Alkoholismus: Personalisierte Medizin auf dem Vormarsch

Alkoholismus: Personalisierte Medizin auf dem Vormarsch

Alkoholismus ist ein Langzeitprozess mit unterschiedlicher Aktivierung biologischer Prozesse im Gehirn. Mit Hilfe personalisierter Medizin soll es mehr unterschiedlich abgestufte Therapie geben, die auf die unterschiedlichen Stadien dieser Erkrankung eingeht.

Substanzabhängigkeit, speziell die Alkoholkrankheit, ist im Laufe der vergangenen 150 Jahre als moralische Verfehlungen, Persönlichkeitsstörung, Verhaltensstörung oder abweichendes Sozialverhalten und Ähnliches klassifiziert worden. Die moderne Forschung zeigt etwas anderes. "Abhängigkeit ist eine Krankheit des Gehirns" sagte am Montag der niederländische Experte Wim van Brink beim Internationalen Kongress des Welt-Psychiatrie-Verbandes (WPA) in Wien. Dem entsprechend sollten die bei Sucht erfolgenden Veränderungen im Gehirn identifiziert und - und individuelle auf den einzelnen Patienten angepasst - beeinflusst werden.

Beim WPA-Kongress diskutieren im Austria Center Vienna bis einschließlich Mittwoch die Teilnehmer die neuesten Erkenntnisse zur Prävention, Diagnose und Therapie psychiatrischer Erkrankungen. Hier kommt es seit einiger Zeit wieder mehr zur Integration von Psychotherapie, biologischer Psychiatrie (Arzneimittel auf der Basis von Gehirnforschung) und der Sozialpsychiatrie.

Fünf Prozent der Österreicher sind alkoholkrank

Ein wichtiges Thema stellt dabei auch Suchtkrankheit dar. Das klassische Beispiel ist der Alkoholismus: Fünf Prozent der Menschen ab dem 16. Lebensjahr sind in Österreich als alkoholkrank zu klassifizieren. Das sind 350.000 Menschen. 24 Prozent der Männer und jede zehnte Frau über 15 konsumieren täglich Alkohol über der Gefährdungsgrenze.

Alkoholismus wird oft erst im Spätstadium erkannt

"Wir brauchen hier neue Strategien. Wir sollten zu einer personalisierten Medizin kommen, so ähnlich, wie das die Onkologie vorzeigt. Wir sehen die Patienten mit Alkoholabhängigkeit oft erst im Spätstadium. Aber es gibt unterschiedliche Stadien dieser Erkrankung, in denen man therapeutisch unterschiedlich eingreifen können sollte", sagte Wim van Brink vom Institut für Suchtforschung in Amsterdam.

Drogenmissbrauch ist eine Störung in der Kontrolle der Impulsivität

Mittlerweile, so der niederländische Wissenschafter, wurden vor allem durch bildgebende Verfahren deutliche Unterschiede in der Aktivierung bzw. in der Dämpfung der Aktivität von verschiedenen Gehirnregionen und Veränderungen in der Ausschüttung von Nervenbotenstoffen identifiziert, die in unterschiedlichen Stadien von Alkohol- oder anderen Süchten eine Rolle spielen: "Experimenteller Konsum und Gebrauch von Substanzen in der Freizeit ist vornehmlich mit dem Belohnungssystem (Dopamin) im Gehirn verknüpft. Bei Missbruch tritt eine Störung in der Kontrolle der Impulsivität stärker zum Tragen. Abhängigkeit wird schließlich von der Gier nach dem Suchtmittel gesteuert. Voll ausgeprägte Sucht im Spätstadium ist schließlich durch Gewohnheit geprägt", sagte der Wissenschafter. "Die Entwicklung geht von der Belohnung durch ein Suchtmittel bis zum Konsum, um Erleichterung der Abstinenzsymptome zu bekommen", so Wim van Brink.

An unterschiedlichen Schaltstellen der Abhängigkeit eingreifen

Dem entsprechend abgestuft und personalisiert könnte in Zukunft auch die Therapie von Suchterkrankungen, auch der Alkoholabhängigkeit, ablaufen. Der Experte führte an, wie bereits in ihrer Wirksamkeit bewiesene Arzneimittel an unterschiedlichen Schaltstellen der Entstehung von Abhängigkeit eingreifen. So wirkt zum Beispiel die Substanz Naltrexon besonders gut bei Alkoholabhängigen, bei denen vererbliche Faktoren eine Rolle spielen (Eltern mit Suchtproblematik). Andere Wirkstoffe könnten wiederum für andere Gruppen von Abhängigen mehr oder weniger geeignet sein. Der Experte: "Wir werden diese Subgruppen besser identifizieren müssen und unsere Interventionen stärker an die individuellen Bedingungen anpassen können."

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