1,4 Millionen Menschen stecken sich jährlich mit Hepatitis an – WHO will nun Bewusstsein schaffen

Ernüchternde Zahlen: 240 Millionen Menschen leben weltweit mit einer chronischen Hepatitis Infektion des Typus B und 150 Millionen mit einer chronischen Hepatitis Typ C.

1,4 Millionen Menschen stecken sich jährlich mit Hepatitis an – WHO will nun Bewusstsein schaffen

Die WHO-Kampagne will nun ihr Augenmerk auf die Bedrohung richten, welche von ungenügenden sanitären Einrichtungen ausgeht. Denn diese tragen einen Großteil zur Verbreitung der Krankheit bei. Die verschiedenen Hepatitis-Typen A, B, C aber auch D und E können verschiedene Leberentzündungen hervorrufen, die auch imstande sind, eine Leberzirrhose oder Leberkrebs hervorzurufen.

Die meisten Betroffenen werden mit einer chronischen Hepatitis des Typs B oder C angesteckt. Die niemals chronische Hepatitis A wird über ungenügende Hygienebedingungen weiterverbreitet, zum Beispiel schmutziges Trinkwasser oder ungewaschene Früchte und Gemüse. Hepatitis B wird durch Körperflüssigkeiten übertragen, also über Blut oder mittels sexueller Kontakte.

Hepatitis C: Auch Tätowierungen und Piercings sind potentielle Gefahrenquellen

Hepatitis C grassiert heute meist unter Drogenkonsumenten, die Drogen intravenös konsumieren und dasselbe Spritzbesteck mit anderen Konsumierenden teilen. Auch Tätowierungen und Piercings sind bei Verwendung verunreinigter Instrumente ein Risikofaktor.

Problematisch ist laut WHO vor allem, dass viele Betroffene, die mit einer Hepatitis des Typs B und C leben, die Krankheit ohne ihr Wissen weiterverbreiten. Gegen Hepatitis A und B existiert eine Impfung.

In Europa leben 13 Millionen Menschen mit einer Hepatitis B, 15 Millionen Menschen sind an einer Hepatitis C erkrankt. 2012 hatte die WHO zusammen mit der Allianz gegen Hepatitis in 126 Ländern eine Umfrage zum Thema Hepatitis durchgeführt. Lediglich 47 Länder davon verfügen über einen Präventionsplan gegen die Krankheit.

Hepatitis in Österreich

Weltweit ist jeder zwölfte Mensch von chronischer Virushepatitis B oder C betroffen, in Österreich sind es Schätzungen zufolge mindestens 200.000 Patienten, jeden Tag erfolgen zahlreiche Neuinfektionen. Denn viele Menschen tragen die Infektion in sich, ohne darüber Bescheid zu wissen. Daher forderte die Vorsitzende der Hepatitis Hilfe Österreich (HHÖ), Angelika Widhalm, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz anlässlich des Welt-Hepatitis-Tags am kommenden Sonntag (28.Juli) eine Präventions- und Bewusstseinsbildungsoffensive sowie freiwillige Hepatitis-Screenings für die österreichische Bevölkerung.

„Noch liegt Österreich im Hepatitis-Care-Index nur auf Platz 15“, kritisierte Angelika Widhalm. Der Index vergleicht die Erkennung, Prävention und Behandlung von Hepatitis in 30 europäischen Staaten. Auch nationale Strategiepläne würde es in Österreich keine geben, so die HHÖ-Vorsitzende. Deshalb müsse man die Erkrankung nicht nur verstärkt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken, sondern auch in der Gesundheitspolitik einen größeren Fokus auf chronische Lebererkrankungen legen. Sie forderte einen flächendeckenden Aufruf an die Bevölkerung, sich freiwillig testen zu lassen und verstärkte Aufklärungsarbeit über die Impfungen.

"Hepatitis B und C sind stille Killer"

„Hepatitis B und C sind stille Killer“, warnte Markus Peck-Radosavljevic, Professor an der Universitätsklinik für Innere Medizin der Medizinischen Universität Wien im AKH und Generalsekretär der Europäischen Lebergesellschaft (EASL). Denn die Erkrankung bleibt oft unbemerkt und selbst bei einer Diagnose häufig unbehandelt. Die Folgen sind eine chronische Virushepatitis, die sich in vielen Fällen zu einer Leberzirrhose und Leberkrebs entwickelt. „Komplikationen treten häufig erst im Stadium der Leberzirrhose auf“, erklärte Peck-Radosavljevic. Tatsächlich sind Hepatitis B und C bereits die zweithäufigste Ursache für Leberzirrhose in Europa, Leberkrebs steht an Stelle fünf der Krebsmortalität.

Aber nicht nur körperlich belastet eine Hepatitis-Infektion, Patienten würden vor allem auch unter großer Stigmatisierung, Ängsten und Depressionen leiden, schilderte Gabriele Moser, Leiterin der integrierten psychosomatischen Ambulanz am AKH Wien und Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Psychosomatik in der Inneren Medizin. „Wissen Patienten nicht von ihrer Infektion, ist ihre Lebensqualität kaum beeinträchtigt. Erst nach der Diagnose sinkt diese beträchtlich“, führte die Expertin aus.

Auch die Standardtherapie mit Interferon könne zum Auftreten von Depressionen beitragen, 60 Prozent der Patienten mit Hepatitis C leiden auch an Depressionen. „Es fehlt an Aufklärung und Bewusstseinsbildung. Patienten müssen eine integrierte Betreuung erhalten“, meinte die Psychosomatikerin. Auch das Umfeld des Patienten muss aufgeklärt werden, so sei bei der Hepatitis C die sexuelle Übertragbarkeit „mit einer Ansteckung bei 190.000 sexuellen Kontakten praktisch nicht vorhanden.“

130 Lebertransplantationen pro Jahr

Je früher Hepatitis erkannt wird, desto besser lässt sich die Erkrankung behandeln. Wird die Infektion jedoch zu spät diagnostiziert oder behandelt, hilft in vielen Fällen nur noch eine Lebertransplantation. Derzeit werden etwa 130 Transplantationen pro Jahr in Österreich durchgeführt, die Wartezeit für ein Spenderorgan beträgt ein halbes bis ein dreiviertel Jahr. „20 Prozent der Patienten auf der Warteliste sterben“, berichtete Silvia Wogowitsch, Obfrau des Vereins der Lebertransplantierten Österreichs. Das führte sie nicht auf fehlende Spenderorgane, sondern auf die zu geringe Anzahl an Transplantationsspezialisten zurück und forderte eine Aufstockung.

Stefan Dorner vom Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) verwies dagegen auf die Arbeit an der besseren Koordination der vorhandenen Organe. Derzeit arbeite man vor allem daran, mehr Organe verfügbar zu machen. „Deshalb wurde auch die Anzahl der Transplantationskoordinatoren aufgestockt“, erklärte Dorner. Denn es fehle – trotz in Österreich geltender Widerspruchslösung – weniger an Ärzten als an passenden Spenderorganen und der richtigen Koordination.

Innenminister Karl Nehammer, Vizekanzler Werner Kogler, Bundeskanzler Sebastian Kurz und Gesundheitsminister Rudolf Anschober bei ihrer Erklärung.

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