Was bringt mir der Energieausweis?

Was bringt mir der Energieausweis?

Mit dem Energieausweis hat sich der Gesetzgeber bemüht den Energiebedarf eines Gebäudes überprüfbar zu machen und die Kosten besser einschätzen zu können. Die Vorlage eines Energieausweises ist zwingend vorgeschrieben und gilt mit wenigen Ausnahmen für alle Objekte die verkauft, vermietet oder verpachtet werden. Kritik besteht in der Aussagekraft des Ausweises.

Der Energieausweis wird als „Typenschein für das Haus“ bezeichnet und enthält alle wichtigen Informationen zur thermischen Qualität und zum Energieverbrauch eines Gebäudes. Er ermöglicht somit mehr Transparenz und Vergleichbarkeit von Objekten und zeigt Energiesparpotenziale auf. Außerdem enthält er Vorschläge für Verbesserungsmaßnahmen und bietet eine kompakte Zusammenstellung der Gebäudedaten, die für Sanierungsmaßnahmen erforderlich sind.

Der Energieausweis muss bei Vermietung, Verpachtung oder Verkauf von Gebäuden oder Nutzungsobjekten vorgelegt werden und darf nicht älter als zehn Jahre sein. Er muss dem Miet-, Kauf- oder Pachtinteressierten spätestens bei Angebotslegung gezeigt werden. Kommt es anschließend zu einem Vertragsabschluss, so muss eine Kopie des Energieausweises innerhalb von 14 Tagen ausgehändigt werden. Von der Energieausweispflicht ausgenommen sind u.a. abbruchreife Wohngebäude, freistehende Gebäude mit weniger als 50 qm Gesamtnutzfläche sowie Wohngebäude, die nur während eines begrenzten Zeitraums pro Kalenderjahr genutzt werden (zum Beispiel Ferienhäuser).

Verschärfte Rechtsgrundlage

Seit dem 1. Dezember 2012 gilt ein neues und verschärftes Energieausweis-Vorlage-Gesetz (EAVG). Zwar war die Vorlage eines Energieausweises schon seit 2009 verpflichtend, dies wurde aber häufig umgangen da weder Kontrollen noch Strafen vorgesehen waren. Bei einer Verabsäumung wurde ein dem Gebäudealter entsprechender Standard angenommen. Mit dem neuen Energieausweis-Vorlage-Gesetz droht bei Nicht-Einhaltung eine Strafe von bis zu 1 450 Euro.

Neu ist auch die Informationspflicht über den energietechnischen Zustand des Gebäudes bereits in Inseraten. Wenn Gebäude oder Nutzungsobjekte in Print- oder Onlinemedien zum Kauf oder zur Miete angeboten werden, so sind der Heizwärmebedarf (HBW) und der Gesamtenergieeffizienzfaktor (fGEE) anzugeben. Ein Verstoß ist auch hier mit einer Verwaltungsstrafe von bis zu 1 450 Euro bedroht.

Das mag zwar drastisch klingen, in der Praxis wurde die Nicht-Vorlage eines Energieausweises österreichweit allerdings noch nie bestraft. Zu einer Umgehung verführen lassen sollten Sie sich deshalb aber nicht. Der Energieausweis enthält viele interessante Kennwerte für Ihr Gebäude und wird auch bei der Einreichung um Baubewilligung, um Förderung eines Neubaus oder bei Einreichung um Förderung einer Sanierung gefordert. Hier gelten länderspezifisch unterschiedliche baurechtliche Bestimmungen.

Berechnung der Werte

Berücksichtigt werden die Gebäudehülle, die Heizungsanlage, die Lüftung, die Warmwasserbereitung, Energiegewinne durch Sonneneinstrahlung, Geräte und Personen sowie der eingesetzte Energieträger. Aus diesen Daten wird anschließend die benötigte Energiemenge unter genormten Bedingungen errechnet.

Die Kosten für die Ausstellung eines Energieausweises sind nicht reglementiert und variieren stark. Sie richten sich nach Größe und Komplexität des Gebäudes, nach dem Umfang der Datenaufnahme sowie der Genauigkeit der Datenerhebung. Grundsätzlich gilt je genauer die Pläne und Daten sind, desto geringer Kosten und Aufwand. Die Kosten sind vom Gebäudeeigentümer zu tragen.

Energieausweis als Entscheidungskriterium?

In der Praxis werden bei der Ausstellung eines Energieausweises Objekte teilweise nicht einmal persönlich begutachtet. Befragungen finden häufig per Telefon statt und die Gebäudeunterlagen werden geschickt. Diese Vorgehensweise stößt auf Kritik denn automatisch tritt die Frage nach der Aussagekraft des Energieausweises auf.

Laut Hannes Dobnikar, Geschäftsführer bei L-Quadrat Immobilien, stellt der Energieausweis kein wirkliches Kaufkriterium dar. Die Verschärfung des Gesetzes 2012 habe definitiv etwas gebracht, denn der Energieausweis wird seitdem überall automatisch beigelegt. Wirklich berücksichtigt wird er bei der Entscheidung aber nicht, so Dobnikar weiter, denn auch die Mieter seien der Datenerhebung gegenüber skeptisch und stellen in weiterer Folge die Aussagekraft infrage. Der Energieausweis an sich sei prinzipiell jedoch zu begrüßen.


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