"Jeder Hausbesitzer wird zum Stromerzeuger"

"Jeder Hausbesitzer wird zum Stromerzeuger"

Die Dezentralisierung der Stromerzeugung biete Chancen für eine Veränderung des Marktes, meint Ebner.

Der österreichische Stromanbieter und -erzeuger oekostrom AG sieht noch viel Potenzial für seine Angebote in Österreich. Das 1999 gegründete Unternehmen kommt derzeit auf 22.000 Kunden, Vorstand Horst Ebner beschreibt im Gespräch mit Format sein nächstes Ziel: "30.000 Kunden sind möglich." Es gebe ausreichende Lieferanten von Ökostrom dafür.

Der Strom, den oekostrom seinen Kunden liefert, kommt weder von fossilen noch von nuklearen Energieträgern. Das Gros macht Wasserkraft aus (80 Prozent), gefolgt von Windkraft (14 Prozent), Biomasse, Biogas und Photovoltaik. Im Vorjahr wurden 130.000 Megawattstunden an Endkunden geliefert. Eine Kooperation mit Hofer brachte laut Ebner an die 5000 neue Kunden. "Das hat sich bewährt und wird sicher wiederholt."

Dezentralisierung erwünscht

Nicht nur die Nachfrage nach ökologisch einwandfreiem Strom verändere den Markt, glaubt Ebner. Auch die technologischen Möglichkeiten würden zu einer Dezentralisierung beitragen - im Prinzip kann jeder Hausbesitzer beispielsweise über eine Photovoltaik-Anlage nicht nur Strom für den Eigenbedarf erzeugen, sondern auch in das Netz einspeisen. "Entsprechende Technologien wie Smart Metering oder neue Speichersysteme erleichtern das", sagt Ebner. Man könnte einen beträchtlichen Teil des in Österreich benötigten Stromes durch Klein- und Kleinstanbieter erledigen lassen.

"Wir zeigen, dass der Aufbau eines dezentralen Netzwerkes möglich ist", sagt der oekostrom-Vorstand. So würden viele private Windkraftbetreiber ihren Strom ins Netz einspeisen, auch kleine Wasserkraftwerke tragen ihren Teil zum Ökostrom bei. "Wir wollen eine Art Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft bilden", strapaziert Ebner den Kommunen-Gedanken. oekostrom war selbst zunächst als Betreiber eines Windparks auf der Parndorfer Platte und als ein Portal für Erneuerbare Energie tätig gewesen, ehe das Unternehmen mit der Liberalisierung des Marktes ab dem Herbst 2001 selbst im Stromvertrieb tätig wurde. "Unser Ziel bleibt auch heute noch eine Demokratisierung des Strommarktes", sagt Ebner.

Nicht nur ausbauen, sondern auch einsparen

Nichtsdestotrotz sei es im Sinne des Umwelt- und Klimaschutzes nötig, die Österreicher auch zum Energiesparen zu bewegen. "Auch da ist noch unheimlich viel Potenzial vorhanden", sagt Ebner. Im Vorjahr hat oekostrom einen Online-Shop für energieeffiziente Produkte gestartet.

Ausgebaut wird der Bereich Photovoltaik. Im Vorjahr wurden von entsprechenden Set-Anlagen an die 200 Stück verkauft. "Ein Problem sind die sinkenden Förderungen, das macht eine Installation nicht mehr so attraktiv." Dazu kommt die Unsicherheit angesichts drohender Strafzölle auf Photovoltaik-Module aus China . Jeder Hausbesitzer wird jedenfalls mit einer solchen Anlage zum Stromerzeuger, derzeit zahlt oekostrom pro kWh zwölf Cent. (Infos zu den Einspeisetarifen hier )

Ökostrom wird in Österreich beinahe mit Wasserkraft gleichgesetzt, dabei müssen durch Wasserkraftwerke ja auch Eingriffe in die Natur (etwa in Augebiete) vorgenommen werden. "Wir müssen nicht jeden Fluss zubauen", sagt Ebner. In Österreich werde aber ohnedies sensibel vorgegangen. "Das Betonierer-Image der Versorger gibt es ja nicht mehr." Mit einem Ausbau von Photovoltaik und Windkraft könne Österreich aber noch "grüner" werden. Ebners Vision: "Irgendwann ist die gesamte Stromerzeugung so grün, dass das gar kein Thema mehr ist."

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