Tomorrow: Die Energiewende beginnt in Zwentendorf

Das Tomorrow Festival in Zwentendorf ist auch ein Festival für eine Energiewende in Europa. Österreich ist Vorreiter für erneuerbare Energien. Innerhalb der EU wird deren Bedeutung zwar grundsätzlich betont, ein europaweiter Ausstieg aus der Atomkraft ist allerdings nach wie vor in weiter Ferne.

Tomorrow: Die Energiewende beginnt in Zwentendorf

Am Wochenende findet am Gelände des Atomkraftwerks Zwentendorf das von der Umweltschutzorganisation Globel 2000 initiierte Tomorrow Festival statt. Zum dritten Mal dient die 1978 errichtete Industrieruine – das weltweit einzige Atomkraftwerk, das gebaut und nie in Betrieb genommen wurde – als Kulisse, um auf die Notwendigkeit und Möglichkeit einer europaweiten Energiewende hinzuweisen. Im Zuge des Festivals bieten die Veranstalter auch Führungen durch das Reaktorgebäude an und versprechen dabei „einen Hauch Raumschiff Enterprise“.

Nur wenige wissen, dass in dem Atomkraftwerk, dessen Inbetriebnahme 1978 durch eine Volksabstimmung verhindert wurde, seit dem Juni 2009 tatsächlich auch Strom produziert wird. Der stammt allerdings nicht vom Kernreaktor im Inneren des Gebäudes, sondern von einer Photovoltaik-Anlage, die der Energieversorger EVN (ISIN AT0000741053) auf dem Dach, den Seitenwänden und im Freigelände installiert hat. Die Atomruine ist damit auch das einzige Atomkraftwerk der Welt, das Ökostrom erzeugt und ist umso mehr ein Symbol für eine mögliche Energiewende und eine Zukunft ohne Atomkraft geworden.

Energiewende drei Jahre nach Fukushima

Gut drei Jahre sind vergangen, seit sich die Nuklearkatastrophe von Fukushima ereignete und dass dadurch die Atomdebatte in Europa neu angeheizt wurde. Deutschland lehnte sich dabei am weitesten aus dem Fenster. Bundeskanzlerin Angela Merkel legte dem Bundestag im Juni 2011 einen 5-Punkte-Plan zur Umsetzung der Energiewende und Ausstieg aus der Atomkraft vor. Fukushima habe gezeigt, dass die Risiken der Kernenergie nicht beherrschbar seien. Bis 2022 sollten, so der Plan, in Deutschland alle AKW abgeschaltet werden.

Eine europaweite Energiewende kann jedoch nicht einmal das mächtige Deutschland herbeiführen, und daher hat sich Jean-Claude Juncker, der wohl zukünftige EU-Kommissionspräsident, im Wahlkampf auch sehr deutlich für eine europäische Energieunion ausgesprochen. Dass sich die EU im damit auch in Richtung eines europaweiten Atomausstiegs bewegt ist allerdings unwahrscheinlich. Die Positionen zur Atomenergie könnten innerhalb der EU kaum unterschiedlicher sein, in 14 der 28 EU-Mitgliedstaaten gibt es aktive Atomkraftwerke. Deutschland hat etwa den Atomausstieg beschlossen, in Italien ist er bereits vollzogen, in Großbritannien sollen dagegen bis 2030 mehrere neue Reaktoren ans Netz gehen – auch mit der Ansage, dadurch die eigene CO2-Bilanz zu verbessern. Und Frankreich plant ebenfalls langfristig mit Nuklearenergie, Staatspräsident Hollande kündigte allerdings an, den Anteil von Atomstrom von 75 auf 50 Prozent senken zu wollen.

Österreich konzentriert sich dagegen auf den Ausbau der erneuerbaren Energien – Windenergie, Photovoltaik und auch Wasserkraft. Das zeigen auch die aktuellen Entwicklungen. So gab der Verbund etwa Mitte Mai bekannt, dass das Steinkohlekraftwerk Dürnrohr und das Fernheizkraftwerk Neudorf/Werndorf II geschlossen werden. Weiters werden das unprofitable Gaskraftwerk in Mellach, sowie zwei Gaskraftwerke in Frankreich vorübergehend stillgelegt. Begründet werden die Schließungen mit den Veränderungen am Strommarkt. Veränderungen, die sich als durchaus nachhaltig erweisen könnten – und auch dafür steht das Tomorrow Festival in Zwentendorf.

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