisen darauf hin, dass das apallische Syndrom kein Endzustand sein muss, sondern - häufiger als früher angenommen - als ein Zwischenstadium bei der Entwicklung neuen Lebens aus dem Koma, als so genanntes Durchgangssyndrom in Erscheinung treten kann. Ferner wurde festgestellt, dass sich bei frühzeitiger, intensiver Zuwendung und Kommunikation nicht selten die schweren Formen eines apallischen Syndroms vermeiden lassen oder seine Zeichen nur in flüchtiger Form auftreten. Schließlich wurde nachgewiesen, dass Menschen im apallischen Syndrom offenbar nicht nur sensorische Stimulationen und menschliche Stimmen Wahrnehmen, sondern auch auf einfache Weise Reaktionen erlernen können. Dies bestätigt eine kürzlich durchgeführte Hirn-Studie. Wachkoma-Patienten reagieren auf Sprache genauso wie es "gesunde" Vergleichspersonen taten.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Neurochirurg Czech beschreibt die Phasen einer schweren Schädel-Hirn-Verletzung: "Die erste Phase ist die Überlebensphase. Hier geht es darum das Gehirn keinem Druck auszusetzen und bestmöglich mit Sauerstoff zu versorgen. Der Patient wird kaum bewegt. Besteht dann keine Gefahr mehr, dass das Gehirn Schwankungen ausgesetzt ist, beginnt die Aufwachphase. Setzt die Beatmung spontan ein und ist der Kreislauf stabil ist dies ein erster Erfolg." Danach folgt das "Durchgangssyndrom". Eine durch die Hirnverletzung verursachte Störung der Bewußtseinslage läßt sich erst nach dieser Phase feststellen. Aber auch wenn sie bestehen sollte, kann es noch über längere Zeit zu einer fortlaufenden Besserung kommen.

So hoffte man beim niederländischen Prinz Friso etwa eineinhalb Jahre auf eine Besserung. Der 45-Jährige wachte jedoch nie wieder auf und verstarb. Es gibt aber auch immer wieder Fälle von Koma-Patienten, die nach Jahren wieder aufwachen. Ist der Patient kontaktierbar und reagiert auf Reize ist das ein guter Ausgangspunkt. Ist er nicht ansprechbar, gibt es nur wenig Hoffnung auf Erholung. Die aktivierende Langzeitpflege setzt dann mit unterschiedlichen Therapiemaßnahmen ein, wie Basale Stimulation (Ansprechen, Massagen, Stimulierung der fünf Sinne), Affolter (Training mit dem Tastsinn), Kinästhetik und/oder Bobath-Therapie. Letztere Therapiemaßnahme beruht auf der Annahme der „Umorganisationsfähigkeit“ des Gehirns, das heißt, dass gesunde Hirnregionen die zuvor von den erkrankten Regionen ausgeführten Aufgaben neu lernen und übernehmen können. Darüber hinaus ist eine Kombination aus individueller Physio-, Ergo- und Logopädie notwendig.

Czech betont, dass so früh als möglich im Anschluss an die Schädigung die Reha beginnen muss - hier gibt es keine Zeit zu verlieren. Geduldig muss man manchmal monatelang abwarten, bis sich erste kleine Schritte der Erholung zeigen. Erfolge sind hier die eigenständige Öffnung der Augen, das Zuwenden des Patienten oder gar das Befolgen von Aufforderungen.

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