Profitieren von der Steuerreform - 15 Fragen und Antworten

Wie Arbeitnehmer und Pensionisten von der Steuerreform 2015/2016 profitieren und was es künftig zu beachten gilt.

Profitieren von der Steuerreform - 15 Fragen und Antworten
Profitieren von der Steuerreform - 15 Fragen und Antworten

Weniger Steuern: Die Steuerreform 2015/2016 bringt für Arbeitnehmer einige Erleichterungen.

Durch die Steuerreform treten ab 1. Jänner 2016 nicht nur umfangreiche Änderungen bei der Unternehmensbesteuerung in Kraft, auch Arbeitnehmer sind von den Änderungen betroffen. Was sich für Arbeitnehmer konkret ändert, was es bringt und wo man künftig schlechter gestellt ist.

1 Wie wirkt sich die Steuerreform zukünftig auf mein Nettogehalt aus?

Das Kernstück der Steuerreform ist das neue Tarifmodell mit nunmehr sieben Steuerstufen statt bisher vier. Einkommen bis 11.000 Euro bleiben unverändert steuerfrei. Der Eingangssteuertarif verringert sich von 36,5 Prozent auf 25 Prozent. 50 Prozent Einkommensteuer zahlt man künftig erst ab einem steuerpflichtigen Einkommen von 90.000 Euro, statt bisher ab 60.000 Euro.

2 Wird sich für Arbeitnehmer, die keine Lohnsteuer zahlen etwas ändern?

Für Arbeitnehmer, die keine Lohnsteuer zahlen, wird die Negativsteuer von bisher zehn Prozent auf 50 Prozent der Sozialversicherungsbeiträge und einen Maximaldeckel von 400 Euro anstelle von bisher 110 Euro angehoben.

3 Gibt es Änderungen, die Pensionisten betreffen?

Erstmalig können auch Niedrigpensionsbezieher eine Negativsteuer von bis zu 110 Euro jährlich beantragen. Davon sollen rund 600.000 Pensionisten profitieren.

4 Ändern sich die Absetzbeträge für Arbeitnehmer?

Der Verkehrsabsetzbetrag von 291 Euro jährlich und der Arbeitnehmerabsetzbetrag von 54 Euro jährlich werden fusioniert. Zukünftig gibt es nur mehr den Verkehrsabsetzbetrag, den dafür aber mit 400 Euro jährlich. Bei Anspruch auf eine Pendlerpauschale und weniger als 12.200 Euro Jahreseinkommen erhöht sich der Verkehrsabsetzbetrag auf 690 Euro.

5 Wie wirkt sich die Erhöhung des Kinderfreibetrags aus?

Der Kinderfreibetrag wird auf 440 Euro erhöht. Nehmen ihn beide Elternteile in Anspruch, erhöht sich dieser insgesamt auf 600 Euro jährlich (bisher 264 Euro). Der Kinderfreibetrag reduziert die Bemessungsgrundlage für die Einkommensteuer.

6 Wie werden Mitarbeiterrabatte zukünftig steuerlich behandelt?

Ab 2016 sind Mitarbeiterrabatte bis maximal 20 Prozent des Gehalts steuerfrei. Wird diese Grenze überschritten, gilt ein Freibetrag von maximal 1.000 Euro pro Jahr und Mitarbeiter. Der übersteigende Betrag ist zu versteuern.

7 Wie schaut die Arbeitnehmerveranlagung ab 2016 aus?

Bei ausschließlich unselbstständigen Einkünften soll eine automatische Arbeitnehmerveranlagung durchgeführt werden, sofern das Finanzamt aus der Aktenlage schließen kann, dass keine weiteren Werbungskosten oder Sonderausgaben geltend gemacht werden und sich für den Steuerpflichtigen eine Gutschrift ergeben könnte. Bestimmte Sonderausgaben wie Spenden, Kirchenbeiträge, Versicherungsprämien sollen dabei automatisch berücksichtigt werden.

8 Welche Sonderausgaben können ab 2016 noch berücksichtigt werden?

Der Nachkauf von Versicherungszeiten für die Pensionsversicherung, die freiwillige Weiterversicherung, sowie Kirchenbeiträge, Steuerberatungskosten und begünstigte Spenden sind weiterhin in vollem Umfang abzugsfähig. Prämien für freiwillige Kranken-, Unfall-oder Pensionsversicherungen aufgrund von Verträgen, die vor dem 1. Jänner 2016 abgeschlossen wurden, können in den nächsten fünf Jahren noch steuerlich geltend gemacht werden.

Kosten der Wohnraumschaffung und -sanierung sind nur mehr absetzbar, sofern mit der tatsächlichen Bauausführung oder Sanierung vor dem 1. Jänner 2016 begonnen wurde. Das gilt auch für die Absetzbarkeit von Darlehen für Wohnraumschaffung und -sanierung, wenn diese bereits vor dem 1. Jänner 2016 aufgenommen wurden.

9 Wie werden Jubiläumsgelder zukünftig besteuert?

Ab 2016 werden Jubiläumsgelder voll sozialversicherungspflichtig. Nur Sachzuwendungen wie Gutscheine bis zu einem jährlichen Betrag von 186 Euro sind zukünftig sozialversicherungs-,steuer- und lohnnebenkostenfrei. Bei einem Jubiläumsgeld von beispielsweise 2.700 Euro muss der Arbeitnehmer zukünftig 460 Euro Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Auch für den Arbeitgeber verteuert sich diese Zahlung um rund 570 Euro.

10 Was ändert sich bei privat genutzten Firmenwagen?

Besonders bitter sind die Änderungen bei den Sachbezügen für Firmenwagen. Ab 2016 wird für die Höhe des Sachbezuges der CO2-Ausstoß des Fahrzeuges relevant. Ab einem CO2-Ausstoß von mehr als 130g/km beträgt der Sachbezug künftig zwei Prozent der Anschaffungskosten, maximal jedoch 960 Euro. Wird der Pkw privat maximal 6.000 km pro Jahr gefahren, kann der halbe Sachbezug angesetzt werden. Die maßgeblichen CO2-Grenzwerte reduzieren sich jährlich bis 2020 auf 118 g/km. Die Grenzwerte gelten auch für Gebrauchtwagen. Die aktuelle Sachbezugsgrenze von 1,5/0,75 Prozent und der Maximalbetrag von 720/360 Euro sind nur mehr bei Pkw mit einem CO2-Austoß von unter 130 g/km anwendbar. Elektroautos sind vom Sachbezug gänzlich befreit, Hybridfahrzeuge jedoch nicht. Der jährlich zu versteuernde volle Sachbezug kann sich bis zu maximal 2.880 Euro erhöhen.

11 Welche Auswirkungen hat die Steuerreform, wenn ich das Haus meiner Oma erbe?

Schenkungen bzw. Erbschaften von Immobilien im Familienverband (zu welchem ab 2016 auch Nichten und Neffen gehören) werden hinsichtlich der Grunderwerbsteuer gänzlich neu geregelt. Bemessungsgrundlage ist zukünftig anstelle des dreifachen Einheitswertes der Verkehrswert, wobei ein Stufentarif zur Anwendung kommt. Von 0 bis 250.000 Euro beträgt der Steuersatz 0,5 Prozent, von 250.001 bis 400.000 Euro beträgt der Steuersatz zwei Prozent, und erst über 400.000 Euro beträgt der Steuersatz 3,5 Prozent. Hat das Grundstück der Großmutter einen Einheitswert von 50.000 Euro und einen Verkehrswert von 500.000 Euro, beträgt bei Übertragung des Grundstücks im Jahr 2016 die Grunderwerbsteuer 7.750 Euro. Heuer würde die Grunderwerbsteuer noch 3.000 Euro betragen.


"Werden Kranken-, Pensions- oder Unfallversicherungen dieses Jahr abgeschlossen, können sie noch bis 2020 steuerlich geltend gemacht werden", David Glosser, Geschäftsführer ECOVIS Austria.

12 Wie verändert sich der jährlicher Nettoertrag bei Investitionen in Aktien oder GmbH-Anteilen?

Hat man seine Ersparnisse in Wertpapiere investiert, erhöht sich sowohl bei den laufenden Erträgen (Dividenden) als auch für etwaige Gewinne aus der Veräußerung der Wertpapiere die Steuerbelastung von 25 Prozent auf 27,5 Prozent.

13 Was wird sich bei der Besteuerung bei Immobilien-Veranlagungen ändern?

Ab 2016 kommt bei privaten Grundstücksveräußerungen ein Steuersatz von 30 Prozent anstelle von bisher 25 Prozent zur Anwendung. Darüber hinaus wird auch der Inflationsabschlag für lang gehaltene Immobilien, welcher mit jährlich zwei Prozent ab dem 11. Jahr der Anschaffung oder späteren Umwidmung und mit maximal 50 Prozent von den Einkünften abgezogen werden konnte, abgeschafft. Ab dem 35. Jahr konnte die Immobilie bisher mit einem effektiven Steuersatz von 12,5 Prozent veräußert werden. Dies führt nun zu einer Erhöhung der Besteuerung bei der Veräußerung von lang gehaltenen Immobilien von 130 Prozent.

14 Betrifft mich als Dienstnehmer die "Aufweichung" des Bankgeheimnisses?

Das Bundesministerium für Finanzen wird über alle österreichischen Konten und Depots ein zentrales Kontenregister führen. Kreditinstitute müssen alle Daten seit 1. März 2015 an das BMF übermitteln. Die Einsicht in die Konten selbst ist nur mit richterlicher Genehmigung möglich. Die Finanz wird daher zukünftig über die Existenz sämtlicher Konten in Österreich (Gehaltskonto, Sparbücher, Wertpapierdepots etc.) informiert sein.

15 Was ist das Kapitalabflussgesetz?

Mit dem Kapitalabfluss-Meldegesetz sollen ungewollte Kapitalabflüsse vermieden werden. Es besteht daher für die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur und die Kreditinstitute die Verpflichtung, Abflüsse und sonstige Übertragungen ab 50.000 Euro ab dem 1. März 2015 (rückwirkend!) an das BMF zu melden. Davon sind Auszahlungen und Überweisungen von Sicht, Termin-und Spareinlagen, die Verlagerung von Wertpapieren mittels Schenkung im Inland sowie die Verlagerung von Wertpapieren in ausländische Depots betroffen.

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