E-Autos: Gutes Gewissen auf Achse

E-Autos sind nach wie vor in aller Munde, aber trotzdem am Markt noch kaum angekommen. Viele potentielle Käufer schrecken immer noch die hohen Kaufpreise und die geringen Reichweiten der Elektromobile ab.

E-Autos: Gutes Gewissen auf Achse

Autofahren mit Strom statt Benzin - eine nette Vorstellung, deren Umsetzung in die Realität bisher einen Haken hatte: Die Auswahl an entsprechenden Automodellen war überschaubar. Doch nun kommt Bewegung in die Produktion von Elektroautos.

Auf der Auto-Umweltliste des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), die Autos nach ihrer Umweltfreundlichkeit reiht, steht der BMWi3 (35.700 Euro) bei den Elektroautos an erster Stelle, gefolgt vom Citroen C-Zero Airdream (29.390 Euro). Batterieelektrische Autos, die Energie ausschließlich aus der Steckdose beziehen, haben jedoch noch den Nimbus des weltfremden Luxusfahrzeuges: Viele potenzielle Käufer lassen sich von hohen Preisen und geringer Reichweite abschrecken. "Es gibt zwar E-Autos, die eine Reichweite von bis zu 200 Kilometern haben, aber im Winter kann sich diese um die Hälfte verringern“, erläutert Thomas Stix, Experte des ÖAMTC.


Bild: BMW

Zukunft gehört den Hybridfahrzeugen

Range Extender (Reichweiten-Verlängerer) dagegen werden über einen Elektromotor angetrieben: Ist die Batterie leer, schaltet sich der Verbrennungsmotor dazu und lädt die Batterie. Beim Plug-In-Hybrid wird der Elektromotor über die Steckdose geladen und reicht für etwa 20 Kilometer, danach schaltet sich der Verbrennungsmotor zu. Laut einer Studie von KPMG, der Global Automotive Executive Survey, gehört die Zukunft diesen Plug-in-Hybridfahrzeugen. Sie haben in Europa, Japan und den USA die größte Nachfrage. "Auf der Liste der umweltfreundlichsten Autos werden die E-Autos separat geführt“, erklärt Anja Smetanin, Pressesprecherin des VCD. "Es gibt noch zu wenige Fahrzeuge und die Datenlage ist zu dünn, um E-Autos in die Gesamtliste aufzunehmen.“

Der Kritik der geringen Reichweite von reinen E-Autos setzt Christian Gratzer, Pressesprecher des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ), entgegen: "Eine Untersuchung in Ost-Österreich zeigte, dass 95 Prozent der mit dem Auto zurückgelegten Wege kürzer als 50 Kilometer sind.“ Die Hersteller arbeiten daran, die Energiedichte in den Fahrzeug-Akkus zu verbessern und die Kosten von Elektrofahrzeugen jenen der herkömmlichen Pkw anzugleichen.

Nissan Leaf meistverkauftes Elektroauto der Welt, Reichweite: 199 Km

Schon jetzt gibt es Fahrzeuge wie den VW e-up!, der laut Hersteller eine Reichweite von 160 Kilometern hat. Der Nissan Leaf, derzeit meistverkauftes Elektroauto der Welt, schafft 199 Kilometer und ist mit einem Preis von 29.290 Euro leistbar. Wer es luxuriöser mag, ist mit dem Model S von Tesla gut bedient: Die Elektrolimousine mit einer Reichweite von 390 Kilometern ist seit drei Monaten das meistverkaufte Auto in Norwegen, die Auftragslage übersteigt weltweit die Produktion für die nächsten sechs Monate. Kostenpunkt des fahrenden Umweltschützers: rund 68.000 Euro.


Bild: Volkswagen

Von den Herstellern werden Elektroautos als grüne Wunderwuzzis für den Verkehr angepriesen, die eine emissionsfreie Fortbewegung ermöglichen. Tatsächlich verursachen E-Fahrzeuge im Gegensatz zu Kraftwagen mit Diesel- oder Benzinmotoren keine direkten Schadstoff-Emissionen wie Feinstaub oder Stickoxide. Aber schon bei der Produktion eines herkömmlichen Mittelklassewagens fallen rund fünf Tonnen CO2 an - und Elektroautos sind je nach Fahrzeugtyp um bis zu 20 Prozent schwerer. Der Materialverbrauch bei Aluminium ist deshalb höher und es wird dreimal so viel Material für die Elektrik verbaut wie bei herkömmlichen PKW.

Strom aus unsauberen Quellen

Dazu kommt, dass der Strom für Elektroautos oft aus unsauberen Quellen kommt: Die Akkumulatoren für den Elektromotor können prinzipiell an jede Steckdose angeschlossen und aufgeladen werden, wobei das Strom-Tanken an sogenannten Elektro-Tankstellen am gebräuchlichsten ist. "Wichtig ist es, den für E-Autos nötigen Strom aus erneuerbarer Energie zu gewinnen“, betont Julia Kerschbaumsteiner von Greenpeace Österreich. "Im Strommix vieler Energieversorger befindet sich nach wie vor ein hoher Anteil an fossilen Energieträgern.“ Christian Gratzer vom VCÖ ergänzt: "Wenn der Strom etwa aus Kohle gewonnen wird, ist die CO2-Bilanz von E-Autos schlechter als von Pkw mit herkömmlichen Motoren.“ Das erinnert an die Frage, ob Bahnfahren per se umweltfreundlicher als die Fortbewegung mit Auto oder Bus ist. Antwort: Nur wenn die dafür notwendige Energie aus erneuerbaren Energiequellen - etwa aus Windkraftanlagen - kommt.


Bild: Volkswagen

Ein großes Thema bei der fortschreitenden Ausrüstung der mobilen Österreicher mit Elektrofahrzeugen ist das Tanken: Derzeit gibt es in Österreich rund 3.300 E-Tankstellen, die meisten davon (rund 1.350) in Niederösterreich. "Gerade in den Städten wäre es wichtig, mehr Lademöglichkeiten zu schaffen“, meint Thomas Stix vom ÖAMTC. Hier setzt "Smatrics“ an, ein Joint Venture von Verbund und Siemens: Bis Mitte des Jahres soll österreichweit ein flächendeckendes Netz mit 80 weiteren öffentlichen Lade- und Schnellladestationen geschaffen werden, die ausschließlich aus erneuerbarer Energie gespeist werden.

Für den Betrieb des Elektromotors wird die benötigte Energie in Form von Energiespeichern im Fahrzeug mitgeführt. Diese gibt es in verschiedenen Ausführungen wie Bleiakkumulatoren, Natrium-Nickel-Chlorid-Batterien (den so genannten Zebrazellen) oder den gegenwärtig vorherrschenden Lithium-Ionen Akkumulatoren, kurz Li-Ion-Akkus genannt. Letztere haben einen Schönheitsfehler, nämlich seltene Metalle und Erze, die aufgrund der großen Nachfrage - etwa für andere "grüne“ Technologien wie die Photovoltaik - sowie natürlicher Gegebenheiten immer knapper werden.

Vor allem Kobalt, Lithium und alle Metalle, die unter den Sammelbegriff "seltene Erden“ fallen, werden jedes Jahr zu Tausenden Tonnen abgebaut, nach einmaligem Gebrauch verschrottet und unaufbereitet in Entwicklungsländer exportiert. Die Alternative wäre Recycling, doch ein funktionierendes Recyclingverfahren existiert noch nicht. "Bei den Akkus muss die Entwicklung weiter voranschreiten“, ist Greenpeace-Expertin Kerschbaumsteiner überzeugt. Der Bleigehalt sei nach wie vor sehr hoch und Fragen um die Umweltverträglichkeit seien nicht erschöpfend geklärt.

Gerade 654 Elektroautos wurden 2013 in Österreich verkauft

Europaweit wurden zwischen Jänner und September 2013 etwa 24.000 Elektroautos verkauft. Frankreich liegt an erster Stelle mit 6.318 verkauften Autos, in Österreich waren es 2013 gerade einmal 654 Stück. Derzeit fahren rund 8.000 Elektroautos auf Österreichs Straßen, davon 2.000 reine E-Autos, die meisten auf Kurzstrecken und im Stadtverkehr.

Wenn es nach dem Umweltministerium geht, soll sich das bald ändern: Die Energiestrategie Österreich aus dem Jahr 2010 sieht eine Zahl von 250.000 Elektrofahrzeugen für das Jahr 2020 vor. Diese Zahl entspricht einem Anteil von knapp fünf Prozent der für 2020 prognostizierten Gesamtzahl an Personenkraftwagen. Erreicht werden soll dieses hoch gesteckte Ziel auch mit Hilfe von Förderungen: Für Elektrofahrzeuge wird keine NoVA (in Österreich maximal 16 Prozent) eingehoben, die motorbezogene Versicherungssteuer entfällt.

Neben den Landesförderungen bieten Städte und Gemeinden finanzielle Unterstützungen für E-Fahrzeuge an. Förderungen sind außerdem für Betriebe vorgesehen, die bis zu 30 Prozent der förderfähigen Kosten erhalten, bei den Gemeinden erhöht sich der Anteil auf bis zu 50 Prozent der Kosten.

Großes Potential auch bei Elektro-Fahrrädern

Aus Sicht der Experten beinhaltet E-Mobilität aber mehr als Elektro-Autos. "Die Basis für eine funktionierende E-Mobilität ist der elektrische Öffentliche Verkehr mit Bahn, Straßenbahn, U-Bahn und E-Bussen“, erklärt Gratzer. "Großes Potenzial liegt auch bei Elektro-Fahrrädern, da etwa zwei Drittel der Alltagswege kürzer als 15 Kilometer sind.“ Tatsächlich müssen sich speziell Ballungszentren in aller Welt um die richtige Zusammensetzung der Verkehrsträger kümmern, um nicht nur die Ansprüche an den Klimaschutz zu erfüllen, sondern auch um Staus in und um die Städte vorzubeugen. Dass es dabei nicht immer ein eigenes Auto sein muss, zeigt die Global Automotive Executive Survey: Mobilitätslösungen wie Car Sharing erfreuen sich steigender Beliebtheit.

Das Projekt eMORAIL der ÖBB beispielsweise beweist, dass es auch für Pendler geeignet ist: Das Mobilitätsmodell umfasst ein Elektro-Auto für die Strecke vom Wohnort zum Bahnhof, die Bahnverbindung zum Bahnhof des Arbeitsortes und von dort die Anbindung mit E-Bike oder E-Carsharing an den Arbeitsort. Tagsüber werden die Autos von einem lokalen Betrieb als Dienstauto verwendet, der benötigte Strom wird aus Sonnenenergie gewonnen. Der VCD empfiehlt, Elektroautos zunächst in Carsharing-Flotten oder als Firmenwagen auszuprobieren statt gleich zu kaufen. Die Möglichkeit, ein Auto zu fahren, wann und wohin man will, könnte es unwichtig machen, ein Auto tatsächlich zu besitzen.

UNIQA CEO Andreas Brandstetter und Ministerin Leonore Gewessler

"In dieser Lage sind Ausreden nicht mehr zulässig"

Umwelt- und Energieministerin LEONORE GEWESSLER und Uniqa-Boss ANDREAS …

Alleine in den Ausbau der klimaneutralen Mobilität müssen bis 2030 rund 67 Milliarden Euro investiert werden.

Klimaschutz: Kapitalmarkt für Infrastruktur-Investments anzapfen

Für das Erreichen der Klimaneutralität bis 2040 sind in Österreich bis …

Keywan Riahi, Leiter des Energieprogramms am Internationalen Institut für angewandte Systemanalysen (IAASA) in Laxenburg.

Klimaforscher Keywan Riahi: "Wir werden nicht ärmer werden"

Der weltweit führende Klimaforscher Keywan Riahi im trend. Interview über …

OMV CEO Alfred Stern

Energieversorgung: "Begrenzte Möglichkeiten für schnellen Ersatz"

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat die Abhängigkeit …