Climate Group – Grüne Gruppendynamik

Climate Group – Grüne Gruppendynamik

Grün eingefärbt sind heute viele Geschäftsberichte, Marketingmaßnahmen und Produkte. Dennochs tun sich Unternehmen mit Umweltschutzmaßnahmen nicht immer leicht. Sieben österreichische Betriebe haben sich dennoch hohe Ziele hinsichtlich ihres Beitrags zum Klimaschutz gestellt.

In der vom WWF organisierten Plattform "Climate Group“, die vor genau sechs Jahren ins Leben gerufen wurde, wollen sie ihre betrieblichen Maßnahmen koordinieren und - angenehmer Nebeneffekt - der Öffentlichkeit präsentieren.

Nun hat diese Climate Group eine Bilanz nach sechs Jahren grüner Tätigkeit gezogen. Laut WWF-Projektleiter Johannes Naimer wurden von den sieben Betrieben in diesem Zeitraum mehr als 500.000 Tonnen CO2 eingespart - das entspreche den jährlichen Treibhausgasemissionen von St. Pölten. Die Unternehmen, die sich selbst auf die Schulter klopfen dürfen, sind Ikea, Allianz, Fronius, Pfanner, dm, Erste und Spar. Grundlage ihres gemeinsamen Engagements ist die Zielvorgabe, den CO2-Ausstoß innerhalb von drei Jahren um 15 Prozent zu reduzieren - was auch alle beteiligten Firmen mindestens geschafft haben. "Die weiteren Ziele sind Bewusstseinsbildung und die Entwicklung klimafreundlicher Produkte“, sagt Naimer.

Für die Teilnahme am Programm der Umweltschutzorganisation bezahlen die Unternehmen Beiträge. Ob sich dadurch nicht der Verdacht ergeben könnte, es geschehe vorwiegend aus Gründen der Public Relations? Naimer verweist auf die Kontrolle der Maßnahmen durch verpflichtende Reportings. "Alleine durch unser Know-how und unsere internationale Vernetzung können wir einschätzen, ob die von den Unternehmen genannten Zahlen realistisch sind.“

Zudem werde das Fachwissen des WWF von den Unternehmen selbst genutzt, um die jeweils optimale Strategie zur CO2-Reduzierung zu ermöglichen. "Zweimal jährlich finden Meetings statt, bei denen Erfahrungen ausgetauscht werden und konkrete Maßnahmen besprochen werden“, erläutert Naimer.

Initiator dieses Klimachutz-Projekts war 2007 Ikea. Das schwedische Möbelhaus konnte andere Unternehmen zum Mitmachen bewegen. Die Zusammenarbeit mit einer NGO wie dem WWF auf freiwilliger Basis ist ungewöhnlich und zeigt, was auch ohne gesetzlichen Druck möglich ist.

Naimer: "Es funktioniert: Wir können Klimaziele mit Unternehmen erreichen.“ Wichtig sei dabei, dass Betriebe aus ganz unterschiedlichen Branchen dabei sind - wobei der WWF bestimmte Sparten gar nicht dabei haben will. "Unternehmen, die sich beispielsweise mit fossilen Brennstoffen beschäftigen, passen nicht zur Climate Group“, sagt Naimer. Was haben die einzelnen Unternehmen konkret getan?

Ikea

Das Möbelhaus lässt alle seine Einrichtungshäuser ausschließlich mit Strom aus Erneuerbarer Energie versorgen, zudem wurden Angebote für stärkere Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel durch die Kunden geschaffen - das kostete laut dem Unternehmen rund eine Million Euro. Bis 2016 sollen nun alle Shops auf LED umgestellt werden und zwar sowohl bei der Beleuchtung der Verkaufsflächen als auch bezüglich der verkauften Produkte.

Allianz

Der Versicherungskonzern hat unter anderem versucht, das papierlose Büro zu verwirklichen, nutzt Abwärme aus den EDV-Bereichen zur Energiegewinnung und hat "grüne“ Produkte geschaffen, etwa Prämienbegünstigungen für emissionsärmere Fahrzeuge. Das Gebäude der Generaldirektion in Wien wurde mit Green-Building-Preisen ausgezeichnet.

Pfanner

Der Saftproduzent hat seine Produktionsprozesse durch energieeffiziente Anlagen optimiert und außerdem durch ausgeklügelte Logistik die Transportwege reduziert. Zudem wurde der Anteil der Bahn beim Transport erhöht. Und der Fruchtsafthersteller hat den ersten "klimafreundlichen Apfelsaft“ Österreichs in den Markt gepresst.

Spar

Durch effizientere Transporte, Carsharing-Initiativen, Verwendung von Photovoltaik für die Energieversorgung, optimierte Verpackungen sowie der Förderung entsprechender Produkte (etwa Obst und Gemüse aus CO2-schonendem Abbau) unternimmt die Lebensmittelkette einiges für den Klimaschutz. Hier liefert sich Spar übrigens einen Wettbewerb mit dem Konkurrenten Rewe, der unter anderem mit der Umstellung seiner Lkw-Flotte ähnliche Ziele in punkto Klimaschutz und Öffentlichkeitsarbeit verfolgt.

Fronius

Der Anbieter von Batterieladesystemen, Schweißtechnik und Solarelektronik ist seit Anfang 2008 in der Climate Group des WWF dabei. Das Unternehmen hat an seinem Standort Sattledt eine der größten Photovoltaik-Anlagen des Landes montiert, weiters werden WWF-Projekte in Asien mit entsprechender Ausrüstung versorgt.

dm Drogerie Markt

Der Fuhrpark wurde auf Fahrzeuge umgestellt, die weniger Sprit verbrauchen und damit auch weniger CO2 ausstoßen. Der Strom für die Filialen kommt nun ausschließlich aus Erneuerbarer Energie, zudem werden die Shops mit einem neuen Haustechnikkonzept weiter energietechnisch optimiert.

Erste Group

Die Bank stellt ihre Fahrzeugflotte nach und nach auf umweltfreundliche Autos um, weiters werden Dienstreisen und Papierverbrauch reduziert. Gemeinsam mit dem WWF betreibt die Erste Ökofonds, die in Unternehmen investieren, die sich im Umweltbereich engagieren oder zur Verlangsamung des Klimawandels beitragen.

"Wichtig sind solche Erfolgsgeschichte, damit Unternehmen sehen, was möglich ist“, sagt WWF-Projektleiter Naimer. Das Interesse an solchen Initiativen steige, selbst wenn "die mediale Konjunktur zum Thema Klimaschutz“ derzeit nicht mehr so hoch sei.

Sparpotenzial

Vergleicht man die von den Unternehmen angewendeten Maßnahmen, zeigt sich, dass sich bei der Energie die größten Schritte in Richtung Umweltschutz tun lassen. Speziell die Stromversorgung birgt großes Potenzial, denn diese ist schließlich der größte Brocken beim betrieblichen Energiebedarf. Entsprechend lassen sich große Emissionseinsparungen durch Umstellung auf Ökostrom umsetzen.

Dabei mangelt es in Österreich nicht an entsprechenden Angeboten, beispielsweise durch die Ökostrom AG, die bereits mehr als 22.000 Kunden versorgt und auch zwei spezielle Angebote für Unternehmen parat hat.

Aber nicht nur, was aus der Steckdose kommt, ist für die Energie-und Klimabilanz eines Unternehmens von Bedeutung, es kommt auch auf Parameter wie Haustechnik, Ausstattung der Gebäude und Einsatz moderner, sparsamer IT-Hardware an.

Generell ist es aber von Unternehmen zu Unternehmen verschieden, welche Maßnahmen am meisten bringen. "Zuerst braucht man die Daten, dann die entsprechende Umsetzung“, sagt Klimaschutz-Experte Naimer. Schwierig sei etwa oftmals die Umsetzung bei der Mobilität, sprich bei den Firmenwagen. Für viele Unternehmen ist das ein Tabuthema, denn hier anzusetzen könnte die Mitarbeiter vergrämen.

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